27 Jahre ist es nun her, seit Paul Verhoeven den kybernetischen Polizisten RoboCop auf die Menschheit losließ. Damals galt der Film als unendlich brutal, weswegen die deutsche Kinofassung schon Federn lassen musste. An den noch längeren, noch derberen Director’s Cut war gar nicht zu denken. Den konnte man erst in der DVD-Ära sichten, und das auch zuerst in den USA. Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert, der Film ist nicht länger indiziert und hat in seiner ungekürzten Fassung sogar ein FSK-16-Siegel bekommen. In gut einem Vierteljahrhundert gibt es eben doch einiges an Bewegung.

Über all die Jahre hinweg war RoboCop eine beliebte Figur, und das nicht nur im Kino, sondern auch im Fernsehen. Mit dem im Februar startenden neuen Film beginnt auch eine neue Zeitrechnung. Es ist ein Remake, in dem alles neu und schön werden soll. Vor allem ist es uns jedoch Anlass, die bewegte Historie von RoboCop noch einmal Revue passieren zu lassen.

1987 - 1988

1987: Der Anfang

Die Idee zu „RoboCop“ hatte Autor Ed Neumeier, als er 1982 „Blade Runner“ sah, in dem ein Polizist Maschinenmenschen jagte. Er wollte das Prinzip umdrehen: ein Maschinenbulle sollte Menschen jagen. In den folgenden Jahren verfeinerte er sein Konzept und Skript noch, bis am Ende der satirische Film stand, den Paul Verhoeven umsetzte. Der streitbare Holländer war damals nicht die erste Wahl, auch David Cronenberg hatte man den Stoff angeboten. Aber für sein US-Debüt hätte sich Verhoeven keinen besseren Stoff wünschen können. Mit „RoboCop“ konnte er seinen Hang zur Satire mit seinem Interesse für Gewalt zusammenführen. Das Ergebnis ist ein moderner Action-Klassiker, der auf mehrerlei Ebenen funktioniert.

Was die Besetzung betraf, so gab es verschiedene Kandidaten. Man dachte sogar über Arnold Schwarzenegger nach, erkannte dann aber, dass man angesichts des Roboter-Anzugs einen schmaleren Mimen benötigte. Der Richtige war schließlich Peter Weller, der aufgrund der Mühen, die mit dem Anzug einhergingen, aber schnell rebellierte, weswegen man drohte, ihn durch Lance Henriksen zu ersetzen.

Der 500.000 bis eine Million Dollar teure Anzug wurde von Rob Bottin entwickelt. Das erste Anlegen dauerte elf Stunden, nur um dann festzustellen, dass man drei Tage Auszeit einplanen musste. Denn Weller konnte sich in dem klobigen Anzug nicht so bewegen, wie es gedacht und trainiert worden war. Anstatt von schnellen, schlangenartigen Bewegungen wurde es nun ein langsamer, schwerfälliger, aber dadurch imposanter Gang.

Mit einem Budget von 13 Millionen Dollar umgesetzt, spielte der Film alleine in den USA mehr als 53 Millionen Dollar ein. Zuvor musste Verhoeven noch mehrmals Hand an seinen Film legen. Er war der Zensurstelle MPAA einfach zu hart, mittlerweile ist seine favorisierte Version aber frei zugänglich und zeigt das Sterben von Alex Murphy, als er von Clarence Boddicker und seinen Leuten zerlegt wird, in allen drastischen Einzelheiten.

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1988: Ein Held für Kinder

Im Grunde ist es erstaunlich, dass ein Film, der ein R-Rating erhalten hat, die Grundlage für eine Zeichentrickserie bildet, die sich an Kinder richtet. Aber „RoboCop“ war nicht der einzige Stoff dieser Art, auch „Rambo“ wurde zum Zeichentrickhelden.

1988 wurde die Zeichentrickserie „RoboCop“ produziert – und war von Marvel Productions. Die Serie brachte es jedoch nur auf zwölf Episoden. Die Gewalt des Films konnte nicht repliziert werden, so dass man sich mehr auf die Frage „Ist er Mensch oder Maschine?“ konzentrierte. Das funktioniert ganz gut, aber man muss heutzutage natürlich im Hinterkopf haben, dass diese Serie auch schon mehr als ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat.

Merkwürdig: in der Serie taucht auch Clarence Boddicker auf, was nicht sein dürfte, da sich die Show auf den Originalfilm bezieht, wo der Schurke ums Leben kam.

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1989 - 1993

Die 80er Jahre: Robo macht Werbung

Aufgrund des Erfolgs des Films, vor allem auch im asiatischen Raum, wurde RoboCop gerne für Werbung benutzt. In den USA hätte man sich das nicht getraut, in Asien war es jedoch in Ordnung und spülte dem Filmstudio Lizenzgelder in die Kasse. So durfte man miterleben, wie RoboCop Nissin-Nudeln in Japan oder Kentucky Fried Chicken in Korea bewirbt.

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1990: Frank Miller kommt

Für „RoboCop 2“ stand Paul Verhoeven nicht mehr zur Verfügung, an seine Stelle trat jedoch Irvin Kershner („Das Imperium schlägt zurück“). Wieder in die Rolle des Maschinenmenschen trat Peter Weller, der allerdings nur wenig Lust hatte, sich wieder die Tortur mit dem Anzug zu geben. Aber er hatte keine Wahl.

Das Drehbuch wurde von Frank Miller entwickelt, der damals große Erfolge als Comic-Autor gefeiert hatte, aber schnell merken musste, dass man die eigene Vision in Hollywood nur schwerlich durchsetzen kann. Sein Drehbuch wurde extrem verändert, es blieb nicht mehr viel von dem übrig, was seine Geschichte auszeichnete.

Diesmal muss RoboCop gegen einen anderen Cyborg antreten. OCP will einen neuen RoboCop erschaffen, nutzt aber das Gehirn eines Schwerverbrechers, der seinen neuen Körper einzusetzen weiß. Er macht dort weiter, wo er als Mensch aufhörte. RoboCop muss sich ihm stellen, hat aber Probleme, da man seine Programmierung erweitert hat, was ihn faktisch handlungsunfähig macht.

Der zweite Teil wird gemeinhin verabscheut, objektiv betrachtet ist er jedoch nicht so schlecht, wie er gerne gemacht wird. Er ist nur im Vergleich zum Original enttäuschend, da alle Satire verschwunden ist. Ersetzt wurde sie durch die Mechanismen eines an Comics erinnernden Abenteuers. Sieht man den Film als reines Action-Vehikel, ist er unterhaltsam.

An der Kinokasse enttäuschte er auch. Bei einem geschätzten Budget von 35 Millionen Dollar wurden in den USA nur 45 Millionen eingespielt. Erstaunlich genug, dass es noch ein weiteres Sequel gab.

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1993: Ein neuer RoboCop

Frank Miller hatte aus dem vorherigen Fiasko nichts gelernt. Abermals schrieb er das Drehbuch, abermals wurde es gewaltig verändert, diesmal vor allem von Regisseur Fred Dekker, für den „RoboCop 3“ aber auch zum persönlichen Waterloo wurde, das seine Karriere effektiv beendet hat.

Im dritten Teil stellt sich RoboCop auf die Seite der kleinen Leute, die aus ihren Häusern vertrieben werden sollen. Da OCP das nicht zulassen kann, wird ein Cyborg eingesetzt, um RoboCop den Garaus zu machen.

Obwohl schon Anfang 1991 gedreht, wurde der Film erst Ende 1993 in die Kinos gebracht – und das ohne große Fanfaren. Damit einher ging ein extrem bescheidenes Einspiel von gut zehn Millionen Dollar, dem Kosten von mehr als 23 Millionen gegenüberstanden.

Peter Weller musste nicht mehr in die Rüstung schlüpfen. Er ließ sich auch monetär nicht dazu überzeugen, sondern wollte lieber mit David Cronenberg „Naked Lunch“ drehen. Ein neuer RoboCop musste her, weswegen man Robert Burke wählte, der als „Dust Devil“ unvergessen bleibt. Im Grunde ist der Unterschied nicht besonders zu merken, sieht man doch ohnehin fast immer nur die Kinnlade des Schauspielers.

Nach diesem desaströsen Einspielergebnis hätte man eigentlich meinen sollen, dass es das mit „RoboCop“ war, doch weit gefehlt. Der Wechsel zum Fernsehen stand bevor.

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1994 - 1998

1994: Eine Staffel

Schon beim zweiten und dritten Teil der Kinoreihe hatte man den Gewaltpegel stark zurückgedreht. RoboCop schickte sich an, zum Superheld zu werden. Zwar tötete er immer noch, das aber weit weniger plastisch als zuvor. Dementsprechend war es durchaus denkbar, den Roboterpolizisten auch ins Fernsehen übersiedeln zu lassen.

Im Jahr 1994 war es dann soweit. Die Serie spielt etwa vier bis fünf Jahre nach dem ersten Film und ignoriert dessen Sequels komplett. Zum Teil spiegelt die Serie wieder, was Michael Miner und Ed Neumeier mit dem Skript zu ihrem eigenen „RoboCop“-Sequel, das damals jedoch nicht umgesetzt wurde, machen wollten. Beide sollten eigentlich gar nicht an der Serie beteiligt werden, hatten aber vertraglich das Recht dazu und trafen sich mit der Produktionsfirma, als bekannt wurde, dass RoboCop ins Fernsehen wechseln würde. Man kam zu einer Einigung und die Produktion konnte beginnen.

Pro Folge standen etwa 1,25 Millionen Dollar zur Verfügung, gedreht wurde in Kanada. Natürlich benötigte man einen neuen Darsteller für RoboCop, der von Richard Eden gespielt wurde.

Einige Änderungen wurden im Vergleich zum Film vorgenommen. Die Figur der Polizistin Lewis, die Murphys und später RoboCops Partnerin wird, fehlt hier und wurde durch Detective Lisa Madigan ersetzt, hier gespielt von Yvette Nipar. Sergeant Stanley Parks tauchte auch in den Filmen auf, wurde aber neu besetzt und nun von Blu Mankuma dargestellt.

Die Serie ist natürlich deutlich zahmer als die Filme. Das Ganze hat eine Fernsehoptik, aber RoboCop als Held hat schon seinen Reiz. Zumal er mit dem von Roddy Piper gespielten Commander Cash auch eine Art Superschurke geboten bekam. Darüber hinaus sind die Elemente der Serie, die sich mit RoboCops Erinnerung an seine Familie befassen, ziemlich gut.

Die Zuschauer wollten das dennoch nicht sehen, weswegen nach nur einer Staffel mit 22 Episoden Schluss war.

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1998: Alpha Commando

Nachdem MGM die Firma Orion gekauft hatte, überlegte man, was man in Sachen Franchises machen könnte. Da „RoboCop“ schon häufig umgesetzt worden ist, sollte es nun eine neue Zeichentrickserie werden: „RoboCop: Alpha Commando“.

Für echte Fans ist diese Serie schon eine harte, unangenehme Angelegenheit. Nicht nur ist RoboCop mehr wie Inspector Gadget, weil er so viele Spielereien in seinem Leib hat, dass er praktisch in jeder brenzligen Situation etwas hervorzaubern kann, mit dem er sich retten kann, nein, die Animation ist auch noch ausgesprochen armselig. Das Design lässt auch zu wünschen übrig. So klobig war RoboCop niemals zuvor und auch nicht wieder danach.

Produziert wurden 40 Episoden, danach war Schluss. Gott sei’s gedankt.

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2000 - 2014

2000: Eine Miniserie

Die Miniserie „RoboCop: Prime Directives“ besteht aus vier Filmen. Sie bezieht sich nicht auf den originalen Film, sondern startet die Geschichte neu. Das erkennt man auch daran, dass es im Film kein Geheimnis ist, wer RoboCop wirklich war, in der Serie aber eines daraus gemacht wird.

Der interessanteste Aspekt der Miniserie ist, dass es nicht nur einen RoboCop gibt. Murphys Partner Cable wird ebenfalls fast umgebracht und dann zu einem anderen, schwarz gerüsteten RoboCop gemacht. Dieser wird von Maurice Dean Wint gespielt, während die Hauptrolle an Page Fletcher ging. Der war schon 1994 für die Fernsehserie vorgesehen, verkrachte sich dann aber mit den Produzenten. Sechs Jahre später erhielt er dann die Chance, doch noch RoboCop zu spielen.

In Deutschland dauerte es gleich drei Jahre, bis die Miniserie hier gezeigt wurde. Überraschend ist das nicht. In den USA war sie einerseits nicht erfolgreich, andererseits wurde sie von den Fans verabscheut. Und das zu Recht, denn „RoboCop: Prime Directives“ ist uninspirierte und langweilige Action-Massenware, die selbst bei den Effekten armselig aussieht und deutlich hinter der wöchentlichen Serie aus den 90er Jahren zurücksteht. Ein paar gute Momente gibt es in sechs Stunden Film schon, viele sind es aber nicht.

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2003: Frank Millers RoboCop, wie er sein soll

Von Juli 2003 bis Januar 2006 veröffentlichte der amerikanische Verlag Avatar „Frank Millers RoboCop“. Dabei handelt es sich um eine neunteilige Miniserie, der das Originaldrehbuch von Miller zum zweiten Film zugrundeliegt, adaptiert von Autor Steven Grant.

Der Vergleich zum fertigen Film ist interessant, stellt sich Millers Version doch als kompromissloser dar, ist zugleich politischer Kommentar auf die 80er Jahre, aber auch hyperbrutales Action-Stakkato, wie man es nach dem Originalfilm von Paul Verhoeven erwarten darf. Der Comic mit den ausdrucksstarken Zeichnungen von Jose Juan Ryp ist im Dezember 2013 auch in deutscher Sprache vom Verlag Cross Cult erschienen.

Robocop - Eine Zeitreise - Die Zukunft der Verbrechensbekämpfung

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Frank Millers RoboCop.
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2013: Nochmal Frank Miller

Die Lizenz für „RoboCop“-Comics wechselt von einem Verlag zum anderen (in den 80er Jahren Marvel, in den 90er Jahren Dark Horse, danach Avatar, schließlich Dynamite und nun Boom). Bei Boom verlegt man gerade die Miniserie „RoboCop: Last Stand“, die auf Frank Millers Drehbuch zum dritten Kinofilm basiert und erneut von Steven Grant adaptiert wurde.

Hier erfährt man nun, wie Miller sich RoboCops Kampf gegen OCP vorstellt und was er zu tun bereit ist, um die Ärmsten der Armen von Delta City zu beschützen.

Packshot zu RobocopRobocop

Zugleich hat man auch fünf One-Shots produziert, die als Begleitmaterial zum neuen Film erscheinen und einzelne Figuren herausgreifen und vertiefen. Deutsche Versionen dieser Comics sind bislang nicht angekündigt.

2014: Die Rückkehr von RoboCop

Ab dem 6. Februar ist es soweit. Jose Padhilas Neuinterpretation von „RoboCop“ mit Joel Kinnaman in der Hauptrolle kommt in die Kinos. In Sachen Gewalt scheint man sich deutlich zurückzunehmen, Action und Spektakel dürfte es aber genügend geben. Ob der Film den Erfolg des Originals aus dem Jahr 1987 wiederholen kann?

Nur dann wird es mit dieser Inkarnation weitergehen, aber auch wenn der Film nicht so laufen sollte, wie man sich das von Studioseite wünscht, ist eines nach fast 30 Jahren auf jeden Fall klar: In der einen oder anderen Form kehrt RoboCop immer wieder zurück!

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