Das war es nun also. „Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ ist weltweit gestartet, bricht Rekorde und spaltet ein wenig die Gemüter. Es gibt tatsächlich Leute, denen der Film nicht gefallen hat. Schade für sie. Mir hat er ausgezeichnet gefallen. So sehr, dass ich ihn mir bislang viermal angesehen habe.

Rogue One: A Star Wars Story - Hinter den KulissenEin weiteres Video

Was J.J. Abrams hier gelungen ist, ist eine Verquickung von Alt und Neu. Er spielt mit der Nostalgie der älteren Zuschauer, bietet aber auch den jüngeren genug, die in Sachen „Star Wars“ durch die Prequels oder die „Clone Wars“-Serie sozialisiert worden sind.

Der Look orientiert sich an der klassischen Trilogie. Das ist insofern stimmig, da dieser Film danach spielt, also eher wie „Episode IV – VI“ als „Episode I – III“ aussehen muss. Echte Drehorte, echte Masken, ein spürbarer Verzicht auf den Computer (der natürlich dennoch zum Einsatz kam, hier aber nur Teilwerk ist, denn auch technisch trifft hier Neu auf Alt, Modern auf Klassisch).

Genauso wichtig ist das Gleichgewicht der Figuren. Mit Rey, Finn und Kylo Ren wurden neue, interessante Figuren eingeführt, die nicht nur die Saga über Jahre (Jahrzehnte?) weitertreiben können, sondern mit der gelungenen Charakterisierung und Darstellung allen Altersgruppen gefallen. Dass Han Solo aber eine der Hauptfiguren ist – über weite Strecken fühlt sich alles sogar wie ein Han-Solo-Film an – ist nicht weniger wichtig, und das umso mehr, da eine Staffelstabübergabe stattfindet, die in keiner Szene besser illustriert ist als in jener, als Han das letzte Mal auf seinen Sohn trifft.

Star Wars Inside - Eine Zäsur

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Die Kritiker dieser Welt sind sich weitgehend einig: eine gelungene Fortsetzung.
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Es hat sich wenig getan?

Dass „Das Erwachen der Macht“ nostalgisches Flair besitzt, liegt sicherlich auch daran, dass sich in den letzten 30 Jahren in dieser Galaxie so viel nicht getan hat. Die Raumschiffe – Sternenzerstörer, TIE-Jäger und X-Wing-Flügler – sehen immer noch gleich aus, die Sturmtruppen wurden ein klein wenig modernisiert, der Millennium Falke (schade, dass es nicht mehr der Rasende Falke ist) hat eine neue Radarkuppel, aber das war’s auch schon. Ansonsten ist die Zeit fast stillgestanden. Das mag nicht besonders realistisch sein, hilft aber, die alten Fans wieder ins Boot zu holen, nachdem dies mit den Prequels nicht gelungen ist.

Das Einspiel des neuen Films im Vergleich zu den drei Prequels zeigt dabei sehr gut, wie groß das Potenzial an Alt-Fans war, die sich zuvor nicht mehr angesprochen gefühlt haben.

Packshot zu Rogue One: A Star Wars StoryRogue One: A Star Wars Story

Auch ansonsten ist vieles beim alten geblieben. Anstelle des Imperiums hat man die Erste Ordnung, anstelle des Imperators hat man den Obersten Führer, anstelle des Todessterns die Starkiller-Basis, anstelle des Wüstenplaneten hat man Jakku, Rey ist eine Art Luke Skywalker, Finn eine Art Han Solo, Hux steht stellvertretend für Tarkin, Kylo Ren ist ein neuer Darth Vader. Also ja, man könnte sogar sagen, dass „Das Erwachen der Macht“ im Grunde eine Art Remake von „Eine neue Hoffnung“ ist.

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Wird sich "Rogue One" genauso gut schlagen?!
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Damit würde man durchaus richtig liegen, weil der Film unglaublich retro daherkommt. Damit hat er aber auch „Star Wars“ aus dem Dornröschenschlaf geholt, in den es die Prequels gebettet haben.

Ein Übergangsfilm

Im Grunde ist „Das Erwachen der Macht“ so etwas wie ein Brückenfilm. Er knüpft an das an, was „Star Wars“ groß gemacht hat, wiederholt es in Variation auch und bringt zugleich alles in Stellung, um die Geschichte in neue Bahnen lenken zu können.

Sich von Han Solo zu verabschieden, war dabei mutig, aber vielleicht auch dem Umstand geschuldet, dass Harrison Ford 1.) nicht mehr der Jüngste ist und 2.) wohl auch nur noch einmal Han Solo spielen wollte. Im nächsten Film wird dann Luke Skywalker mehr im Vordergrund stehen, vielleicht sogar über eine Episode hinaus. Hamill ist jünger und sicherlich hungriger, noch mehrmals in Erfolgsfilmen dabei zu sein.

Es mag aber auch sein, dass dieser Film auch noch zum Übergang gehört, nachdem die neuen, jungen Helden ganz und gar im Vordergrund stehen. Dass Alt und Neu aber auch in dieser Beziehung gut harmonieren, hat man am Ende mit Rey und Chewbacca gesehen. Beide funktionieren wunderbar zusammen, so dass man Chewie wohl noch in einigen Filmen sehen wird (dann immer weniger mit dem nicht mehr so agilen Peter Mayhew, sondern mit seinem Double, das schon in Episode VII häufig zum Einsatz kam).

Ob man „Das Erwachen der Macht“ nun mochte oder nicht, es wurden die richtigen Weichen gestellt, um „Star Wars“ in ein neues, glänzendes Zeitalter zu entlassen.