Der amerikanische Traum ist im Wandel. Früher träumte man davon, irgendwann einmal reich und berühmt zu werden. Heute muss man reich und berühmt werden – und zwar sofort. Diesen Wunsch hat auch Justin Timberlake als Pokerspieler Richie in „Runner Runner“. Wie gut, dass er sich seinen amerikanischen Traum schon erfüllt hat. Mit diesem Film wär’s nichts geworden.

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„Hey, lass uns einen Film über einen Pokerspieler schreiben!“, sagte Drehbuchautor Brian Koppelman zu seinem Kollegen David Levien. „Aber darüber gibt es doch schon so viele Filme“, erwiderte Levien. „Egal. Wir machen einfach noch einen. Aber diesmal mit Justin Timberlake und Ben Affleck.“ - so oder ähnlich könnte die Idee zu „Runner Runner“ geboren worden sein. Wirklich mehr steckt nicht hinter diesem Film.

Amerikanischer Traum zum Platzen nah

Richie (Justin Timberlake) studiert an der Princeton University. Sein Studium finanziert er sich mit Glücksspiel und wirbt vor Ort auch andere Studenten für das Online-Pokern an, wovon der Universitätsvorstand alles andere als begeistert ist. Meist setzt Richie alles auf eine Karte, ein wahrer Zocker eben. Und so kommt es, wie es kommen muss: Bei einem Spiel verliert Richie sein gesamtes Studiengeld. Er ist sich sicher, dass er betrogen wurde.

Mit diesen Geschehnissen beginnt der Film sehr unvermittelt und in den ersten zehn Minuten ist eigentlich auch schon alles erklärt. Der Handlungsauslöser wurde von der Kette gelassen und Richie stürzt sich prompt in Gefahr. Dadurch wird natürlich nicht unnötig Zeit verschwendet, die man an anderen Stellen womöglich besser nutzen könnte. Aber es wird auch gar nicht erst Spannung aufgebaut, die der Film dringend nötig hätte.

Runner, Runner - Justin Timberlake verzockt alles

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Komplett verzockt: Trotz kompetenter Schauspieler wie Justin Timberlake und Ben Affleck ist Runner Runner kein guter Film.
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Stattdessen begibt sich Richie direkt von einer stupiden Aktion in die nächste. Bei einer Teenie-Komödie würde man sich fremdschämend die Hand an den Kopf halten, bei „Runner Runner“ hingegen blickt man irritiert und mit hochgezogenen Augenbrauen gen Leinwand. Bestes Beispiel: Als Richie beim Online-Pokern betrogen wird, macht er sich auf nach Costa Rica, um dort den Betreiber der Internetseite zur Rede zu stellen.

Er könnte erst einmal eine E-Mail schreiben, es mit einem Anruf, einem Forum oder dem Support probieren. Aber nein, Richie denkt sich: „Hey, ich hab soeben mein gesamtes Geld verloren! Also flieg ich doch direkt mal nach Costa Rica und klopf beim Glücksspiel-Tycoon Ivan Block (Ben Affleck) an die Pforte. Klappt bestimmt.“.

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Orientierungs- und spannungsloser Hindernislauf

Und tatsächlich, es klappt! Denn Richies Leben ist ein Wunschkonzert auf dem Ponyhof des amerikanischen Traums. Er begegnet der ebenso kessen wie hübschen Rebecca Shafran (Gemma Arterton), verliebt sich prompt in sie und wird von ihr auf eine monströse Party von Block eingeladen.

Richie spricht dort bei ihm vor und wird am nächsten Tag auf seine Yacht geführt, wo Ivan ihm ohne große Umschweife einen sehr gut bezahlten Job anbietet. Na, wenn das immer so einfach wäre…

Justin Timberlake hat sich mit „Runner Runner“ wohl verzockt. Eigentlich der perfekte Film zum Davonlaufen... wenn er einen nicht auf halber Strecke einschläfern würde.Fazit lesen

Doch wie sollte es anders sein: Es gibt natürlich einen Haken an der Sache. Ivan Block benutzt Richie für seine schmutzigen Geschäfte. Und prompt steht das FBI vor Richies Tür, das ihn zum Spielball zwischen den Fronten macht.

Was spannend klingt, wird jedoch recht unspektakulär inszeniert. Eine vorhersehbare Wendung wird von der nächsten überschattet. Dass Ivan Block nicht zu den Guten gehört, ist von Anfang an klar. Und dass Richie das auch irgendwann klar sein wird, steht ebenso fest. Selbst die simple Liebesgeschichte kann man von vornherein abschätzen. So kommt „Runner Runner“ leider ohne Höhen und Tiefen aus. Richie läuft orientierungslos zwischen FBI und Ivan Block hin und her, man versucht unerwartete Wendungen reinzubringen – steigert damit aber leider nur weiterhin die Langeweile.

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Egal, was Richie auch Neues zustößt, sei es eine Prügelei oder eine Festnahme am Flughafen – jedes Problem wird schnell und einfach gelöst. Selbst das Finale, auf das Richie den halben Film über hinarbeitet, entpuppt sich als Blindgänger und toppt noch die absolut gähnende Einöde, die „Runner Runner“ im Kinosaal verbreitet.

Da hilft auch das Starpotenzial um Ben Affleck und Justin Timberlake nicht. Die liefern zwar eine solide, aber keine herausragende Performance ab – was das sehr simpel gestrickte Drehbuch ohnehin nicht hergibt.