Zwölf Jahre nach dem letzten japanischen „Ring“-Film kehrt der Fluch mit „Sadako“ auf die Leinwände zurück. Ein bisschen überraschend ist es schon, dass der Film hierzulande sogar im Kino ausgewertet wird. Zu verdanken ist dies After Dark Films Deutschland, das verstärkt kleine Genre-Filme ins Kino bringen will, darunter The Ghostmaker und The Watermen.

Sadako 3D - Ring Originals 3 - Original Trailer (Eng Sub)

„Sadako“ ist im Kino auch ganz gut aufgehoben, da der Film in 3-D präsentiert wird. Inhaltlich zwar diskutabel, bietet der Film aber Dank cooler Schockmomente zumindest knackige 3-D-Unterhaltung mit Gimmick-Charakter.

Im Internet ist ein Video des Künstlers Kashiwada aufgetaucht. Wenn man es sieht, begeht man kurz darauf Selbstmord. Das verfluchte Video, wie es schnell genannt wird, verschwindet, taucht aber immer wieder auf. Die Selbstmordrate steigt, weswegen zwei Polizisten ermitteln.

Auch die Lehrerin Akane ist auf dieses Video aufmerksam geworden, als eine ihrer Schülerin nach Sichtung Selbstmord begeht. Als ein weiteres Mädchen das Video ansieht und der Geist von Sadako sich manifestiert, um auch sie zu töten, kann Akane das Mädchen gerade noch retten. Aber damit ist sie in Sadakos Fokus gerückt…

In der Moderne angekommen

„Sadako“ basiert auf dem neuesten Roman von Koji Suzuki, der sich mit seiner „Ring“-Thematik befasst: „S“. Ging es früher noch um ein VHS-Band, das zirkulierte und den Tod mit sich brachte, so ist es nun das Internet, das den Fluch überträgt. Das ist eine notwendige Neuerung, da die alten Filme mit Nutzung der obsoleten VHS-Technik natürlich Patina angesetzt haben. Aber: Die alten Filme sind dennoch besser.

Sadako 3D - Ring Originals 3 - Das verfluchte Video ist jetzt im Internet

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Das Grauen per Internet: der Ring-Fluch für die Generation Smartphone.
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Denn „Sadako“ leidet an einigen Problemen. Diese beginnen beim wirren Drehbuch und enden bei der Inszenierung. Die Geschichte ist dramaturgisch so mäandernd erzählt, dass man kaum eine Beziehung zu den Hauptfiguren aufbauen kann.

Vielmehr hat man das Gefühl, dass vorgegebene Eckpunkte einfach abgehakt werden, ohne dass man sich weitergehende Gedanken darüber machte, wie das am Ende alles zusammenpasst. Die Inszenierung ist unaufgeregt. Nur bei einigen Schockmomenten entwickelt der Film so etwas wie Eigenleben.

Spinnen-Sadako

Was Sadako in den alten Filmen so gruselig gemacht hat, war auch ihre grauenhafte Art der Bewegung. Sie wirkte unmenschlich, war aber noch im Rahmen dessen, was ein Mensch körperlich umsetzen kann. Bei „Sadako“ wollte man das offenbar übertrumpfen. So wird die Horrorgestalt per CGI gestaltet, was notwendig war, da sie nun eher wie eine Spinne wirkt, sind ihre Beine doch extrem verlängert.

Packshot zu Sadako 3D - Ring Originals 3Sadako 3D - Ring Originals 3

In der Theorie mag das gruselig klingen, in der Umsetzung erscheint es albern, gerade so, als würde ein Starship-Troopers-Arachnide in halbwegs menschlicher Gestalt aus dem Brunnen herausgekrochen kommen.

Der Ring-Fluch ist in der Moderne angekommen. Leider ist abseits cooler Jahrmarkts-3-D-Effekte nicht viel geboten.Fazit lesen

Damit nicht genug, hat man es nicht nur mit einer Sadako zu tun. Stattdessen sind es Dutzende, die die Heldenfigur am Ende durch eine verlassene Fabrik jagen. Mit dem, was „Ring“ ursprünglich so angsteinflößend gemacht hat, hat das alles kaum noch etwas zu tun. Das ist umso bedauerlicher, da in der heutigen Zeit, in der Bildschirme praktisch überall zu finden sind, der Urgedanke des „Ring“-Mythos viel erschreckender ist.

Sadako 3D - Ring Originals 3 - Das verfluchte Video ist jetzt im Internet

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Chance vertan: Das einzig Innovative ist die 3-D-Technik.
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Konnte man Sadako damals noch entkommen, indem man einfach Fernseher mied, ist das in Zeiten von Smartphones und elektronischen Werbetafeln praktisch kaum noch möglich. Aber daraus macht der Film nichts. In einer Szene trägt man dem alltäglichen Überfluss an Bildschirmen Rechnung, aber das erinnert nur daran, dass der Film dabei versagt, aus diesem Potenzial auch echtes Kapital zu schlagen.

Die 3-D-Hand greift zu

Mag die Handlung auch langatmig sein, wenn es denn mal zu Gruselmomenten kommt, dann funktioniert „Sadako“, was auch daran liegt, dass man die Möglichkeiten der Dreidimensionalität zu nutzen weiß.

Das erinnert an die irgendwie cooleren 3-D-Filme der 80er Jahre, in denen man den Zuschauer mit Elementen bombardiert hat, die auf ihn zukommen. Tiefe wird hier zwar auch geboten, so wie es heutige 3-D-Filme am liebsten machen, aber cool ist es nur, wenn Sadakos Hand oder Haare nach einem greifen.