Schon im Vorfeld waren es vor allem die Puristen, die Häme über den neuen „RoboCop“ ausschütteten, und das nicht zuletzt, weil er mit einer deutlich niedrigeren Altersfreigabe daherkommt als Paul Verhoevens Original aus dem Jahr 1987. Die Action ist klinisch rein, hier spritzt das Blut nicht, aber das ist auch nicht weiter von Belang. Die Stärke des Originals waren nicht die dargestellten Gewaltexzesse. Im Kern war er eine beißende Satire. So bissig ist Jose Padilhas Reboot nicht, er besitzt aber einen gesellschaftskritischen Unterbau.

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„Tot oder lebendig, du kommst mit mir.“

Die nahe Zukunft: Omnicorp hat seine automatisierten Waffen – Roboter in mannigfaltiger Gestalt – überall auf der Welt im Einsatz. Sie haben Soldaten ersetzt und sollen nach Wunsch von Omnicorp-Boss Raymond Sellars (Michael Keaton) auch in den USA eingesetzt werden – als Ersatz für menschliche Polizisten. Ein Gesetz verhindert, dass die Maschinen in den USA verwendet werden. Doch dann hat Sellars eine Idee: Man muss die Roboter der Bevölkerung schmackhaft machen. Indem man einen Menschen hineinsteckt.

Robocop - Kann der neue RoboCop dem alten das Wasser reichen?

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Robocop ist zurück. Aber hat er es auch drauf?
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Da kommt es gerade recht, dass der Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman) bei einem Bombenanschlag beinahe ums Leben kommt. Er wird sterben, gerettet werden kann er nur, wenn man extreme Maßnahmen unternimmt. Seine Frau Clara (Abbie Cornish) stimmt dem zu. Einige Monate später ist Alex Murphy zurück auf den Straßen von Detroit. Er ist RoboCop – der perfekte Polizist, aber mit dem Gefühl eines Menschen. Doch er ahnt nicht, dass er eine Marionette von Omnicorp ist. Was wird gewinnen – die Emotion des Menschen oder die Programmierung der Maschine?

Es geht aber auch plump

Padilha verlässt sich im Grunde nur darauf, dass Samuel L. Jackson als Fernsehmoderator Pat Novak absolut einseitige Berichterstattung fabriziert. Mit gutem Willen kann man das als Kritik an den Medien ansehen, die eine eigene Agenda verfolgen und den Zuschauer manipulieren wollen, aber das wird hier ohne jedwede Subtilität gestaltet. Das geht soweit, dass man nur schwerlich glauben mag, dass eine Sendung wie diese überhaupt Zuschauer finden würde. Jackson ist dabei ziemlich gut. Er bildet den Anfangs- und Schlusspunkt des Films, erscheint aber auch ein wenig wie ein Fremdkörper.

Interessanter als dieser Aspekt, der offenbar eine Verbeugung vor dem Original ist, ist aber die Spiegelung und Überspitzung tatsächlicher gesellschaftlicher Ereignisse. „RoboCop“ stellt die „Befriedung“ der Welt nach amerikanischem Vorbild in Frage und denkt konsequent fort, was dem modernen Drohnenkrieg folgen wird. Die Kampfmaschinen, mit denen das Militär in diesem Film im Ausland operiert, ist nur ein paar Schritte vom derzeitigen Status Quo entfernt. Das ist eine der Stärken des Films, der glaubwürdig weiterdenkt, wie sich diese Welt entwickeln wird. Das Bild, das er dabei zeichnet, ist durchaus erschreckend.

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Eine erschreckend düstere Zukunft?
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Padilha erlaubt sich dabei, Themen anzureißen, aber den Zuschauer die weitere Denkarbeit leisten zu lassen. Wenn man Polizei und Militär durch Maschinen ersetzt, ist effektiv derjenige, der sie leitet, in unantastbarer Machtposition. Was sich in diesem Film abzeichnet, der Versuch, US-Boden Militär und Polizei zu ersetzen, ist im Grunde der erste Schritt eines Staatsstreichs – eines solchen, der gar nicht als das wahrgenommen wird, was er ist.

Überraschend guter, mehr als nur routiniert umgesetzter Actionfilm, der zwar in Sachen Satire nicht punkten kann, aber durchaus clevere Ansätze aufweist.Fazit lesen

Alt und neu

Die Darstellung RoboCops ist eine Verbeugung vor dem Original, aber auch eine Weiterentwicklung. Nicht nur erinnert die erste, silberne Montur an den 1987er-Film, auch die Akustik seiner Bewegungen ist daran orientiert. Und als der Titel eingeblendet wird, erklingt auch Basil Poledouris‘ großartiges Titelthema, das im Film mehrmals angespielt wird.

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Robocop war damals eine absolute Meisterleistung was Special Effects anging.
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Anders als früher ist die Rolle für den Hauptdarsteller dankbarer. Das Gesicht von Robocop ist häufig zu sehen, der Visor senkt sich nur, wenn er in Gefahr ist oder sich in Kampfhandlungen befindet. Der Blick in Kinnamans Gesicht erleichtert die Identifikation.

Bemerkenswert ist, dass man dank der Entwicklung der Spezialeffekte auch etwas sieht, das in den 80er Jahren gar nicht möglich gewesen wäre. Padilha zeigt die Überreste dessen, was in RoboCop steckt. Der Anblick ist erschütternd, verdeutlicht dem Zuschauer aber auch, was Alex Murphy wirklich verloren hat.