Dass die Russen ein geselliges Volk sind, hört man immer wieder. Trotzdem schafften es Russen bislang oft nur als Bösewichte oder in Dramen und Thrillern in die Kinos. Russendisko zeigt nun die fröhliche Seite der Osteuropäer, in einem deutschen Film mit drei Deutschen in den Hauptrollen.

Russendisko - Trailer #1

Dabei geht es um die klassischen Kinowerte: Freundschaft, Liebe, Träume und Musik. Nach dem Fall der Mauer wollen die drei russischen Freunde Wladimir (Matthias Schweighöfer), Mischa (Friedrich Mücke) und Andrej (Christian Friedel) Berlin erobern. Die beiden Juden Wladimir und Andrej erhalten durch eine politische Regelung prompt eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, nur Mischas Zeit in Deutschland wird auf drei Monate begrenzt. Grund genug, das Beste aus ihrer gemeinsamen Zeit in Ostberlin zu machen.

Während Mischa auf eine Karriere als Musiker hofft, träumt Andrej davon, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu werden. Nur der immerzu gut gelaunte Wladimir weiß noch nicht so recht, was er eigentlich will, hilft aber, wo er kann. Dann lernt er die russische Tänzerin Olga (Peri Baumeister) kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie.

Die fabelhafte Welt des Wladimir

Russendisko ist ein locker-leichter Film mit sehr charmanter Erzählweise. Neben den kleinen amüsanten Geschichtchen und witzigen Ereignissen, die dem unzertrennlichen Trio in Berlin widerfahren, ist vor allem die Art der Erzählungen interessant: Als Olga von ihrer Herkunft berichtet, wird dies in Form einer herzigen Comic-Animation gezeigt. Ebenso verspielt demonstriert Regisseur und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg, wie schnell in Ostberlin die Zeit vergeht.

Russendisko

- Berliner Weiße mit Wodka
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Drei Freunde im Berlin der Wendejahre.
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Wie auf einem Laufband durchwandeln die Figuren die immer gleiche Straße zu einer immer neuen Jahreszeit. Mal im Schnee, mal mit Silvesterknallern und Sekt in der Hand. Leider erkennt man hier die Filmstudios Babelsberg. Denn die charmanten Ecken und heruntergekommenen Straßen, die durch bloßes Betrachten Geschichten erzählen könnten, gibt es so aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten in dem Berliner Bezirk Prenzlauer Berg nicht mehr.

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Diese poppigen und farbenfrohen Szenen wurden an „Die fabelhafte Welt der Amélie“ angelehnt. Ziegenbalg versucht ein berauschendes und romantisches Großstadtmärchen voller kleiner Vignetten, Anekdoten und einer Vielzahl von Figuren zu erzählen, in einer Hauptstadt, die sich im Umbruch befindet. Dabei gelingt es ihm fantastisch, die episodenhafte Erzählung der Romanvorlage von Wladimir Kaminer zu einer einheitlichen Geschichte zu verknüpfen, ohne jedoch die ein oder andere Episode auszulassen.

Heitere Komödie, die aufgrund der charmanten Erzählweise und der energiegeladenen Musik zum Mitwippen einlädt.Fazit lesen

Zigeuner im Auto

So werden unter anderem vom Erzähler Wladimir, der aus dem Off heraus die Geschichte begleitet, diverse Rückblenden eingeleitet. Dadurch erfahren die Zuschauer zu Beginn etwas über die jungen Jahre der Hauptfiguren, z.B. als Andrej von einer alten Nachbarin verhext wurde. Seitdem ist er von Schwermut befallen. Daheim plagt ihn das Fernweh, in Berlin hingegen Heimweh, weil er merkt, dass die neue Umgebung für ihn kein Seelenheil herbeiführt.

Russendisko

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Bei den Russen steppt der Berliner Bär.
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Dennoch mausert sich Andrej in kürzester Zeit zum erfolgreichen Geschäftsmann mit einer brillanten Idee: Er verkauft am Bahnhof Lichtenberg Dosenbier. Das Geschäft boomt und er stockt seinen Bestand mit Schnaps und Zigaretten auf. Mischa und Wladimir hingegen versuchen sich als Straßenmusikanten und ergattern einen Auftritt in einer der damals berühmten illegalen Tagesbars.

Dabei führt sie der Weg immer zurück zum Ausländerwohnheim in Marzahn, einem Mikrokosmos verschiedener Nationalitäten. Vietnamesen kontrollieren den Zigarettenhandel, eine albanische Familie träumt von einem eigenen Restaurant und die Zigeuner vertrinken jeden Abend ihr Geld, um als Höhepunkt des nächtlichen Vergnügens ein Auto gegen einen Baum zu fahren.

Musik in der Russendisko

In diesem Sinne reiht sich munter eine kleine Geschichte an die andere, witzig erzählt durch peppige Schnitte und getragen von der mitreißenden Musik, die den gesamten Film dominiert. Dabei wären Titel zu nennen wie „Super Good“ von Leningrad, „You took the piss out of me“ von VV, „Odessa“ von Golem und „Marusya“ von Svoboda.

Diese Titel vermitteln sehr gut die Stimmung des Films und das beschwingte Gefühl, mit dem man im Kinosessel sitzt, durch die Musik jedoch stets versucht ist aufzustehen und mitzuwippen. Denn natürlich spielt, wie der Titel es schon vermuten lässt, Musik in diesem Film eine übergeordnete Rolle.

Doch russische Klänge reichen leider nicht, um die russische Lebensfreunde und Geselligkeit authentisch rüberzubringen. Und die drei deutschen Hauptdarsteller können diesen entscheidenden Funken leider auch nicht zum Überspringen bringen, denn ihre Figuren bleiben trotz ausschweifender Erzählungen zu eindimensional. Wären da nicht die markanten Namen und Musikstücke, würde man schnell vergessen, dass die Protagonisten aus Osteuropa kommen. Sie könnten genauso gut aus Holland, Schweden oder England stammen.

Ebenso eindimensional bleibt der Versuch, der „fabelhaften Welt der Amélie“ nachzueifern. Bunte Bildchen, skurrile Nebenfiguren und eine romantische Rahmenhandlung genügen da einfach nicht. Die gesamte Stimmung ist eine andere und das durch und durch Märchenhafte des französischen Kultfilms wurde bei weitem nicht erreicht. Dafür unterscheiden sich die beiden Hauptstädte Berlin und Paris einfach viel zu sehr voneinander.