Das Wichtigste gleich vorweg: James Cameron ist nicht der Regisseur dieses Films. Auch wenn sich der Verleih jede Mühe gibt, „James Cameron’s Sanctum“ gewinnbringend über den Namen des 3-D-Rudelführers zu vermarkten, ist er lediglich als einer von fünf ausführenden Produzenten an dem Projekt beteiligt. Die Nähe des Unterwasserhöhlen-Thrillers zum Schaffenswerk des derzeit erfolgreichsten Filmemachers der Welt ist aber sicherlich nicht von der Hand zu weisen.

Sanctum - Erster Trailer

Dreidimensionaler Überlebenskampf

Im gesamten Cameron-Kino spielt Wasser seit jeher eine tragende Rolle. Mit „The Abyss“ hat er 1989 ein wegweisendes Tiefsee-Science-Fiction-Drama inszeniert, die „Titanic“ flutete er mithilfe der größten Studiowassertanks der Filmgeschichte und in der Fortsetzung von „Avatar“ wird er die digitale Meereswelt von Pandora erkunden. Da mag ihm dieser Testlauf, mit stereoskopischen HD-Kameras komplizierte Unterwasseraufnahmen herzustellen, gut ins Konzept gepasst haben.

Sanctum - James Cameron geht baden

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Düster ist es schon mal.
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Der Regisseur von „Sanctum“ aber heißt Alister Grierson. Mit „Kokoda – Das 39. Bataillon“ konnte der Australier vor fünf Jahren einen Achtungserfolg vorlegen, der ihn offensichtlich für die logistisch aufwändigen „Sanctum“-Dreharbeiten in Down Under empfohlen hat. Der Anreiz für das Projekt kam von Produzent und Cameron-Weggefährte Andrew Wight, der 1988 mit einer Gruppe von Menschen in einer unterirdischen Höhle eingeschlossen wurde und diese Erfahrung zu einem Spielfilm verarbeiten wollte.

23 Jahre später lässt er Grierson die Beinahe-Katastrophe von einst noch einmal in 3-D nachstellen. Dieses Mal mit heftigen zwischenmenschlichen Konflikten, zahlreichen Toten und einem genretypischen finalen Akt, der jeder Beschreibung und erst recht vermutlich dem wirklichen Geschehen spottet. Anders als beim tatsächlichen Unglück, das für alle Beteiligten ein glimpfliches Ende fand, wurden die Ereignisse für „Sanctum“ großzügig dramatisiert. „Nach einer wahren Begebenheit“ liest sich schließlich immer schön – so wahr zumindest, wie Kino eben sein kann.

Abgrund des Todes

Im Film verhält es sich so: Eine Gruppe von teils professionellen Höhlentauchern möchte in Papua-Neuguinea ein bisher nicht erkundetes Tiefhöhlensystem erforschen. Als ein unvorhergesehener Tropensturm aufzieht, muss sie sich immer weiter in das labyrinthartige Innere der Höhle begeben, um den eindringenden Wassermassen zu entkommen. Begrenzte Energieressourcen und nur wenige Lebensmittel zwingen die Gruppe allmählich in eine Notsituation, in der sie nicht nur beginnt, die Natur, sondern auch sich selbst zu bekämpfen.

Packshot zu SanctumSanctum

„Sanctum“ gelingen hierbei einige sehr schweißtreibende Momente. Was als Abenteuerexpedition beginnt, schlägt mehr und mehr zum Survival-Thriller um. Die Höhlen- und Unterwasserszenen spielen klaustrophobische Ängste effektiv aus. Wenn der Film Spannungsmomente in Schluchten, Wasserfällen und Gesteinsformationen konstruiert, wenn seine Helden zwischen Felsen, Stalaktiten und Engen um ihr Überleben kämpfen, funktioniert er als beklemmender Thriller. Als Mischung aus „The Descent“ und „The Abyss“. Der enorm starke 3-D-Effekt, der das Bild nicht nach außen, sondern die Beengung simulierend ins Innere verlagert, hat daran großen Anteil.

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So richtig beklemmende Momente sind leider rar gesät.
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Diese Momente allerdings sind rar gesät. Der Film gönnt sie sich nur, wenn seine Figuren mal die Klappe halten und auch tatsächlich etwas für ihr Überleben tun, statt die Situation endlos zu verbalisieren. In ihrer Schablonenhaftigkeit ist die Gruppe nahezu unerträglich, alle Figuren erweisen sich als reine Knallchargen und sind entsprechend den Klischees des Katastrophenfilms vom Reißbrett übernommen. Da duellieren sich der enttäuschte Sohn und sein abgebrühter Vater, deren Beziehung es zu verbessern gilt, muss ein nervtötender Technik-Nerd für Gags am laufenden Band sorgen oder eben der hinterlistige, profitorientierte Quotenmillionär die Mannschaft gefährden. Und so weiter und so fort.

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Avatar-Regisseur Cameron auf den Spuren seines Abyss.
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Die unglaubwürdige und nur unnötiger erzählerischer Emotionalisierung dienliche Vater-Sohn-Geschichte verlagert den Fokus des Films vom Kampf Mensch gegen Natur auf einen banalen Familienzwist, der mit hanebüchenen Dialogen unterfüttert wird (sinngemäß: „Ich konnte die Bedürfnisse deiner Mutter nie erfüllen, mein Sohn. Ich weiß, ich habe versagt.“).

Lustig gemeinte Sprüche auf der Dialogspur wiederum lenken zusätzlich vom Wesentlichen ab und wecken den Wunsch nach qualvoller Verendung aller Beteiligten. Spätestens wenn das Erkunden der engen Höhlen von den Figuren vorzugsweise mit Anuswitzchen kommentiert wird, wünscht man sich sehnlichst James Cameron auf den Regiestuhl.