Gestern Abend sollte er stattfinden, der ultimative Kampf. Uwe Boll, Enfant Terrible der Filmwelt und vermeintlich schlechtester Regisseur unserer Zeit, gegen diejenigen, denen seine Werke am meisten Schmerzen bereiten– die Spiel- und Kinofans. Unter dem Motto „SciFight“ lud der SciFi-Channel zu einem exklusiven LiveChat mit dem Macher solch verrufener Werke wie „Alone in the Dark“ und „Postal“. Und wir waren dabei.

Das Motto gab Boll dabei in einem Trailer zum Event selbst vor: „Ich will es jetzt wissen. Ihr gegen mich. Sagt mir, was euch nicht gefällt.“ Die Realität sah natürlich anders aus: Kritische Stimmen wurden von Doktor Boll auf gewohnt lakonische Weise unterdrückt oder einfach ignoriert. Hat es Uwe Boll nun etwa die Sprache verschlagen? Nicht ganz, aber lest selbst…

SciFight mit Uwe Boll - Offizieller Trailer

"Amateure reden über Kunst"

Frage: Wie ist es so, als Regisseur zu arbeiten? Anstrengend oder eher spaßig?
Uwe Boll: Beides!! Der normale Drehtag dauert 16 Stunden, aber trotzdem macht es natürlich Spaß, wie eigene Ideen im Film umgesetzt werden - und das entschädigt für zu wenig Schlaf und zu viel Kaffee...

Frage: Bist Du selber Science Fiction-Fan? Wenn ja, was ist Deine Lieblingsserie?
Uwe Boll: Ich habe früher immer Raumschiff Enterprise geguckt und konnte mit Battlestar Galactica oder Stargate nicht wirklich was anfangen. Außerdem bin ich Krieg der Sterne-Fan und liebe Aliens - also die Filmreihe!

Frage: Wie ist das eigentlich so, morgens als Uwe Boll aufzustehen? Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du vorm Spiegel über Dein Leben nachdenkst?
Uwe Boll: Wenn ich morgens aufwache, füttere ich zuerst die Hunde und dann lese ich meine über 100 E-Mails die über Nacht rein gekommen sind und dann hab ich schlechte Laune.

"Morgens lese ich meine E-Mails - und dann kriege ich schlechte Laune."

Frage: Sehen Sie sich selbst in erster Linie als Künstler oder als Geschäftsmann?
Uwe Boll: Ich sehe mich als Regisseur und Produzent. Film ist ein zu teures Hobby, um es einfach als Künstler zu betreiben. Film kann Kunst sein, ist aber erst mal Unterhaltung. Wie Oscar Wilde sagte: "Wahre Künstler reden übers Geld, Amateure über Kunst".

Frage: Würdest Du dich als der "Tarantino Deutschlands" bezeichnen, da Du mit Deinen Filmen auch ständig aus der Reihe tanzt und in aller Munde bist?
Uwe Boll: Ich finde viele Tarantino-Filme super, aber drehe trotzdem, denke ich, ganz andere Filme als Tarantino.

Frage: Wer ist eigentlich Ihr Sponsor bzw. wer finanziert Ihre Filme?
Uwe Boll: Zuerst habe ich die Filme über Medienfonds finanziert und dann ist meine Firma Boll AG an die Börse gegangen. Also kauft mal alle eine Aktie der Boll AG an der Börse in Frankfurt. Kostet 13 Euro.

Frage: Spielen Sie selber Computerspiele? Wenn ja welches Genre?
Uwe Boll: Ja, ich spiele am liebsten Tiger Woods Golf. Und das einzige Computerspiel von dem ich jemals abhängig war, heißt Asteroids – damals war ich 12. Mein Lieblingsvideospiel war Silent Hill.

"Silent Hill war mein Lieblingsvideospiel."

Frage: Uwe, fordere bitte mal Stefan Raab zum Boxduell heraus!
Uwe Boll: Stefan Raab würde leider gegen mich keine 20 Sekunden stehen. Und da wäre seine schöne Show zu Ende. Den einzigen Boxkampf den ich noch machen würde, wäre gegen Jean Claude van Damme, damit dieser Poser auch mal wieder auf den Boden der Realität zurückgeführt wird.

Frage: Was hältst Du eigentlich von der Killerspiel Debatte in Deutschland?
Uwe Boll: Ich finde die ganzen Debatten um Killerspiele und Jugendfreigaben blödsinnig. Jeder der 18 ist, sollte selber urteilen, was er spielen, bzw. sehen will.

"Filmkritiker sind verhinderte Filmemacher"

Frage: Hallo Herr Boll, Sie müssen doch zugeben, dass Ihre Filme nicht gerade die Besten sind?
Uwe Boll: Äh, ja! Aber das muss auch Steven Spielberg zugeben. Wer kann schon von sich behaupten, die besten Filme aller Zeiten gedreht zu haben. Zumindest sind meine Filme unterhaltsamer als 99% der deutschen Filme, die wir jeden Tag im Fernsehen geboten bekommen.....

Im Gegensatz zu diesen Internet-Spinnern habe ich keinen schlechten Ruf."

Frage: Die Kritik verreißt Ihre Filme mit schöner Regelmäßigkeit. Sehen Sie deren Ansichten als Gerechtfertigt an oder halten Sie die angebrachten Kritikpunkte für aus der Luft gegriffen.
Uwe Boll: Filmkritiker sind meistens verhinderte Filmemacher, die lieber Kunstfilme sehen als Genrefilme. Von daher habe ich auch nie tolle Kritiken aus dieser Ecke erwartet.

Frage: Diese Frage brennt wohl vielen unter den Nägeln: Wie schaffen Sie es, so namhafte Darsteller wie Ben Kingsley oder Jason Statham für ihre Filme zu casten, obwohl Ihr Ruf nicht der Beste ist?
Uwe Boll: Im Gegensatz zu den Internet-Spinnern ist mein Ruf in Wirklichkeit keineswegs schlecht. Denn genau deshalb laufen meine Filme ja auch weltweit und haben Stars, die mitspielen!

Frage: Lassen Sie sich von Kritik, egal ob positiv oder negativ, beeinflussen?
Uwe Boll: Auf jeden Fall habe ich durch die Kritik gelernt und ich denke Far Cry, der ja auch eher ein Actionfilm ist, wie Alone in the Dark, hat die Anfangsfehler wie bei House of the Dead und Alone in the Dark nicht mehr wiederholt.

Frage: Dann legen Sie sich doch einen Künstlernamen zu. Dann können Sie ja sehen, was für Kritiken reinkommen, wenn keiner weiß, dass Sie Regisseur sind.
Uwe Boll: Ein Künstlername bringt nichts, weil Leute von der Crew oder Statisten im Internet die Wahrheit ausposaunen würden.

"Ich habe zu viele Spielverfilmungen gemacht - da steht man in der Diskussion."

Frage: Warum werden Sie so angegriffen? Ich meine viele "gute" Filmemacher produzieren nicht gerade das Gelbe vom Ei und werden nicht so scharf angegriffen. Wo liegt da der Unterschied?
Uwe Boll: Ich denke, ich werde so angegriffen, weil ich so viele Videospiel-Verfilmungen gedreht habe. Dadurch ist man immer in der Diskussion.

Frage: Findest Du deine Filme eigentlich wirklich gut oder ist das nur PR-Fassade?
Uwe Boll: Ich stehe zu all meinen Filmen, aber es gibt an allen Filmen auch etwas auszusetzen und gegebenenfalls würde ich auch einiges ändern. Z.b. Tara Reid in Alone in the Dark umbesetzen.

Frage: Wieso? Tara ist scharf!!!
Uwe Boll: Tara ist sehr nett, aber sie war trotzdem die Falsche für einen Actionfilm wie Alone in the Dark.

"Ich gehe unter die Gürtellinie"

Frage: Was mich wundert ist, dass Sie mit der Aussage, dass von Ihnen gewählte Schauspieler nicht die Richtigen für eine gewisse Rolle waren, doch eigentlich ein bisschen auf ihre eigene Inkompetenz hinweisen, da es ja die Aufgabe eines Produzenten oder Regisseurs ist, die richtigen Besetzungen zu finden und auf die Rollen zu verteilen. Würden Sie zugeben, dass Sie zumindest in diesem Punkt versagt haben?
Uwe Boll: Ja! Ich gebe zu, dass ich den Fehler gemacht habe, bei Alone in the Dark Tara Reid aufgrund ihres Namens besetzt zu haben, ohne sie vorher getroffen zu haben. Das war mein erster Hollywood-Film und da habe ich genommen, was ich kriegen konnte.

"Tara Reid war eine Fehlbesetzung, das gebe ich zu."

Frage: Sehr geehrter Herr Boll, ich finde Ihre Filme zwar nicht wirklich gut, allerdings respektiere ich Sie für ihre Arbeit und ehrlich gesagt, gibt es wirklich wenig gute Filme in und aus Deutschland. Warum werden Sie speziell immer angegriffen, wo die anderen doch auch schlechte Filme machen?
Uwe Boll: Ich bin ein gutes Angriffsziel, da ich immer meine Meinung sage und auch der deutschen Filmförderung nie in den Arsch gekrochen bin. Deshalb kriege ich auch nie den Bundesfilmpreis - obwohl ich ihn verdienen würde.

Frage: Hast Du schon jemals ans Aufgeben gedacht bzw. standest Du schon mal kurz davor zwecks Geldmangels aufhören zu müssen??
Uwe Boll: Ich habe noch nie daran gedacht aufzugeben, aber es wird natürlich nicht einfacher, größere Filme zu drehen, da sich der Markt in den letzten Jahren negativ verändert hat.

"Ein C&C-Film wäre schlecht mangels Hauptdarsteller."

Frage: Warum beleidigen Sie all jene, die Ihre Filme schlecht finden? Über Geschmack lässt sich ja streiten und Geschmack hat ja auch nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun.
Uwe Boll: Ich beleidige nicht alle, die meine Filme schlecht finden! Ich antworte aber auf demselben Level wie meine Kritiker. D.h. wenn die unter der Gürtellinie agieren, agiere ich auch unter der Gürtellinie...

Frage: Hallo Herr Dr. Boll, ich lade Ihre Filme stets bei Torrent herunter um sie danach zu verkaufen. Das Problem ist nur, dass keiner sie kaufen will, noch nicht mal geschenkt nimmt mir das einer hier ab. Frage: Wie kann ich das Problem lösen?
Uwe Boll: Ich lade auch meine Filme bei Bit-Torrent runter, bekomme sie aber gut verkauft.

Frage: Wie viele Unterschriften hat die Anti-Boll-Aktion eigentlich schon zusammen?
Uwe Boll: Die Anti-Boll-Aktion hat noch nicht mal 300.000 Stimmen zusammen bekommen, obwohl eine Kaugummifirma die Boll-Gegner gesponsort hat

"Über Crysis haben wir schon verhandelt"

Frage: Können Sie mir sagen, um wie viele Minuten Far Cry gekürzt ist?
Uwe Boll: Far Cry ist nur um 30 Sekunden gekürzt. Zwei Szenen mussten wir wegen der FSK schneiden.

"Die meisten Szenen spielen nachts - da sieht man den Unterschied zwischen einem Wald und den Tropen nicht."

Frage: Warum hast Du Til Schweiger die Hauptrolle gegeben und wieso heißt ein Deutscher eigentlich Jack Carver?
Uwe Boll: Weil Til Schweiger sowohl Action als auch Humor spielen kann und ein absolut passender Jack Carver ist! Und Jack Carver heißt Jack Carver, weil er auch im Videogame so heißt - und Til hat sich in den USA den Namen zugelegt, um seine Vergangenheit zu vergessen.

Frage: Warum spielt Far Cry in einem Wald und nicht auf einer Tropeninsel wie im Original?
Uwe Boll: Die Far Cry-Handlung spielt in einem Urwald. Und da unser Film meistens nachts spielt, sieht man den Unterschied zu einem Dschungel kaum. Die restliche Story wird aber genau wie im Spiel: Jack Carver gegen Doktor Krieger.

Frage: Wer ist eigentlich dieser langweilige, schlecht gewählte Sprecher im Far Cry-Trailer (deutsch) und warum werden Ihre Filme nach der Hälfte immer so schlecht?
Uwe Boll: Ich kenne den Sprecher vom Far Cry-Trailer nicht, aber eines verspreche ich: der Film wird nicht nach der Hälfte schlecht wie Seed oder Postal...

Frage: Hieß es nicht auch mal, dass Crysis verfilmt werden sollte?
Uwe Boll: Gerade heute habe ich Herrn Yerli von Crytek getroffen und mit ihm über Crysis diskutiert.

"Es gibt tatsächlich ein Tetris-Drehbuch"

Frage: Ärgert es Sie, dass Sie WoW nicht verfilmen dürfen?
Uwe Boll: Klar! aber dafür habe ich dann Schwerter des Königs gedreht. In absehbarer Zeit kommen jedoch noch einige Spielverfilmungen: Wir wollen noch Bloodrayne 3 drehen und wenn Far Cry gut läuft auch Far Cry 2. Gegebenenfalls werde ich auch noch Sabotage 1943 (heißt jetzt Velvet Assassin) in einen Film ummünzen.

Frage: Wirst Du in absehbarer Zeit wieder Filme ohne eine Spiel- oder sonstige Vorlage drehen? Und wird sich der Stil vom Horror weg bewegen?
Uwe Boll: Ich habe dieses jahr mit 1968 Tunnelratten einen Vietnam-Kriegsfilm gemacht, der am 15.11. in Deutschland ins Kino kommt. Und der basiert nicht auf einem Spiel. Außerdem drehe ich nächstes Jahr einen Film über das Leben von Max Schmeling.

"Bei GTA wollten die Entwickler selber Hauptrollen - das geht natürlich nicht."

Frage: Ihr nächster Film Stoic soll die Grenzen des Erträglichen auf der Leinwand sprengen. Was kann man sich darunter denn vorstellen?
Uwe Boll: Stoic ist die Verfilmung des Sigburger Gefängnisdramas und dementsprechend brutal. Wir verfolgen was die drei Häftlinge in acht Stunden mit dem anderen Häftling angestellt haben, bis er sich aufhängt. Die Schauspieler, wie z.b Edward Furlong aus Terminator 2, haben für den Film auch im Gefängnis geschlafen und ihre Rollen wirklich gelebt!

Frage: Wie ist der aktuelle Stand der GTA Verfilmung? Da war ja mal was geplant...
Uwe Boll: Bei GTA sieht es so aus, dass die Game Designer selber Hauptrollen im Film spielen wollen und das kann natürlich kein normaler Mensch durchgehen lassen. Daher sieht es für den Film schlecht aus...

Frage: Verfilmen Sie womöglich Tetris? Oder Command & Conquer?
Uwe Boll: Es gibt tatsächlich ein Tetris-Drehbuch – so absurd sich das anhört. Und Command & Conquer ist nicht so wirklich interessant mangels Hauptdarsteller.