Alle paar Jahre steht ein Live-Action-Film zu einem Anime oder Manga auf dem Prüfstand der Fans und Filmkritiker. Wie bei jeder Adaption liegt die Herausforderung darin, den Geist des Originals wiederzugeben und gleichzeitig als eigenständige, filmische Erzählung zu funktionieren.

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Gerade aber bei den Anime und Manga sorgt schon die kleinste Änderung, die bei der Umsetzung vorgenommen wird, für viel Unmut unter den Vorlagenkennern – und doch sind die Abweichungen unvermeidlich. Handelt es sich bei der Vorlage beispielsweise um eine umfangreiche Serie, müssen bei der Realverfilmung allein schon aufgrund der beschränkten Erzählzeit viele Kompromisse eingegangen werden. Wenn für die Adaption aber gleich drei Filme zur Verfügung stehen, dürften inhaltliche Abstriche nicht das Problem sein... Möchte man meinen.

Rurouni Kenshin Trilogy - Der Samurai, der schwor, nie wieder zu töten

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Die „Rurouni Kenshin“-Filme beinhalten viele typisch japanische Einer-gegen-alle-Kampfszenen. Die Übersicht verliert man dank guter Choreographien aber nicht.
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Die umgekehrte Klinge: das Maß aller Dinge

Erst vor nicht mehr als einem Jahr lief der letzte Teil der "Rurouni Kenshin"-Trilogie in den japanischen Kinos an und brachte das ehrgeizige Adaptionsprojekt, das auf den gleichnamigen Manga von Nobuhiro Watsuki basiert, zu einem fulminanten Abschluss. Die Geschichte spielt im alten Japan während der Meiji-Zeit und handelt von Homura Kenshin, ein schwertkämpfender Vagabund mit kreuzförmiger Narbe im Gesicht, der durch seine Taten als Attentäter zu einer Legende wurde.

Dieser stand vor vielen Jahren unter dem Befehl der neuen Regierung und tötete alle, die sich der Obrigkeit gegenüber auflehnten. Von Schuldgefühlen über die unzähligen Morde geplagt, zog er sich zurück, nahm eine neue Identität an und schwor dem Töten ab. Um diesem Schwur treu zu bleiben, trägt er ein Schwert mit einer umgekehrten Klinge bei sich, mit dem er im Falle eines Kampfes niemanden umbringen kann.

Wie schon im Manga stellt Kenshins Abkehr vom Töten in allen drei Filmen ein Leitmotiv dar. Obwohl er seine Vergangenheit als Attentäter hinter sich lassen will, holt sie ihn mehr als einmal ein. Immer wieder gerät der Protagonist dabei nicht nur in politische Verstrickungen, sondern auch in Konflikt mit seinem Schwur, wenn es darum geht, Unschuldige und geliebte Mitmenschen vor diversen Feinden zu beschützen.

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Meuchelmörder Jinn-e Udo versucht Kenshin zu manipulieren und will damit erreichen, dass er seine Schwur, nie wieder zu töten, bricht.
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Zu den Gegnern gehört auch der skrupellose Makoto Shishio, bei dem es sich ebenfalls einst um einen Attentäter handelte. Dieser nahm nach Kenshins Verschwinden seinen Platz ein, wurde jedoch später von der Regierung verraten und beinahe umgebracht. Bei seinem Akt der Rache hat er unter anderem Kenshin im Visier, den er mit seinen blutigen Taten konfrontiert und auch für sein eigenes Schicksal verantwortlich macht.

Zweischneidige Adaptionen und schnittige Schwertkämpfer

Die Filme greifen einzelne Handlungsbögen aus dem Manga auf und interpretieren sie neu, indem sie ihren Inhalt vermischen. Dabei wird zwangsläufig auf einige Charaktere, die in der Vorlage mehr oder weniger wichtig für den Abschnitt waren, verzichtet oder unter der Berücksichtigung des Fokus nur oberflächlich eingegangen.

Jedoch werden die Änderungen nicht auf Kosten der Dramaturgie vorgenommen, da die wesentlichen Schlüsselszenen beibehalten wurden und auf das selbe Resultat wie im Manga hinauslaufen. Darüber hinaus gelingt es den Filmen trotz der chronologischen und inhaltlichen Neuanordnung durch sinnvolle Ergänzungen einen logischen Faden beizubehalten, wodurch jeder Film, trotz einer übergreifenden Geschichte, eine für sich alleinstehende Episode bildet.

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Antagonist Makoto Shishio will mit seinen Untergebenen, den 10 Schwertern, Kyoto in ein Flammenmeer verwandeln.
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Dass sich um eine ausgeglichene Inszenierung bemüht wurde, zeigt sich auch im regelmäßigen Wechsel der Kampf- und Dialogszenen. Diese nehmen sich für die Narration sehr viel Zeit, so dass zu keinen Moment das Gefühl aufkommt, dass die Handlungsgeschehnisse zu gehetzt wirken. Dabei macht sich die Länge der einzelnen Filme stellenweise doch bemerkbar, gerade wenn auf einen langen Klimax hingearbeitet wurde, der in einer noch längeren Ruhephase ausklingt.

Trotz Abweichungen vom Original bleibt die Adaption seiner Manga-Herkunft treu und funktioniert gleichermaßen auf cineastischer Ebene.Fazit lesen

Wer Schwertduelle und anständig choreographierte Kämpfe liebt, wird mit diesem Film nichtsdestotrotz gut bedient. Ähnlich wie bei den chinesischen Wuxia-Filmen schaffen es die Filme, die teilweise übernatürlichen Auswirkungen eines Kampfes authentisch zu präsentieren, als seien sie ganz natürlich. Auf dieser Grundlage funktionierte auch der Manga, der sich sowohl realen historischen Fakten und Persönlichkeiten bediente, die im Kontrast zu den brachialen, actiongeladenen Kämpfen standen.

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Die "Rurouni Kenshin Trilogy" erscheint am 24.04.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Kenner des Originals werden sich besonders an Kenshins Kampf gegen seinen Widersacher Shishio erinnern, dessen Umgang mit seinem entflammbaren Schwert im Film entsprechend eindrucksvoll visualisiert wird. Während die Filme hinsichtlich der Kämpfe dem Manga in nichts nachstehen, wollen hingegen die karikativen Charaktere und der merkliche Humor des Originals nicht so ganz in das raue, teils dreckige Historienszenario passen.

Dazu zählt auch Kenshins charakteristischer „Oho“-Ausdruck, der in den ersten Filmen - angesichts absurder Situationen - fast schon zu oft zum Einsatz kommt, der aber in den späteren, deutlich düsteren Filmen, seltener verwendet wird. Sonstige unfreiwillig komische Momente, die teilweise aus den überzeichneten Charakteren oder den sehr steif wirkenden Dialogen resultieren, beeinträchtigen den Gesamteindruck glücklicherweise kaum.

Als eigenständige Filmreihe funktioniert „Rurouni Kenshin Trilogy“ gleichermaßen wie auch als Adaption. Unter dem letzteren Aspekt überzeugt die Geschichte dahingehend, dass sie es trotz der vielen Änderungen schafft, Ungereimheiten zu vermeiden und all die abgedeckten Handlungsbögen des Manga sinnvoll miteinander zu verknüpfen.

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