Keine Frage: der Bösewicht der „Saw“-Reihe, allgemein bekannt als Jigsaw, ist ein diabolischer Schwerverbrecher, dessen sadistische Fallen ganz sicher irgendwann auf einen genialen Masterplan hinauslaufen werden. Ein echter Fürst der Finsternis begnügt sich nicht mit zufälligen Zerteilungen, sondern hat immer das große Ganze im Hinterkopf. Heute noch deine Eingeweide…und morgen schon die Welt!

Doch woher hat Jigsaw seine Ideen, in welchem Keller hat jener bleiche Geselle die vernagelte Schulbank gedrückt? gamona schreitet mit schlotternden Knien auf die dunkle Seite der Macht und hat zehn besonders böse und besonders smarte Finstermänner aufgesucht, deren filmische Greueltaten auf ein geniales Großhirn schließen lassen – das eben auch, nobody’s perfect, einen unkontrollierten Hass auf kleine Kinder und süße Hunde einschließt.

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Der Klassiker unter den Masterplänen

Lionel Twain: Eine Leiche zum Dessert (USA, 1976)

Lionel Twain ist ein bleicher Exzentriker, der in einem finsteren Schloß in der Lola Lane wohnt, einen blinden Butler beschäftigt und pornografische Bibeln an die Kirche verkauft. Was Lionel Twain besonders hasst, sind klassische Krimis, oder besser deren neunmalkluge Protagonisten, die in seinen Augen überbewertete Scharlatane sind: „mit der billigsten Effekthascherei führt ihr eure Leser an der Nase herum. Ihr quält sie mit aus den Fingern gesogenen Schlüssen, die keinen Sinn haben. Noch auf den fünf letzten Seiten führt ihr Charaktere ein, die im ganzen Buch mit keinem Federstrich erwähnt wurden.“

Lionel Twain will die besten Spürhunde eigentlich testen - wird dummerweise aber Opfer seiner eigenen Planung. Oder doch nicht?

Der Masterplan

Der Hass von Lionel Twain auf vielgelobte Star-Ermittler geht so weit, dass er die größten fünf von ihnen in die Lola Lane einlädt. Miss Marple, Sherlock Holmes, Charlie Chan, Hercule Poirot und Sam Spade sollen einen noch nicht begangenen Mord aufklären und würden, falls sie ihn denn lösen sollten, für ihre Geistesblitze eine Million Dollar erhalten.

Als um Mitternacht tatsächlich ein langes Messer für einen Toten sorgt, kommt eine schier irrwitzige Parodie auf kriminalistische Klischees ins Rollen, die die fünf Masterminds ein ums andere Mal hinters Licht führt. Was weiß der blinde Butler, was die taubstumme Köchin, was war nochmal das Knarzen hinter dem Vorhang und wieso eigentlich ist der Tote niemand geringerer als der Gastgeber selber?

"Kommt Jungs, wir spielen 'ne Runde Cluedo."

Und, klappt’s?

Mon Dieu, und wie es klappt! „Eine Leiche zum Dessert“ ist so etwas wie die Mutter aller Persiflagen und weiß bis zum bizarren Ende mit immer neuen Twists und Gemeinheiten zu begeistern. Truman Capote alias Lionel Twain schickt Peter Sellers, David Niven, Peter Falk, Alec Guiness und etliche weitere Großmimen leider vergangener Tage durch ein schier undurchdringliches Labyrinth falscher Fährten und enttarnt erst ganz zum Schluß den wahren Täter.

Lionel Twain ist eine besonders rare Spezies von Masterminds: er führt zwar Böses im Schilde, doch nähren seine dunkle Gedanken so viel Cleverness und fiese Überraschungen, dass man nicht umhin kann, ihm Applaus zu spenden. Durchaus beruhigend, dass dieser Herr nicht die Absicht hat, sich die Welt untertan zu machen.

Evil Faktor: 7

Auf den Mond geschossen

Hugo Drax: Moonraker (GB/F, 1979)

Hugo Drax ist ein typischer James Bond-Bösewicht und besitzt folglich folgende Eigenschaften: er ist wahnsinnig, er ist stinkereich, er ist ein Killer und ein Hedonist, er ist sehr smart…und schafft es trotzdem, einen vollkommen größenwahnsinnigen und unnötig komplizierten Masterplan vom Stapel zu lassen.

Adrett, wohl gekleidet, aber stets größenwahnsinnig - so sieht der typische Bondbösewicht aus.

Der Masterplan

Hugo Drax haust in einer unsichtbaren Weltraumstation und möchte die gesamte Menschheit durch ein tödliches Gas auslöschen, das von einer seltenen Pflanze gewonnen wird. Sobald die Erde wieder bewohnbar ist, wird er sie zusammen mit „Exemplaren perfekter Physis“ erneut aufsuchen und als Anführer seiner eigenen Herrenrasse die ganze Welt unter seine Herrschaft bringen.

Michael Lonsdale alias Hugo Drax spielt Hitler im Weltall und lässt wenig unversucht, die Krone des schmierigsten 007-Widersachers aller Zeiten zu erlangen. Immer an seiner Seite dabei: Beißer Richard Kiel, der zwar nicht gerade der hellste Riese unter der Sonne ist, doch dafür umso herzhafter seine gestählten XXL-Hauer in menschliche Bifis versenkt.

Eigentlich nur der Handlanger, aber berühmter als sein Boss: der Beißer Richard Kiel.

Und, klappt’s?

Da es sich um einen James Bond Film handelt, kann der Plan natürlich nicht klappen. Der Beißer verliebt sich in ein ähnlich ansehnliches Mädel, Roger Moore kalauert auch die fiesesten Ohren zum Siedepunkt und am Ende dann fliegt natürlich alles in die Luft.

Aber auch wenn der Plan geklappt hätte: wäre es nicht äußerst gefährlich, auf einen Planeten zurückzukehren, der entweder von „I am Legend“-Zombies oder wildgewordenen Tieren überrannt ist? Wenn er Herr Drax wirklich an der Mastermind-Krone schlecken möchte, dann hätte er sich mal lieber „Planet der Affen“ ansehen und die gesamte Menschheit versklaven sollen. Für den Aufbau einer neuen Gesellschaft besteht schließlich ein satter Bedarf an billigen Arbeitskräften.

Evil-Faktor: 4

Kopflos in Seattle

Dr. Carl Hill: Re-Animator (USA, 1985)

Dr. Hill ist ein alteingesessener Gehirnchirurg, der medizinische Ethik nur aus dem Fernsehen kennt und ein extrem hässliches Toupet trägt. Seine Reputation beruht unter anderem auf gestohlenen Forschungsarbeiten, wohingegen seine wild schleimende Libido vorwiegend mit der dicktittigen Tochter des Dekans zu tun hat.

Dr. Hill ist einfach nicht totzukriegen: Ein echter Bösewicht braucht keine Arme. Oder Beine.

Der Masterplan

Dr. Hills Masterplan ist vorwiegend eine Neidreaktion auf einen weiteren Doktor, Herbert West, der ein grün schimmerndes Serum gegen Gehirntod erfunden hat. Ganz in der Tradition der Forschungsarbeiten, möchte Hill das Serum stehlen und bedient sich dazu sowohl seiner hypnotischen Fähigkeiten als auch einer drastischen Lobothomie-Operation. Selbst als West ihm mit einer Schaufel den Kopf abhackt, ist der Mann immer noch im Einsatz: auch fehlende Gliedmaßen hindern ihn nicht daran, der Dekan-Tochter, nackig festgeschnallt auf einem Operationstisch, seine schlabberige Zunge zwischen die Schenkel zu schieben.

Und, klappt’s?

Für den Zuschauer klappt alles ganz vorzüglich, doch für Dr. Hill schaut’s am Ende gar nicht gut aus. Nach der Rübe ab- und der Zungen-Nummer folgt nämlich noch die Wiederbelebung-von-Toten-Nummer, was für Dr. Hill eine Explosion seines restlichen Körpers und schließlich ein Würgetango seines immer noch sehr aktiven Darms bedeutet.

Auch wenn die Grenzen hier fließend sind: Der Bösewicht ist nicht der mit dem grünen Mittelchen.

Unvergessen ist Dr. Hills Ausspruch, als sein Kopf in einer Operationsschüssel landet: „Weeeeeest. Siiiiieeeee Baaaaaaassssstaaaard.“ Und selbst ganz am Ende, bzw. bereits in „Bride of Re-Animator“, mag Hill immer noch nicht aufgeben. Ausgestattet mit an seinen Ohren befestigten Fledermausflügeln schwebt sein Kopf durch ein wirres Monstrositäten-Kabinett und lacht dabei so dreckig, als hätte er gerade zum ersten Mal sein beschissenes Toupet gesehen.

Evil-Faktor: 8

Lockere deine Zunge!

Lee: Old Boy (K, 2003)

„Old Boy“ ist die Geschichte einer Rache, und zwar einer der epischsten und perfidesten Rachen der Filmgeschichte. Sein Initiator ist Lee, ein reicher und geleckter Geschäftsmann, der vor vielen Jahren eine inzestuöse Beziehung mit seiner Schwester pflegte. Als das Ziel seines Unmuts, Oh Dae-su, diese Beziehung öffentlich machte, beging das Mädel Selbstmord…und Lee fasste einen schier unmöglichen Racheplan.

Oh Dae-sue will bittere Rache - dabei ahnt er nicht einmal, dass er es ist, an dem selbige verübt wird.

Der Masterplan

Jener Masterplan startet mit der Gefangennahme von Oh Dae-su, der satte 15 Jahre in einem Zimmer verbringen muss, nur ausgestattet mit einem Fernseher und regelmässig zugeführtem Nervengas. Genauso plötzlich wie seine Festnahme passiert auch seine Freilassung, nach der Oh Dae-su die Aufgabe erhält, innerhalb von fünf Tagen den Grund hinter all dem zu finden. Als Ansporn dabei dient das Versprechen seines Peinigers, sich selbst umzubringen – wenn er denn die Lösung des Rätsels finden sollte.

Unter dem Einfluß von Hypnose bringt Lee Oh Dae-su dazu, sich in ein süßes Mädchen namens Mi-Do zu verlieben und mit ihr schließlich in der Kiste zu landen. Seine 15 Jahre unterdrückten Gefühle kommen wieder zum Vorschein, und zwar nicht nur durch die Verspeisung eines lebenden Tintenfisches, doch trotzdem ist ein Happy End hier weiter entfernt als der Mond: die 15 Jahre waren genau die Zeit, die Oh Dae-sus Tochter, natürlich besagte Mi-Do, zu einer attraktiven Frau reifen ließ.

Wie jeder gute Asiastreifen soll "Old Boy" demnächst ver-remaked werden.

Und, klappt’s?

Oh ja, und wie, obwohl dann ganz am Ende auch noch gehörig Blut fließt. Der Masterplan macht aus Oh Dae-su ein verstrubbeltes Tier, das mit einer selten so konsequent durchdachten Brutalität ins physische und emotionale Aus getrieben wird. Das ist eigentlich keine Rache mehr, sondern eine Zerstörung, ausgeführt mit einer perfiden Kaltschnäuzigkeit, die aber letztendlich nur Verlierer kennen kann. Auch wenn Lee Anzug und Haargel sein eigen nennt: sein verrottetes Hirn ist keinen Deut besser als die hammerharte Brutalität seines Gegenübers.

Evil-Faktor: 9

Deine Mudda...

Stewie Griffin: Family Guy (USA, 1999-?)

Stewie Griffin ist das Baby der Griffin Familie und kann vor allem durch seinen wie ein aufgeblasener Football aussehenden Kopf und eine rote Latzhose identifiziert werden. Obwohl er noch überzeugter Windelkacker ist, strebt er eigentlich die Weltherrschaft an, möchte seine Mutter umbringen und könnte später, was zahlreiche neuere Andeutungen verraten, mal zum gleichgeschlechtlichen Ufer hinüberschwimmen.

Hach....Kinder sind schon etwas Wunderbares. Wenn es nicht die eigenen sind.

Der Masterplan

Stewie hat nicht einen, sondern gleich eine ganze Schublade voller Masterpläne. Einmal möchte er per Gedankenkontrolle seinen Bruder zur Ermordung der gemeinsamen Mama treiben, dann versenkt er den geknebelten Freund seiner heißen Babysitterin in einem Kofferraum, bewirft seine Mutter mit einer Granate, pinkelt das ganze Haus voll, erfindet eine Zeitmaschine, um sich Zahnschmerzen zu ersparen, möchte seine Erzeugerin mit einem Maschinengewehr ummähen, schrumpft sich in den Körper seines Vaters, um mit einer Anti-Sperma Waffe weitere Brüder zu verhindern, und erfindet sogar eine Wetter-Kontrollmaschine, die alle Broccoli-Pflanzen der Welt zum Erfrieren bringen soll.

Und, klappt’s?

Nein, eigentlich klappt’s nie, und trotzdem werden ständig neue Pläne ausgeheckt – zumindest bis dann der Schwulen-Plot stärker in den Vordergrund rückt. Die Gedankenkontrolle wird per Mikrowelle gegen ihn selber gerichtet, der Typ im Kofferraum lebt auch nach zwei Wochen noch, die Granate konnte nicht wirken, weil Gevatter Tod gerade verhindert war, die Zeitmaschine funktioniert einfach nicht, die Maschinengewehr-Attacke war lediglich eine Simulation und die Anti-Sperma Waffe trifft dummerweise auf einen potentiellen Bruder namens Bertram.

Stewie kriegt kaum Punkte für seine Erfolge, doch die Hartnäckigeit dabei ist auf jeden Fall einen gesonderten Applaus wert.

Evil-Faktor: 4

Der Porno-Imperator

Kaiser Hodes: Flesh Gordon (USA, 1974)

Kaiser Hodes heißt eigentlich Kaiser Wang, doch irgendwie verstrahlt Hodes, der ursprüngliche Synchro-Name, einfach mehr Atmo. In jedem Fall ist jener Mann der Chef des Planeten Porno, auf dem nicht nur permanent Sexorgien stattfinden, sondern auch transsexuelle Sexbestien und Vergewaltigungsroboter hausen. Kaiser Hodes schaut aus wie Kaiser Ming, was kein Wunder ist, weil „Flesh Gordon“ ja „Flash Gordon“ parodiert, und die holde Frau Gemahlin hat natürlich ebenfalls einen stilechten Passeintrag: Königin Klitoria.

Wer so aussieht, muss einfach durchgeknallt sein.

Der Masterplan

Kaiser Hodes richtet einen Sexstrahl auf die Erde, woraufhin alle Bewohner sexbesessen werden. Jeder besteigt jeden, und nur Flesh Gordon, plus seine Freundin Dale Ardor und der Wissenschaftler Dr. Flexi Jerkoff, können der kosmischen Penetration Einhalt gebieten.

Und, klappt’s?

Ja, der Masterplan klappt, aber eben nur, bis Flesh Gordon und seine Truppe mit ihrem Penisraumschiff auf Porno landen. Im folgenden treffen sie nun auf einen Penisaurier, Königin Klitoria verteilt Kraftwarzen, der Sohn des Herrscherpaares, Prinz Pornis, entpuppt sich als schwuler Robin Hood-Verschnitt, dann kommt der Vergewaltigungsroboter und zum Schluss wird die Sexstrahlen-Kanone von einem King Kong-artigen Monster ohne Fell zerstört.

Es liest sich wie ein Klischee, doch hier stimmt es ausnahmsweise mal: diesen Film glaubt man erst, wenn man ihn selber gesehen hat.

Evil-Faktor: 3

Kopf in der Box

John Doe: Sieben (USA, 1995)

John Doe ist ein Mensch ohne Identität, der sich sogar selber die Fingerkuppen abschneidet, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. John Doe ist weiterhin äußerst intelligent und schaut so durchschnittlich aus, wie jemand aussehen kann, der im selben Jahr gleich noch einen diabolischen Schwerverbrecher, Keyser Soze, in sein filmisches Kerbholz geritzt hat.

Kevin Spacey ist DER Mann für diabolische Masterpläne. Siehe auch: Die üblichen Verdächtigen.

Der Masterplan

John Doe hasst die Gesellschaft und möchte bewirken, dass sie sich ihres sündhaften Benehmens bewusst wird. Der einzige Weg, dies zu vermitteln, ist für ihn, etwas zu tun, das nicht ignoriert werden könne: die drastische Ermordung „gefallener“ Personen nach den Motiven der sieben Todsünden.

Der erste Mord, betitelt „Maßlosigkeit“, lässt einen Mann an Überfressung sterben, dann folgen die Folterung eines Anwalts (=“Habgier“), die monatelange Fesselung eines Kinderschänders (=“Faulheit“), eine zerschnippelte Prostituierte (=“Wollust“) und ein ebenfalls zerschnippeltes Fotomodell (=“Hochmut“).

Und, klappt’s?

Das wirklich perfide an John Doe ist seine absolute Unberechenbarkeit, die sowohl auf der Abwesenheit eines offensichtlichen Motivs als auch der Weitsicht seiner Aktionen gründet. Er stellt sich selbst der Polizei und bietet an, sich schuldig zu bekennen, wenn er PittBrad und Morgan Freeman an den Ort führen kann, wo die letzten beiden Opfer versteckt sind. Das eine Opfer ist PittBrads Frau, deren Kopf per FedEx angeliefert wird, und das letzte Opfer, nun ja, unterstreicht endgültig die Perversität des ganzen Unterfanges.

Krasses Ende: "Se7en" führte das Thrillergenre ins nächste Jahrtausend.

John Doe ist der böse Mastermind schlechthin, weil er nicht nur intelligent und brutal, sondern auch noch bis zur Selbstaufgabe irre ist. Man kann auf so einen Mann nur reagieren, weil er sich nicht an Regeln hält und in seiner ganz eigenen Realität keinerlei Hemmungen kennt. „Die Welt ist so schön und wertvoll, dass man um sie kämpft. Dem zweiten Teil stimme ich zu“.

Evil-Faktor: 10

Tuntige Alien-Vampire greifen an

Der Ruler: Plan 9 aus dem Weltall (USA, 1959)

Der Ruler ist der Chef eines Alien-Volkes, das auf die Erdbevölkerung nicht allzu gut zu sprechen ist. Ausgestattet mit einer Art Luxus-Pyjama, gibt er ganz die tuntige Drag Queen im Weltall und begleitet jeden Satz mit rollenden Augen und voll fiesen Grimassen.

Der Ruler würde sich heutzutage wahrscheinlich <]Rul0r[> nennen.

Der Masterplan

Da 8 Pläne zur Unterwerfung der Erdenwürmer bereits gescheitert sind, soll nun Plan 9 die entscheidende Wende bringen. Zwei außerirdische Soldaten, Eros und Tanna, kommen auf die Erde und wollen mittels Elektrodenstrahlen Tote wiederbeleben, die dann wiederum die Menschheit in Grund und Boden würgen sollen.

Der Grund für diese Aktion? Der Ruler befürchtet, dass die Erdbevölkerung mittels einer Solarbombe das ganze Weltall vernichtet. Wie gut dabei, dass auch an die Umkehrung der Zombifizierung gedacht wurde: die Außerirdischen können mit einem Strahl, der eine Art Pulverisierung nach sich führt, die Untoten wieder unschädlich machen.

Und, klappt’s?

Der Masterplan klappt leider nicht, doch die unfreiwillige Belustigung der Zuschauer erreicht dafür galaktische Höchstnoten. „Plan 9 aus dem Weltall“ regiert bekanntermassen als der schlechteste Film aller Zeiten und ist so ungefähr das genaue Gegenteil von „Transformers 2“ – inklusive des unschlagbaren Unterhaltungswertes der Ed-Wood-Chose.

Herrlich abstrus: Tor Johnson als dummer Zombiesklave von Vampirella.

Dass sich Tag und Nacht ständig abwechseln und Mikrofone ins pappige Cockpit hängen – geschenkt. Als weitere halluzinatorische Erfahrungen brennen sich wackelige Grabsteine ein, genauso wie der dicke Tor Johnson, der in seinem eigenen Grab kurz steckenbleibt, wundersame Anschlussfehler, die selbst dem Hauspersonal von „Eine Leiche zum Dessert“ auffallen würden, ein Pilot mit einer Damenhandtasche und marionettenartige Plastik-Ufos.

Und was ist nun mit der Solarbombe? Eros bekommt tatsächlich die Möglichkeit, deren Funktionsweise den staunenden Menschen genau zu erklären – obwohl doch die Waffe gar nicht aus dem Weltall stammt. Kombiniere: „die Untertassen sind dort oben, der Friedhof dort draußen und ich bin sicher hier drinnen.“

Evil-Faktor: 1

Wir benutzen einen "Laser"

Dr. Evil: Austin Powers (USA/D, 1997)

Dr. Evil ist, wie schon sein Name sagt, echt böse und zeichnet sich durch eine Glatze, unterbelichtete Sprüche, ein ständiges Kauen am kleinen Finger und unnötige Gänsefüßchen aus. Seine Residenz ist eine unterirdische Höhle nahe Las Vegas, wo auch seine Schergen genügend Platz finden: Mini-Me, ein Zwergenklon seiner selbst, Nummer 2, Alotta Fagina, Frau Farbissina, Mustafa und natürlich die süßen Fembots.

Eigentlich eine Parodie auf die Superschurken der Filmwelt , aber dennoch einer der besten: Dr. Evil.

Der Masterplan

Für einen Bösewicht mit dem Namen Dr. Evil ist sein Plan erstaunlich bodenständig: eine nukleare Waffe bedroht die Welt und wenn die UNO nicht 1 Million Dollar zahlt, wird alles in die Luft fliegen – ganz ähnlich dem Weißen Haus in „Independence Day“.

Und, klappt’s?

Bereits bei der monetären Forderung erschallt großes Gelächter, was für Dr. Evil eine Schmach sondergleichen darstellt. Immerhin gab es bei den MTV Movie Awards eine Auszeichnung als „bester Bösewicht“, doch das mit der nuklearen Waffe und der Weltbeherrschung geht trotzdem völlig in die Hose.

Sehr wichtig: Besonders markante Umstände müssen in imaginäre Anführungszeichen gesetzt werden!

„Dr. Evil, erwarten Sie wirklich, dass sie zahlen? Nein, Mr. Powers, ich erwarte, dass sie sterben!“ In Wirklichkeit möchte Dr. Evil wahrscheinlich viel lieber nur drohen, weil alles weitere ja Arbeit oder Denken involvieren würde, und mehr als einmal erhält man den Eindruck, dass seine haarlose Katze, Mr. Bigglesworth, der klar effektivere Blofeld-Verschnitt wäre.

Was Dr. Evil wirklich am Herzen liegt, ist vor allem seine Idee, Haie mit Lasern auszustatten. Alles weitere kann und muss an falschen Lösegeldforderungen, seinem mißratenen Sohn und der Betitelung seiner Unternehmungen mit Namen wie „Death Star“ oder „The Alan Parsons Project“ scheitern.

Evil-Faktor: 2

Angriff der Sperma-Androiden

Der Höchste: Yor (I/F/T, 1983)

Wenn der Bösewicht in einem Film „der Höchste“ heißt und um ihn herum eine wundersame Mischung aus windschiefen Perücken, „Conan“-Klischees und stark verzögerten „Star Wars“ Ausdünstungen wütet, weiß man, dass hier Tarzan, James Bond und der Nikolaus in einer Person zusammengefunden haben.

Schon das Plakat verrät uns: Diesen Film kennt nicht umsonst kein Schwein.

Der Höchste ist niemand geringerer als ein größenwahnsinniger Wissenschaftler, der auf einer Insel lebt und Androiden baut, die aussehen wie Darth Vader im Fetischstudio. Sein deutlichstes Kennzeichen ist eine gewisse Schmächtigkeit in der Erscheinung, doch das wird locker mit knirschenden Dialogen, gnadenloser Gewalt und wilden Augenrollereien wieder wettgemacht. John Steiner: wie immer der richtige Italo-Mann für alles, was keine blonde Zottelperücke aufhat und mit Mörderbizeps gegen Riesenechsen kämpft.

Der Masterplan

Der Höchste kann nur einen ganz hoch oben angesiedelten Masterplan haben: da einfache Androiden immer noch Schwächen aufweisen, möchte Mr. Overlord das Sperma der blonden Zottelperücke mit seinen Robotern mischen, um daraus Super-Roboter zu kreieren.

Das Ziel bei der ganzen Chose? Aber logo: die Unterwerfung der Welt!

Superandroiden mit Sperma züchten - dafür verdient "Der Höchste" (toller Name übrigens) unseren Applaus.

Und, klappt’s?

Yor würde nicht Yor heißen, wenn er nicht zusammen mit seiner blonden Zottelperücke, dem Mörderbizeps, einem Tattergreis in Pluderhosen und einigen Rebellen dem Höchsten mächtig ins Getreide fahren könnte. Besonders drollig dabei ist die Szene, als Yor seine futuristische Schusswaffe direkt auf den Oberbösewicht richtet, selbige dann ohne sichtbaren Anlass wegschmeißt und gröhlt: "da helfen nur die alten Waffen!“

Der Höchste: ein klarer Fall fürs Heim – und zwar nicht nur wegen dieser grandiosen Sperma-Idee, sondern auch der Unfähigkeit, einfach die Pappkeulen sämtlicher Angreifer mit pragmatischen Todesstrahlen in den heißen Staub zu beamen.

Evil-Faktor: 3

Fazit
Es kann nur einen wirklich bösen Overlord geben…und sein Name ist John Doe. Bitte Freiwillige vortreten, die diesem milde lächelnden Psychopathen ohne Fingerkuppen seinen wohlverdienten Pokal überreichen möchten!