Roboter-Mensch-Beziehungen im Film sind beinahe so alt wie das Science-Fiction-Kino selbst. Von „Metropolis“ bis „I, Robot“ beschäftigte sich das Genre immer wieder und höchst unterschiedlich mit Homunkulus-Mythos, Maschinenwesen und künstlicher Intelligenz. Eine der entscheidenden Fragen, die alltägliche Vereinbarkeit von Mensch und Maschine, beantworteten Filme wie „Nummer 5 lebt!“ oder „Der 200 Jahre Mann“ dabei über den Weg der freundschaftlichen Annäherung.

Ich Roboter, du Mensch

„Robot & Frank“, das Regiedebüt des New Yorker Kunsthochschulabsolventen Jake Schreier, knüpft an die positive Utopie dieser und ähnlicher Filme an: In, wie es heißt, nicht allzu ferner Zukunft erscheinen die analogen Behelfsmittel unseres Lebens bereits wie Relikte.

Der zunehmend senile Frank (Frank Langella) hingegen hat vor der Digitalisierung kapituliert, als einziger Kunde einer klassischen Bibliothek etwa leiht nur er noch Bücher aus – zur täglichen Freude seines Love Interests Jennifer (Susan Sarandon) – und wehrt sich zudem konsequent gegen technische Erneuerungen.

Hin und wieder noch ein interaktives Telefonat mit seiner Tochter (Liv Tyler), sonst hingegen möchte der mürrische Frank in Ruhe gelassen werden. Entsprechend begeistert ist er, als sein genervter Sohn Hunter (James Marsden) ihm einen Service- und Pflegeroboter schenkt, um nicht mehr stets selbst für seinen Vater sorgen zu müssen.

Unkonventioneller und sehenswerter Science-Fiction-Film, der insgesamt aber einen etwas unausgegorenen Eindruck macht.Fazit lesen

Nach anfänglicher Skepsis entwickelt sich zwischen Greis und Maschine jedoch ein merkwürdiges Vertrauensverhältnis. So sehr gar, dass Frank wieder seiner alten Leidenschaft nachzugehen pflegt: in Häuser einbrechen und Schmuck rauben.

Robot & Frank - Ich Roboter, du Mensch

alle Bilderstrecken
Frank bekommt einen Pflegeroboter geschenkt - und findet Gefallen an ihm.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 5/71/7

Über einen Großteil seiner Handlung hinweg entwickelt sich „Robot & Frank“ somit zum unkonventionellen Heist-Movie, das die diebischen Interaktionen von Rentner und Roboter in Szene setzt. Bemerkenswert ist, wie Schreier und sein Drehbuchautor Christopher Ford darauf verzichten, das künstliche Wesen zu emotionalisieren. Nur scheinbar nimmt der Roboter menschliche Fähigkeiten an, tatsächlich aber spielen sich diese alle innerhalb seines Programms ab, das die Gesundheit von Frank wahren soll.

Packshot zu Robot & FrankRobot & Frank

Atmosphäre statt Effekte

Zurückhaltung bestimmt auch den Zukunftsentwurf des Films. Nur vereinzelt treten in ihm futuristische Merkmale in Erscheinung. Ein ultraschmales Auto, das Frank zu Beginn kreuzt, und die den Menschen im Alltag behilflichen Roboter bilden zunächst die einzigen offenkundigen Elemente einer Welt von morgen. Die Maschine selbst, sie bleibt übrigens namenlos, ist zudem schlicht und funktional im Design, beinahe primitiv, als könne sie so oder so ähnlich schon heute in unseren Haushalten ihre Arbeit verrichten.

Eine besondere Unwirklichkeit durchzieht jedoch die atmosphärische Gestaltung des Films, seinen sehr speziellen Ton, den ganz eigenen tragikomischen Humor. Das unvertraute Verhalten der Protagonisten und die Merkwürdigkeit der Dialoge verweisen augenscheinlich auf eine abhandengekommene Menschlichkeit, die auch der freundliche Roboter nicht zurückzubringen imstande ist.

Robot & Frank - Ich Roboter, du Mensch

alle Bilderstrecken
Und langsam kommt der senile Frank wieder auf Touren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 5/71/7

Die Art, wie der Film alles nur noch als Schatten seiner selbst konturiert, unterstützt die Skizzierung seiner Hauptfigur Frank, die von schwindendem Erinnerungsvermögen und mangelhafter Empathiefähigkeit bestimmt wird.

„Robot & Frank“ ist nicht ohne Reiz, das einnehmende Spiel von Broadway-Legende Frank Langella hält ihn weitgehend zusammen. Und doch wirken die starke Stilisierung der Bilder, zurückzuführen sicherlich auf Schreiers Herkunft als Werbefilmer, sowie der immer wieder überaus unsubtile Musikeinsatz eher befremdlich statt einfühlsam. Zudem verbleibt der Eindruck des Schemenhaften, als wolle der Film nie wirklich in die Tiefe seiner Figur gehen. Ein leider recht typischer Debütfilm.