Atheisten sind genauso dumm wie Gläubige. Araber und Juden müssten sich einfach mal gepflegt gegenseitig anal befriedigen. Jeder darf und sollte mit jedem und allem Sex haben. Kiffen öffnet den Geist für die wirklich wichtigen Dinge. Witze über Körperflüssigkeiten sind saukomisch. Witze über fehlende Hygiene ebenso. Gefühlt zweitausendmal spritzen, wichsen, lecken, ficken später, wird klar, dass sich jeder hätte denken können, was bei diesem Film am Ende herauskommt. Zumindest wenn man sich die Genies hinter der Idee anguckt. Aber etwas Hoffnung auf einen wirklich lustigen Animationsfilm für Erwachsene hatten wir ja schon …

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Die wackeligen Säulen des Humors

Aber Pustekuchen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, doch bleibt uns das Lachen im Halse stecken, wenn der gleiche Gag immer und immer wieder durch die Mangel gedreht wird. Die politischen Aussagen der Macher sind für Fans des schwarzen Humors durchaus unterhaltsam und in ihrem Kern alles andere als falsch, doch die Präsentation lässt immens zu wünschen übrig. Ob sie einem gefallen oder nicht, Serien wie „South Park“ und „Family Guy“ haben den Sinn von subtilem Humor, der einheitlich mit der Brechstange auf das Thema einschlägt, durchaus verstanden. Hier ist vor allem die Brechstange hängengeblieben.

Der ganze Film der Regisseure Conrad Vernon und Greg Tiernan teilt sich in drei Bereiche auf, die mal positiv, mal negativ und mal einfach nur grau zu bewerten sind. Mit dem negativen Bereich ist der durchgängige Humor gemeint, der die Hauptlast des Films zu tragen hat. Zugegeben, einige Sprüche sind durchaus unterhaltsam, teilweise auch einfallsreich. Doch sie sind die Ausnahme der Regel. Hauptsächlich geht es darum, anzügliche Sprüche auf dem Niveau pubertierender Jugendlicher von sich zu geben und nur wenige Momente auszulassen, diese konstant zu wiederholen.

Sausage Party - Steck deine Bratwurst in mein Sauerkraut

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Die Idee ist spitze, der Rest eher nicht so.
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Die zweite Säule besteht aus der Kernidee des Films. Nahrungsmittel und andere Produkte aus dem hiesigen Supermarkt erkennen – beziehungsweise lernen auf die schmerzhafte Art –, dass Menschen keine Götter sind, die sie ins gelobte Land führen, sondern bestialische Fressmaschinen, die ihre Kinder verspeisen und die Liebsten in kochendes Wasser tauchen. Der größte Propunkt hängt an diesem Konzept, da die gezeigten Szenen äußerst einfallsreich und auch neu sind. Es ist ein derber, fast schon diabolischer Spaß, dem Essen dabei zuzugucken, wie es in bester Horror- und Kriegsfilmmanier abgeschlachtet wird.

Diese Szenen sind jedoch sehr viel seltener als der Spaß an Sperma, Drogen und Körperöffnungen. Was das ganze Gerüst zusammenhält, ist eine typische Heldenreise, die kaum langweiliger sein könnte. Was überraschend ist, da man bei einem Konzept wie diesem, untermalt mit Humor der – nennen wir es mal so – Extreme, doch mit weniger Handlung gerechnet hätte. Möglicherweise wäre „Sausage Party“ dann auch besser gelungen. Die Reise selbst ist nämlich gähnend langweilig und die Figuren, die sich auf eben dieser befinden, sind fast ausnahmslos für die Gags entstanden. Hier war mal wieder eine einzelne Szene Mutter des Gedanken und nicht die Ausarbeitung kreativer Charaktere.

Sausage Party - Steck deine Bratwurst in mein Sauerkraut

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„Gore-Szenen" wie diese sind die (wenigen) kreativen Highlights des Films.
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Irgendwo im Meh-Bereich

So besteht die Rechnung aus ein bisschen Positivem, einigem an Negativen und ganz, ganz viel „ist mir langweilig“. Pure Mittelklasse, die keine Chance darauf hat, in einigen Jahren noch in Sätzen wie „Wow, du hast den noch nicht gesehen? Das musst du unbedingt nachholen!“ aufzutauchen. Das liegt aber nicht nur daran, dass „Sausage Party“ als Film nicht besonders gelungen ist, sondern auch daran, dass sich sein Zielpublikum nur schwer ausmachen lässt.

Politisch falsch, bitterböse und trotzdem nur gähnendes Mittelmaß.Fazit lesen

So gemein es vielleicht klingen mag: Dieser Animationsfilm ist am besten zum Ansehen geeignet, wenn man spät abends – einige Meter zu tief ins Glas geschaut – mit Freunden auf der Couch sitzt und keine Lust hat, seine Denkmasse allzu sehr anzustrengen. Wenn der Grundton des eigenen Humors dann noch in die oben beschriebene Richtung ausschlägt, reicht Seth Rogens Baby wenigstens für einige Lacher vor dem Zubettgehen.

Alle anderen Eigenschaften – Leistung der Synchronsprecher, musikalische Untermalung und Animationstechnik – sind kaum der Rede wert und machen diesen Film weder besser noch schlechter. Die Animation ist so gut beziehungsweise schlecht, wie man von einem Film erwarten darf, der acht Jahre lang kein Studio gefunden hat, um umgesetzt zu werden. Die Musik ist okay, aber schon nach einem halben Tag wieder vergessen und die Synchronsprecher machen halt ihr Ding. Weder gut noch miserabel. Irgendwo dazwischen, wie das gesamte Machwerk.