Mit Arnold Schwarzenegger ist nicht mehr viel los, zumindest an den Kinokassen. Dort verzeichnen dessen Filme inzwischen entweder herbe Verluste („The Last Stand“) oder bleiben weit hinter den Erwartungen zurück („Escape Plan“). „Sabotage“, der neue kräftig beworbene Arnie-Kracher, bescherte dem einstigen Hitgaranten nun sogar seinen schlechtesten US-Start seit 30 Jahren. Nicht zu Unrecht, wie man leider sagen muss.

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Testosteron und Blutgekröse

Denn „Sabotage“ ist nicht nur die soundsovielte im Milieu von Recht und Gesetz abgefeuerte Räuberpistole des diesbezüglich offenbar besessenen Regisseurs David Ayer („Street Kings“). Sondern auch eine hässlich gefilmte, relativ langweilige, inhaltlich komplett unausgegorene Testosteron-Schmonzette, die mit bleiernem Ernst von einem Haufen grenzdebiler DEA-Fahnder erzählt, deren überschüssige Manneskraft sich offenbar in kriminelle Energie umwandelt.

Sabotage - Testosteron und Blutgekröse

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John 'Breacher' Wharton (Arnold Schwarzenegger) mit Wumme und … Frisur.
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Mindestens einer von ihnen soll den Staat um 10 Millionen US-Dollar betrogen haben. Oder wenigstens die eigene Truppe, je nachdem wie weit der (loyale und politische) Blick über den Tellerrand ragt (Spoiler: hier bleibt er durchweg auf Höhe des Bodens). Das konfiszierte Geld ist nach der Stürmung einer Drogenkartellsparty spurlos verschwunden. Verdächtigt wird jeder der Gruppe, ganz besonders aber ihr verdienstvoller Anführer John 'Breacher' Wharton (Arnold Schwarzenegger).

Die Männer der abtrünnigen Eliteeinheit – zu denen auch eine Frau zählt, die sich verständlicherweise noch maskuliner aufführen muss als ihre Kollegen, mit natürlich NOCH nervtötenderem Resultat – dürfen in Folge des (man ahnt es schon: nur vermeintlich) missglückten Einsatzes allesamt um ihr Leben fürchten. Wenn nämlich Auftragskiller des Kartells umgehend beginnen, den wilden Haufen Stück für Stück zu dezimieren. Und das ist hier ganz und gar wörtlich zu nehmen.

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Zwischen Mordermittlerin Caroline (Olivia Williams) und Bundesagentenlegende Breacher gibt es einige Meinungsverschiedenheiten. Ehe sie im Bett landen.
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Tom 'Pyro' Roberts (Max Martini) wird von einem Zug zermanscht, Eddie 'Neck' Jordan (Josh Holloway) mit heraushängenden Innereien an die Zimmerdecke genagelt. Ehe man sich versieht, wandelt sich ein Actionthriller, der zunächst wie „The Wild Bunch“ meets „Breaking Bad“ für Gedankenschwache wirkt, zum waschechten Slasher-Film mit Blutgekröse. Und „Ten“, der ursprüngliche Produktionstitel von „Sabotage“, erweist sich folgerichtig als Anspielung auf Agatha Christies berühmten Kriminalroman.

Zehn kleine Männerlein

Christies „Ten Little Indians“-Schema bricht David Ayer aber zugunsten weiterer Plot- und Genre-Twists noch einmal auf. Wenn die DEA-Mannschaft mit den komischen Spitznamen (Sam Worthington spielt einen bulligen Glatzkopf namens 'Monster', Terrence Howard hört liebreizend auf 'Sugar') fast vollständig ausgemerzt ist, dreht Arnie noch mal eine letzte Runde – als Mann, der rot sieht. Die sinnfrei angehängten letzten zehn Minuten tragen überdies sogar schon parodistische Züge.

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The Wild Bunch: Ein Haufen DEA-Fahnder im Drogenkrieg.
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Exemplarisch für das massiv unterentwickelte Drehbuch, dessen Protagonisten und Ereignisse mutmaßlich in einem Trinkspiel ausgewürfelt wurden, ist insbesondere der Umgang mit einer von Olivia Williams gespielten Polizistin vom Morddezernat. Sie wird als ermittelnde zweite Hauptfigur und sogar Arnie-Liebelei eingeführt, darf zum Fall selbst aber absolut nichts Sinnvolles beitragen und steht vor dessen finaler Auflösung schließlich genauso ratlos da wie der Zuschauer.

Wer hier letztlich wen und warum ausbeutet, bleibt im Groß der Wendungen und Motive ohnehin weitgehend unklar. Viel anderes, etwa interessante Einblicke in den Arbeitsalltag der Gesetzeshüter, immerhin eine Spezialität von David Ayer (siehe etwa dessen Script zu „Trainig Day“ oder jüngst „End of Watch“), bietet „Sabotage“ allerdings auch nicht. Über den Drogenkrieg an sich erzählt er ebenso wenig wie über Machtstrukturen, und eigentlich hat der Film schlicht überhaupt nichts zu sagen.

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James 'Monster' Murray (Sam Worthington) und Ehefrau Lizzy (Mireille Enos) haben sich wohl in einem der vielen sinnfreien Saufrituale der DEA-Gruppe kennen gelernt.
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Stattdessen geht es hier vorrangig darum, wer die größte Knarre, die coolste Badass-Attitüde, den längsten Schwanz hat. Trotz überdurchschnittlich prominenter Besetzung ist es dann natürlich immer noch ein 66jähriger Schwarzenegger, der sich am gewinnbringendsten aufzuplustern versteht: Seine Auftritte als – wieder einmal – gebrochener Familienmann sowie eine schön-ruppige Verfolgungsjagd gegen Ende bewahren „Sabotage“ gerade noch so vor einem Totalausfall.