Wenn fiktive Figuren zum Leben erwachen, zuerst für den Autor, später auch für das Publikum, dann ist das ein geradezu magischer Moment. Es gibt ihn bei weitem nicht für alle Erzähler, für manche aber doch. Aus Worten formen sie sich lebendig anfühlende Figuren, die oftmals vertrauter sind als der beste Freund.

Es hat etwas Narzisstisches, sich eine Figur auf den Leib zu schreiben, diese so zu gestalten, dass sie selbst innerhalb der Geschichte fiktiv ist, und sie dann auch noch zu spielen. Aber wenn es klappt, dann ist es wunderbar. Zum Glück für Zoe Kazan hat es bei „Ruby Sparks“ geklappt, was auch daran liegen mag, dass sich der Zuschauer ebenso wie die männliche Hauptfigur in das schräge, rothaarige Mädchen verliebt.

Calvin hat mit 19 Jahren als Autor seinen Zenit erreicht. Er hat den großen amerikanischen Roman geschrieben und zehrt noch immer von diesem Erfolg. In den darauffolgenden zehn Jahren hat er nur noch Kurzgeschichten und Novellen veröffentlicht. Jedermann wartet auf den nächsten großen Wurf, doch Calvin hat eine Schreibblockade.

Im Gespräch mit seinem Therapeuten wird ihm von diesem aufgetragen, auf einer Seite eine Geschichte zu schreiben, in der ihm eine Frau begegnet, die nicht nur seinen Hund Scotty, sondern auch ihn mag. Als Calvin von dieser Frau träumt, beginnt er über sie zu schreiben. In seinem Kopf erwacht Ruby Sparks zum Leben. Aber nicht nur dort, denn nach einer Nacht im Schreibrausch erwacht Calvin, und Ruby steht in seinem Haus.

Eine clevere Komödie mit dramatischen Elementen, die sich gekonnt mit den Grenzen von Fiktion und Realität befasst.Fazit lesen

Zuerst denkt er, er sei wahnsinnig geworden, doch auch andere können sie sehen. Wie auch immer es geschah, Calvin hat Ruby zum Leben erweckt – und wie sein Bruder und er bald feststellen, kann er durch das Schreiben an ihr verändern, was ihm nicht gefällt…

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin

- Die Do-it-yourself-Traumfrau
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Zuerst schreibt der Schriftsteller Calvin nur über seine Traumfrau...
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Das Ungewöhnliche ist normal

„Ruby Sparks“ erscheint anfangs wie eine romantische Komödie. Die an sich abstruse Grundidee, für die auch nie eine Erklärung angeboten wird, ist nichts, an dem man sich stören oder reiben würde, weil der Film und seine Hauptdarstellerin entwaffnend süß und romantisch sind. Man akzeptiert, dass Calvin seine Traumfrau durch die Kraft des Schreibens erschaffen hat.

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So gestaltet sich der Film anfangs tatsächlich als lockere, romantische Komödie und läuft zielstrebig auf den humorigen Höhepunkt mit dem Familientreffen bei Calvins esoterisch angehauchter Mutter (Annette Benning) und ihrem freigeistigen Freund (Antonio Banderas) zu. Doch hier zeigen sich auch die Risse, denn wie in jeder Beziehung kriselt es auch zwischen Calvin und Ruby. Weil er Regeln und Vorstellungen hat, nach denen er sie sich wünscht, weil sie anders ist, und weil er an ihr ändern kann, was nicht seinen Vorstellungen entspricht - was ihr nicht bewusst ist.

In einer wichtigen Szene erklärt Calvin seinem Bruder, dass er seine Macht über Ruby niemals ausnutzen wird. Doch noch bevor alle Worte seine Lippen verlassen haben, weiß man als Zuschauer, dass diese Büchse der Pandora noch geöffnet werden wird. Als es dann geschieht, nimmt der Film eine enorme Wendung. Was eben noch süß und lustig war, wird plötzlich dunkel und bizarr.

Seltsamere Dinge sind schon passiert

Von dem Moment an, da Calvin seine Macht ausnutzt, sich eine Freundin formt, wie es ihm gerade gefällt, wird der Mantel der romantischen Komödie, den „Ruby Sparks“ eben noch getragen hat, abgeworfen. Plötzlich hat man das Gefühl, dass dieser von einem starken Independent-Gefühl durchdrungene Film auf ein Ende zusteuert, das man am liebsten nicht miterleben würde.

Die vielleicht eindringlichste Szene des Films ist dann auch, als Calvin seine Macht nicht nur ausspielt, sondern seiner Schöpfung zeigt, dass er es ist, der mit ihr spielt. Das Schauspiel wird hier immer verzweifelter, der Schnitt immer frenetischer und als Zuschauer ist man unangenehm berührt, erlebt man doch einen Fall von emotionalem Sadismus, der der Figur des Calvin aller Sympathiepunkte berauben sollte.

Und doch – seltsam genug – gelingt es, ihn zu rehabilitieren, bis hin zum etwas aufgesetzt wirkenden Happyend, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet und wohl hauptsächlich dem Wunsch der Autorin geschuldet ist, ihren Figuren, die für sie sicherlich sehr lebendig geworden sind, einen schönen Ausklang zu bescheren.

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Kein Traum mehr: Plötzlich ist Ruby zum Leben erwacht.
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In die Wiege gelegt

Dies ist der erste Film, der nach einem Drehbuch von Zoe Kazan entstanden ist. Theaterstücke von ihr wurden schon verwirklicht. Ihr Kino-Debüt ist großes Independent-Kino, aber das sollte es auch sein, angesichts der Ahnengalerie: Ihr Großvater ist Elia Kazan (Regisseur von „Jenseits von Eden“), ihr Vater ist Nicholas Kazan (Drehbuch zu „Dämon“) und ihre Mutter Robin Swicord (Drehbuch für „Die Geisha“). Für Kazan war Schreiben immer etwas Natürliches. Jeder in ihrer Familie hat es getan und lange Jahre dachte sie, das würde man in jeder Familie so handhaben.

„Ruby Sparks“ hat sie zu einem sehr persönlichen Projekt gemacht. Nicht nur, weil sie Schaffende und Schöpfung zugleich ist, sondern weil die Grenzen zwischen Realität und Fiktion immer mehr verschwimmen. Immerhin ist Hauptdarsteller Paul Dano auch im wahren Leben ihr Freund.