Pünktlich zu „Kick-Ass 2“, in dem Chloe Grace Moretz wieder die Rolle spielt, mit der sie berühmt geworden ist, präsentiert Sunfilm den Film „Runaway Girl“ auf DVD und Blu-ray. Der Film ist ab dem 1. August im Handel zu haben.

Runaway Girl - Deutscher Trailer #1

Vom Cover sollte man sich jedoch nicht blenden lassen. „Runaway Girl“ ist kein Actionfilm, sondern vielmehr eine gelungene Verfilmung eines Romans, den man eher in der Kategorie Drama verorten muss.

Luli (Chloe Grace Moretz) ist ein 13-jähriges Mädchen, das in einer Kleinstadt in Nebraska aufwächst. Ihre Mutter ist White Trash, der Vater ein Säufer, so etwas wie Liebe oder Geborgenheit empfindet das Mädchen nicht. Darum entscheidet sich Luli, alles hinter sich zurückzulassen. Das Ziel: Las Vegas. Der Weg: lang und beschwerlich.

Als Anhalterin lernt sie den Cowboy und Krüppel Eddie (Eddie Redmayne) kennen, später dann auch die flippige Glenda, die Luli beibringt, wie man eine Tankstelle am besten überfällt. Doch das Leben auf der Straße – und die Menschen, denen man dort begegnet – ist ganz anders, als sich das die frühreife, aber irgendwie auch naive Luli vorgestellt hat. Es lauern Gefahren, wo sie sie nicht erwarten würde…

Luli im Wunderland

Es geht nicht um Nebraska (dem wenig schmeichelhaften Originaltitel „Hick!“ zum Trotz) und schon gar nicht um Las Vegas, vielmehr ist „Runaway Girl“ ein Roadmovie, das ganz und gar von Chloe Grace Moretz lebt. Sie ist Alice, die offene Straße ist das Wunderland und die Menschen, denen sie auf ihrem Weg begegnet, sind so ungewöhnlich wie die Gestalten, denen man im Reich der Herzkönigin über den Weg laufen kann.

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Sowohl Cowboy Eddie als auch die kriminelle Glenda sind Figuren, die fast nicht in den Film passen. Sie erscheinen wie Überbleibsel eines anderen Films, wie interessante Fremdkörper, die die ansonsten so geradlinige Reise zu einer Strecke mit vielen faszinierenden Abfahrten machen.

Runaway Girl - Vom Hit-Girl zum Runaway Girl: Chloe Grace Moretz kickt Ass

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"Hit-Girl" Chloe Grace Moretz in einer etwas anderen Rolle.
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Sie, aber auch andere Figuren, denen das Mädchen mit dem ungewöhnlichen Namen begegnet, bleiben unvorhersehbar, sind in der Beziehung originell, da ihre Taten überraschen. Der Film macht dabei so manche Wende mit, die überzogen oder launisch erscheint, im Kontext der Erzählung aber durchaus funktioniert.

Dabei steuert „Runaway Girl“ auf ein konsequentes Ende zu, erweckt dann den Anschein, in Hollywood-Kitsch zu versinken, nur um dann doch noch mal die Kurve zu kriegen und die Hauptfigur in eine ganz andere Richtung zu stoßen.

Packshot zu Runaway GirlRunaway Girl

Ein Mädchen, das nach Liebe sucht

„Runaway Girl“ ist im Grunde ein sehr trauriger Film. Er ist aus der Warte eines jungen Mädchens erzählt, dem es nicht nach der großen Stadt gelüstet, weil sie aus dem Kleinstadtmief herauswill. Vielmehr ist Luli ein Mädchen, das allein ist, das trotz Familie keine Geborgenheit kennt, nach Liebe und Akzeptanz sucht und dabei – wie so viele Menschen vor ihr – einige Fehler begeht. Denn nicht jedem, dem man auf seinen Reisen begegnet, kann man auch vertrauen.

Ein Mädchen begibt sich auf die Reise durch ein wunderbares Land. Metaphorisches Drama mit schauspielerischen Schwergewichtern.Fazit lesen

Chloe Grace Moretz beweist als Luli einmal mehr, warum sie eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation ist. Kaum älter als ihre Figur wartet sie mit einem diffizilen Spiel auf, das die Figur nicht nur lebendig werden, sondern den Zuschauer auch ans Herz wachsen lässt.

Trotz aller Schwere und der Gravitas, die Moretz in ihre Rolle einbringt, gibt es aber auch Momente unverfälschten Vergnügens, etwa dann, wenn sie vor dem Spiegel steht und Szenen berühmter Filme nachspielt („Helft mir, Obi-Wan Kenobi, Ihr seid meine letzte Hoffnung.“).

Dennoch gilt auch: Bei der Adaption ihres eigenen Romans verstrickt sich Autorin Andrea Portes aber in Schwierigkeiten. Es gelingt ihr nur bedingt, eine der Stärken des Romans auch im Drehbuch auszuspielen. Das ist der tiefe Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt des Mädchens. Natürlich, das lässt sich bei einem Roman sehr viel leichter bewerkstelligen, unter Umständen hätte man im Film jedoch mit dem oftmals ungeliebten Werkzeug des Off-Kommentars arbeiten können und müssen.

Das wird in wenigen Szenen zaghaft versucht, man hätte dieses Stilmittel aber wohl weit stärker nutzen müssen, und das umso mehr, da mit Moretz eine erstklassige Schauspielerin zur Verfügung stand, die entsprechende Passagen auch problemlos für den Zuschauer spür- und erlebbar hätte werden lassen können.

Runaway Girl - Vom Hit-Girl zum Runaway Girl: Chloe Grace Moretz kickt Ass

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Anders als das Plakat suggeriert ist "Runaway Girl" kein Actionfilm, sondern Drama.
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Gutes Ensemble

Moretz ist der Platzhirsch des Films, aber Eddie Redmayne und Blake Lively (die kurzfristig für Kirsten Dunst einsprang) liefern auch bemerkenswerte Darstellungen ab. Ersterer verleiht seiner Figur die Merkmale eines Soziopathen, ist unglaublich nett in der einen Sekunde und strahlt in der nächsten schon ein Gefühl der Bedrohung aus. Lively wiederum zeigt nach „Savages“, dass sie tatsächlich mehr kann, als nur hübsch auszusehen. Etwas, das sie vor allem in „Gossip Girl“ kultiviert hat.

In einer Nebenrolle agiert Alec Baldwin, taucht aber erst gegen Ende des Films auf. Er hat nicht viel zu tun, seine bloße Anwesenheit lässt den Film aber größer wirken, als die 7-Millionen-Dollar-Produktion letztlich ist.