An seine frühen Filme konnte Oliver Stone schon über Jahre hinweg nicht mehr anschließen. Weder die rohe Kraft seiner Frühwerke, noch die Experimentierwut der 90er Jahre sind in seinen neueren Werken zu finden. Mit „Savages“ kehrt Stone jedoch zu seinen Wurzeln zurück. Wie in dem von ihm geschriebenen „Scarface“ geht es um Verbrecher und Drogen. In seinem neuen Film ist jeder Protagonist böse – es gibt nur welche, die es weniger sind als die anderen.

Ben (Aaron Johnson) und Chon (Taylor Kitsch) sind unabhängige Marijuana-Produzenten in Los Angeles. Sie haben das beste Gras und eine wachsende Käuferschicht. Doch nun wollen die Mexikaner auf den Markt drängen. Ein Treffen wird arrangiert und man bietet den beiden jungen Männern ein Joint Venture an. Allerdings lehnen sie ab. Einerseits, weil ihnen der Deal missfällt, andererseits, weil sie sich aus dem Drogengeschäft zurückziehen wollen.

Um Druck auf die beiden auszuüben, lässt die Patin Elena (Salma Hayek) die junge Frau O (Blake Lively) entführen, in die beide Männer verliebt sind. Was folgt, sind harte Verhandlungen, denn weder Ben noch Chon sind gewillt, Elenas Spiel mitzumachen. Doch um gegen ein mexikanisches Drogenkartell bestehen zu können, brauchen sie Hilfe, auf jeden Fall aber Informationen. Da trifft es sich gut, dass der DEA-Agent Dennis (John Travolta) schon lange von ihnen bezahlt wird…

Die unterschiedlichen Grade des Bösen

Im Grunde sollten auch Ben und Chon nicht sympathisch sein. Sie sind es aber. Vielleicht, weil man sie durch Os Augen sieht, oder weil alle um sie herum noch bösartiger sind, aber auf jeden Fall steht man auf Seiten des Duos, das eigentlich ein Trio ist.

Kompromissloser Gangsterfilm, in dem es keine Guten gibt. Jeder ist böse, nur manche sind es mehr als andere.Fazit lesen

Eine Dreiecksbeziehung wird in Filmen nicht oft gezeigt. Hier wird sie als gegeben vorausgesetzt. Ben und Chon lieben einander (platonisch) und gemeinsam lieben sie O – und O liebt sie. Man könnte argumentieren, dass die Stolpersteine einer solchen Beziehung im Film nicht angesprochen werden. Bei drei Liebenden besteht immer das Potenzial für Eifersucht, die ihr hässliches Haupt zeigt und zu unschönen Entscheidungen führen kann. Nicht jedoch in „Savages“, denn die Liebe dieser drei ist rein.

Savages - Wilder Dreier mit Oliver Stone

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Wer liebt wen und wen am meisten?
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Gut möglich, dass es das in der realen Welt nicht geben mag. Aber ebenso gut möglich, dass es durchaus funktioniert. Den Film unterstützt es, weil sich damit eine andere, ungewöhnlichere Dynamik ergibt, über die man durchaus nachdenken kann. Spätestens, als Elena zu O über ihre Freunde sagt: „Sie müssen einander mehr lieben als dich. Wie könnten sie sich dich sonst teilen?“

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Was die Bösartigkeit des Duos betrifft? Ben ist ein Weltenretter, der das Geld auch einsetzt, um philanthropische Unternehmungen zu finanzieren, Chon ist jedoch ein Ex-Soldat, der – wie O es beschreibt – aus Afghanistan zwar lebend, aber auch ohne Seele zurückgekehrt ist. Er ist eine Bestie, ein wildes Tier, das alles und jeden vernichten könnte und würde, wenn sein Rudel, Ben und O, in Gefahr wären.

Mutter und Patin

Die Stärke des Films, der auf einem Roman von Don Winslow basiert, ist ganz klar, dass die Figuren allesamt rund erscheinen. Niemand ist gänzlich böse, jeder hat auch gute Seiten. Besonders beeindruckend zeigt sich das bei Hayek, die als Patin brutal, bösartig, sympathisch, liebevoll und menschlich zugleich ist. Besonders stark kristallisiert sich das in der Szene heraus, in der sie mit O gemeinsam isst.

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Regie-Legende Oliver Stone kehrt zu seinen Wurzeln zurück.
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Man hat das Gefühl, dass sie dem Mädchen innerhalb eines gewissen Rahmens helfen will, spürt aber auch zugleich, dass sie sie ohne mit der Wimper zu zucken töten lassen wird, wenn es notwendig ist.

Diese Ambivalenz besitzen alle Handlungsträger, allenfalls bei Agent Dennis ist es nicht so spürbar, was wohl auch daran liegt, dass der Part eher klein ist.

Wie die Wilden

Roman und Film haben einen cleveren Titel. Mehrmals in der Geschichte beobachten Protagonisten andere und kommentieren deren Treiben damit, dass es sich um Wilde handelt. Dabei ist keine Figur ausgenommen, es kommt immer nur auf den Blickwinkel an. Letzten Endes ist ein jeder nur ein Wilder, wenn man das Korsett der Zivilisation abstreift oder jedwedes Denken durch Gier ersetzt.

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Lange nicht gesehen: John Travolta.
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In der Welt von „Savages“ geht es nicht um Menschenleben, um Loyalität oder Ehre, sondern nur um „das Zeug, für das wir uns alle gegenseitig umbringen“, wie es O so schön auf den Punkt bringt.