Woran erkennt man sofort, dass man sich – Vorsicht, Ironie - in einen äußert geschmackvollen Film verirrt hat? Wenn man zusehen darf, wie ein Maskierter – Killer Max Seed, der sich wie Leatherface gebärdet – eine Frau mit dem Lauf eines Revolvers vergewaltigt und dann abdrückt. Ein Schnitt-Stakkato, brummender Ton, groß eingeblendete Namen – so fängt „Seed 2: The New Breed“ an.

Seed 2 - The New Breed - Offizieller Trailer

Sieben Jahre nach Uwe Bolls Serienkillerfilm, der zumindest halbwegs passabel, wenn auch ausgesprochen bösartig und weit jenseits jedweder Definition des guten Geschmacks. Aber gegen den lediglich von ihm produzierten zweiten Teil ist das Original das reinste Meisterwerk. Ja, damit weiß man, auf was für einem Terrain man sich mit diesem Film, der kaum über Amateurniveau hinauskommt, bewegt.

Seed 2 - The New Breed - Uwe Boll + Micaela Schäfer = Kopfschmerzen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
Der Film erscheint bei uns am 25.07.2014 auf Blu-ray und DVD.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein paar Freundinnen reisen mit einem Wohnmobil durch die Wüste. Eine von ihnen will heiraten, die anderen wollen eine ordentliche Party organisieren. Ein paar Spannungen gibt es schon, aber es dauert nicht lange, bis sich zeigt, dass das noch die kleinsten Probleme der Mädchen sind.

Erst gabeln sie einen unheimlichen Anhalter auf, dann treffen sie inmitten der Wüste auf eine merkwürdige Polizistin und schließlich taucht der irre Max Seed auf, der nicht länger alleine als Schlachter durch die Lande zieht, sondern nun mit der Familie gemeinsame Sache macht.

Man merkt schon: Originalität ist die Sache dieses Films nicht. Kurz gesagt kann man ihn so beschreiben: „Texas Chainsaw Massacre“ im Wüsten-Setting von „The Hills Have Eyes“.

Seed 2 - The New Breed - Uwe Boll + Micaela Schäfer = Kopfschmerzen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
Das Erstlingswerk stammte noch aus der Feder von Uwe Boll.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie man den Bodensatz noch unterbietet

„Seed 2: The New Breed“ wurde von Marcel Walz geschrieben und inszeniert. Der hat zwar in seinem jungen Leben schon jede Menge Filme auf die Menschheit losgelassen, wirklich gut war aber keiner (siehe auch unsere Kritik zu „Raw – Der Fluch der Grete Müller“). Ihm fehlt schlicht und ergreifend das Talent, mehr zu bieten als eine Zitate-Sammlung der Filme, die ihn offenbar beeindruckt oder ihm gefallen haben.

So ist dieses Sequel auch weniger eine echte Forstsetzung als vielmehr eine schlechte Kopie von „Texas Chainsaw Massacre“, bei der einfach nur Bolls Max Seed eingefügt wurde, um den Film besser vermarktbar zu machen. Per se ist es nicht verwerflich, die Muster eines Backwoods-Films uninspiriert nachzuahmen und streng nach Checkliste zu verfahren. Das haben schon viele Genre-Filme im Fahrwasser von Tobe Hoopers Erfolgsfilm gemacht. Aber: ein Mindestmaß an Spannung sollte schon vorhanden sein.

Seed 2 - The New Breed - Uwe Boll + Micaela Schäfer = Kopfschmerzen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
In Teil 2 führte Marcel Walz Regie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die sucht man hier aber vergeblich. Die Gewaltszenen sind einfallslos gestaltet und setzen ganz und gar auf den billigen Effekt, der jedoch weitestgehend wirkungslos verpufft. Blut und Gekröse machen eben noch keinen guten Film aus, auch keinen guten Billig-Horrorfilm. Da muss schon mehr kommen, was hier aber nie der Fall ist. Langweilige Kameraeinstellungen, nichtssagende Dialoge, nervige Bumm-jetzt-schockt’s-Musik und Schauspieler, denen das alles gepflegt am Allerwertesten vorbeigeht, sind eben nur eines: eine Zumutung für den Zuschauer.

75 Minuten können endlos lang sein

Zeit ist relativ. Drei Stunden können wie im Flug vergehen, 75 Minuten können sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Gefühlt läuft „Seed 2: The New Breed“ wenigstens drei Stunden, vielleicht länger. So auslaugend ist dieses Machwerk, das sogar hässlich aussieht.

Auf Amateur-Niveau wird hier dilettiert. Weniger ein Sequel als vielmehr ein 08/15-Backwoods-Film ohne jedwede originelle Idee.Fazit lesen

Denn von den Schauwerten der Wüste in Nevada kann dieser Film nicht profitieren. Dafür versagt er zu sehr bei den elementarsten Dingen, die einen Film auszeichnen. Von Ausleuchtung scheint man hier noch nie etwas gehört zu haben, getreu dem Motto: „Was brauch ich künstliches Licht, wenn eh die Sonne scheint?“.

Seed 2 - The New Breed - Uwe Boll + Micaela Schäfer = Kopfschmerzen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
Überleben werden diesen Film nicht viele ... Nichtmal die Kinozuschauer.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Ergebnis sind hoffnungslos überstrahlte Bilder, für die sich die meisten Amateurfilmer schämen würden. Von den angeblichen 1,2 Millionen Dollar, die dieser Film gekostet haben soll – ein minimaler Bruchteil davon dürfte realistischer sein – sieht man hier nichts.

Vom Dschungelcamp in die Wüste

Was sagt es über einen Film aus, wenn die nackte, durch die Wüste kriechende Micaela Schäfer noch zu den Highlights gehört? Nichts Gutes, das ist auf jeden Fall sicher. Aber Micaela muss sich auch nicht lange quälen, ein gutes Minütchen, dann wird ihr auch schon der Garaus gemacht. Mit der Haupthandlung hat das alles nichts zu tun, aber mit einem Sternchen-Namen wie Micaela Schäfer muss ein Schrottfilm eben punkten. Ansonsten gibt es schließlich nichts, mit dem sich wuchern ließe.