Fast 30 Jahre sind vergangen, seit der lizenzlose Privatdetektiv Matthew Scudder seinen ersten und für lange Zeit letzten Kinoauftritt absolvierte. Nach dem ungelenken Adaptionsversuch mit Jeff Bridges schlüpft daher nun Liam Neeson in die Rolle des mürrischen Ermittlers. Und passt die beliebte Figur aus den Romanen von Lawrence Block geschickt dem eigenen Image des späten Actionstars an.

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Endstation Friedhof

„Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones“ ist die Verfilmung des zehnten Scudder-Buches, in dem Block seinen ehemaligen NYPD-Cop 1992 auf ein Serienkillerduo im Drogenmilieu ansetzte. Unter dem Titel „Endstation Friedhof“ einst sogar hierzulande erschienen, haben es in Deutschland dennoch nicht alle der bislang 17 Romane zu einer Übersetzung gebracht.

Ruhet in Frieden - A Walk among the Tombstones - Liam Neesons blutiger Pfad

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Seit einer fatalen Schießerei vorsichtig im Waffengebrauch: Matt Scudder (Liam Neeson), Privatdetektiv und trockener Alkoholiker.
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Ganz auf Noir-Traditionslinie detektivischer Kriminalgeschichten beschreiben Blocks Bücher den alkoholkranken Privatermittler als ruhelosen Einzelgänger, der seinen Glauben an Recht und Gesetz immer wieder neu überprüfen muss. Er scheut weder eine Nähe zum prinzipientreuen Polizeiapparat noch zu kriminellen Institutionen, so lange sich die Schuldaufklärung zu moralisch vertretbaren Bedingungen aushandeln lässt.

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Gegenüber „8 Millionen Wege zu sterben“, dem ersten Versuch einer Kinoverfilmung, die Matthew Scudders Einsatz nach Kalifornien verlegte, hält sich „Ruhet in Frieden“ vergleichsweise eng an die Vorlage. Eine ansehnlich gefilmte Pre-Title-Sequenz ist sogleich versucht, die Figur emotional zu erläutern: Weil Scudder während eines Überfalls volltrunken nicht nur Ladenräuber, sondern versehentlich auch ein Kind erschießt, verlässt er das NYPD.

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Schummrige Apartments, geheime Besprechungen: „Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones“ ist auch eine Beschwörung des klassischen Film Noir.
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Es folgt ein Schnitt ins Jahr 1999. Inzwischen finanziert sich der Ex-Cop als Private Eye einen dauerhaften Hotelaufenthalt, er tue „Leuten“ Gefallen und bekomme dafür „Geschenke“, wie er sagt. Nachdem er den Auftrag des Drogenhändlers Kenny (Dan Stevens), die Mörder seiner entführten Ehefrau ausfindig zu machen, zunächst ablehnt, bewegt ihn die außerordentliche Brutalität des Falles doch zu einem Umlenken.

Mithilfe des Straßenjungen TJ (Brian Bradley, in den USA als Teen-Rapper „Astro“ bekannt) findet Scudder heraus, dass Kennys Frau offenbar nicht das einzige Entführungs- bzw. Mordopfer eines mutmaßlichen Tätergespanns ist, das nach bestimmtem Muster vorzugsweise im Dealermilieu zuschlägt. Da die erpressten Ehemänner auf Polizeikontakt verzichten wollen, plant Scudder dem sardonischen Duo eine Falle zu stellen.

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Die Verhandlungen des Drogenhändlers Kenny (Dan Stevens) mit den Entführern seiner Frau scheitern grandios – er ist auf Scudders Hilfe angewiesen.
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Der „andere“ Actionstar

Ehe „Ruhet in Frieden“ dann auf ein fast orgiastisches, der angenehmen Bodenständigkeit der ersten zwei Drittel recht plötzlich enthobenes Finale zusteuert, gelingt ihm inszenatorisch das ein oder andere Kabinettstückchen. Die zurückgenommene Photographie von Mihai Malaimare Jr. („The Master“), so gar nicht interessiert am ästhetischen Unruhemodus gegenwärtiger Thriller, produziert Bilder von erstaunlicher Klarheit.

Nicht nur sind Scudders Untersuchungen im besten Sinne altmodisch, sie gemahnen in ihrer sorgfältigen ermittlungslogischen Betulichkeit auch an klassische Detektivgeschichten. Dass sich ebendiese mit dialogischen Verweisen auf Sam Spade und Philip Marlowe vielleicht sogar etwas zu konkret selbst in Erinnerung rufen, ist dann eben schlicht postmoderner Dringlichkeit, alles verständlich aufbereiten zu müssen, geschuldet.

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Ein nützlicher Freund: Straßenjunge TJ (gespielt von Brian 'Astro' Bradley, bekannt aus der US-amerikanischen Version der Castingshow The X Factor).
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Wie Liam Neeson jedoch als Matthew Scudder im Trenchcoat durch Straßen und über Friedhöfe schleicht, in schummrigen Bibliotheken recherchiert oder verlassenen Diners seinen Kaffee schlürft, bringt für einen Moment tatsächlich die Altehrwürdigkeit des gebrochenen Ermittlers ins Kino zurück. Und geht glücklicherweise auch über ein bloßes Noir-Zitat hinaus.

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Überhaupt ist Neeson, anders als der schnauzbärtige Jeff Bridges in der 1986er-Scudder-Version, so ziemlich die Idealbesetzung der Rolle. Im Spätkarrieremodus eines neu entdeckten „anderen“ Actionstars, der situative Überlegtheit jederzeit aggressiver Kinetik vorzuziehen bereit ist, macht er eine wunderbare Figur. Und tritt als gewaltscheuer Eigenbrötler auch noch einmal entschieden anders auf als zuletzt in „96 Hours“.