In „The Expendables“ wurde er als legitimer Erbe einer aussterbenden Actionhelden-Generation bestimmt – in seinem neuen Reißer „Safe – Todsicher“ hat Jason Stathams Figur aber erst mal mit sich selbst zu kämpfen.

Safe - Todsicher - Trailer #1Ein weiteres Video

Es gibt einen Moment, ziemlich zu Beginn, der klar macht: Dieser Film wird nun in die eine oder andere Richtung kippen. Der abgehalfterte Kampfsportler Luke Wright (Jason Statham) hetzt in das kleine Apartment, das er mit seiner Frau bewohnt. Er hat gerade einen abgesprochenen Kampf gewonnen, das war so nicht ausgemacht, und jetzt sitzt ihm die Russenmafia im Nacken, die bekanntlich wenig Spaß versteht, wenn es ums Geld geht. Während die Kamera scheinbar ungerührt die Tiefe des Korridors im Blick behält, stürzt Wright nach rechts in ein Zimmer, wo er seine Frau vermutet. Dann wird es still, und Wright trottet mit hängendem Kopf aus diesem Zimmer heraus.

No More Mr. Nice Guy

An dieser Stelle weiß man noch nicht, was für einen Mann der kantige Statham dieses Mal überhaupt spielt, wobei die Regeln des Genres natürlich besagen, dass dieses scheinbar kleine Licht all seinen Feinden noch gewaltig in den Allerwertesten treten wird. Doch die Szene macht schon deutlich, dass „Safe“ ein fieser, dreckiger Film ist, in dem wohl wenige Gefangene gemacht werden und in dem „Allerwertester“ gefälligst „Arsch“ heißt.

Man hätte sich auch gleich denken können: Man ist im Subgenre Jason Statham, dem „Transporter“ und „Mechanic“, in dem die Action sich von ihren hochpolierten Effektorgien, vom Bombast der sauberen Zerstörung wieder in die Niederungen des blutigen Kampfes Mann gegen Mann, oder besser: Mann gegen Männer und auch mal ein paar Frauen, herablässt. In dem einer, wenn er die Waffe gegen einen am Boden Liegenden erhebt, keine Drohungen ausspricht, sondern einfach abdrückt. Und zwar jedes Mal.

Safe - Todsicher - Der Abservierer

alle Bilderstrecken
Statham glänzt wie immer mit seiner grimmigen Miene.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 7/91/9

Wobei Regisseur Boaz Yakin, der Ende der 80er-Jahre das Drehbuch zum Dolph-Lundgren-Vehikel „The Punisher“ verfasst und zuletzt „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ geschrieben hat, dem groben Keil einen maximal sanft-verletzlichen Kontrapunkt entgegenstellt. Die kleine Chinesin Mei (Catherine Chan), ein Mathe-Wunderkind, wurde von den Triaden von Peking nach New York verschleppt, um dort als lebender Datenspeicher zu fungieren. Als man Mei mit einem heiklen Code betraut, an dem auch die Russen großes Interesse haben, kommt es zum Clash der Banden, und Mei kann entkommen. Ihre Flucht führt sie in einen U-Bahnhof, an dem gerade ein großer, kräftiger Mann, der alles verloren hat, den kleinen Schritt von der Bahnsteigkante nach vorne erwägt...

Packshot zu Safe - Todsicher Safe - Todsicher kaufen: ab 5,99€

Kugelhagel und Gefühl

Tatsächlich werden in diesem Luke Wright die Last, die er zu tragen hat, die Verzweiflung, die ihn stets begleitet, spürbarer als in vielen anderen Actionhelden, denen ein am Reißbrett entworfenes Drehbuch mal schnell eine „Backstory“ mitgibt, auf dass aus ihnen einigermaßen „runde Charaktere“ werden. Freilich fliegen die Fäuste und Kugeln so schnell, dass ein aufmerksames Ohr für Zwischentöne nicht schadet – aber die langsame Entfaltung von Wrights Vergangenheit, die eine voller Schuld und Mord ist, erdet die brutale Gewalt immer wieder im menschlichen Gefühl.

Krachende, altmodische Action mit ein wenig Herz und viel Blei – nix für Franchise-Kiddies.Fazit lesen

Keine Frage, dieser Luke Wright ist das Symptom der Gesellschaft, aus der er hervorgegangen ist. New York ist bei Boaz Yakin ein Moloch aus Verbrechen, Skrupellosigkeit und Korruption, und wenn es nicht so abgedroschen wäre, dann müsste man sagen: in dem ein Leben nicht viel wert ist – was bei dem gewaltigen Bodycount des Films allerdings auch nicht falsch wäre. Für Yakin ist die Heuchelei, die Gewalt der Oberen das letzte Übel, sie übertrifft alle blutigen Auseinandersetzungen innerhalb der Gangsterbanden und sie versperrt demjenigen den Ausweg, der dem Kreislauf des Tötens entkommen will.

Safe - Todsicher - Der Abservierer

alle Bilderstrecken
Auch mit einer Waffe in der Hand kann er das.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 7/91/9

Der Hauch eines Plots

Natürlich ist das alles eine ins Extrem übersteigerte Phantasiewelt, und außer dem Zusammenprall der migrantischen Clans, der ein rassistisches Stereotyp wäre, würde dem eben nicht das noch weitaus brutalere, weil machtvollere Establishment gegenübergestellt – außer dieser Idee des „melting pot“ also gibt es wenig Charakteristika, die erklären, warum ausgerechnet New York City Schauplatz dieses Massakers sein musste. Übertreiben tut es Yakin mit Atmosphäre und Figurenzeichnung nun auch nicht, nach einem recht gemächlichen Beginn lässt er vor allem und gehörig die Fetzen um einen eher schwindsüchtigen Plot um Tresore und geheime Dics fliegen.

So durchzieht die Ballerei ein Hauch von den Geschichten um kaputte Cops aus den 70er-Jahren, wie sie etwa „Brennpunkt Brooklyn“ erzählte, ein wenig der hirnlosen Action der 80er und 90er um Arnie, Van Damme, Lundgren – und eine Melancholie, dank derer „Safe – Todsicher“ am besten im Gedächtnis bleibt.