Es ist löblich, wenn deutsche Independent-Filmer versuchen, ein durchaus ambitioniertes Projekt auf die Beine zu stellen. Wenn der 3-D-Effekt aber das einzige ist, mit dem ein Film punkten kann, dann hat er ein riesiges Problem – und der Zuschauer auch, denn das Ansehen des Films kostet einfach mal zwei Stunden Leben, die man nie wieder zurückbekommt.

Im Wald rettet Robin Hood die wackere Maid Marian vor bösen Schergen. Er nimmt sie mit zu seinem Lager, wo sie höchst überrascht ist, dass die Diebesbande zwar bei den Reichen klaut wie die Raben, aber die Schätze in einer Höhle offen herumliegen lässt. Klar, von Robins Gesellen würde keiner die eigenen Leute bestehlen.

Robin und Marian kommen sich näher und da sie scheinbar ihren Cousin, den Sheriff von Nottingham, noch nie leiden konnte, willigt sie auch ein zu helfen, ihn auszurauben. Dummerweise werden Robin und Will Scarlet dabei gefangen genommen. Nachdem Will getötet wurde, gelingt Robin die Flucht, wird aber tödlich verletzt. Eine alte Hexe findet den Helden und rettet ihm mit einem Zaubertrank das Leben.

Als später Marians neue Freunde niedergemetzelt werden, sollen auch sie wiederbelebt werden. Mit dem Hexentrank. Dumm nur, dass aus den Toten nun monstermäßige Wiedergänger werden, die im Parcours-Stil durch den Wald spurten und killen, was ihnen vor die Klauen kommt. Nun sind Maid Marian und Little John gefragt, mit weiteren Zaubermittelchen dem Spuk ein Ende zu machen…

Deutscher Wald-und-Wiesen-Film, der mit der 3-D-Technik punkten will, aber dabei übersieht, dass die Technik alleine nicht reicht, um gute Unterhaltung zu produzieren. Jeder Waldspaziergang ist amüsanter.Fazit lesen

Ein Wald- und Wiesenfilm

Dass „Robin Hood – Ghosts of Sherwood“ nicht allzu viel Geld hatte, sieht man schon daran, dass mit Ausnahme weniger Minuten in einer Burg und in einer Höhle alles in freier Wildbahn spielt. Klar, der Wald ist umsonst. Das wäre aber bei weitem nicht das Problem, wenn das Skript einigermaßen gut wäre.

Leider hat es mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Die schlimmsten davon sind, dass jede Dialogszene über Gebühr strapaziert wird. Die Protagonisten ergehen sich dabei in Nichtigkeiten, die deutlich komprimierter hätten abgehandelt werden können. Die Regie macht aus der Vorlage leider auch nichts. Kamerapositionen werden oftmals kaum gewechselt (möglicherweise, weil das mit der Stereoskopie-Kamera aufwendig und/oder schwierig gewesen wäre).

Robin Hood: Ghosts of Sherwood - Der Wald ist nicht genug: Trash-Helden in Strumpfhosen

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Die Geister rufen: Trotz 3D wirkt "Robin Hood - Ghosts of Sherwood" wie ein Auftritt der LARP-Laienschauspieltruppe.
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Darum hat man Szenen, so etwa ein anfängliches, ellenlanges Gespräch von Robin und Marian, die aussehen wie abgefilmtes Laien-Theater. Die Schauspieler sitzen nebeneinander, die Kamera hält von vorne drauf. Wenn es Abwechslung geben soll, dann filmt die Kamera von hinten, was den schrägen Effekt mit sich bringt, dass man die Gesichter der beiden Hauptdarsteller gar nicht mehr sehen kann.

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Ein Gefühl für selbige stellt sich aber eh nicht ein, denn der Film bietet nur selten Großaufnahmen und arbeitet stattdessen weit häufiger mit Totalen und Halbtotalen. Angesichts dieser sehr eigenwilligen Präsentation hätte man auch ein anderes Problem umgehen können: die Umbesetzung der Hauptrollen.

Es wird transformiert

Ein paar Schauspieler sind dem Projekt abgesprungen, dummerweise die Rollen mit den meisten Szenen: Robin und Marian. Außerdem auch Will Scarlet. Man besetzte also um, nutzte das bisher gedrehte Material aber dennoch. Eine Notwendigkeit, die sich teils auch daraus ergab, dass es Szenen mit den Stars – Kane Hodder, Tom Savini und Claude-Oliver Rudolph – waren.

Es wird also getrickst. Das Skript gibt vor, dass Robin, Marian und Will Scarlet sich per Zaubertrank verwandeln, um unerkannt in die Burg eindringen zu können. Soweit ist das durchaus in Ordnung, aber warum Guy von Gisborne und der Sheriff von Nottingham sie dennoch erkennen, wird mit einer hanebüchenen Erklärung aus dem Off einfach weggebügelt, als Savinis Figur mal schnell erklärt, dass Marian sich in den letzten fünf Jahren stark verändert hat. Das heißt entweder, das Gedächtnis von Sheriff und Lakai ist ausgesprochen löchrig oder die plastische Chirurgie war im Mittelalter weiter fortgeschritten, als man denken würde.

Am Ende gibt es dann noch mal eine Transformation von Marian – erneut eher unmotiviert und einfach dem schon gefilmten Material geschuldet. Aber Marian hält es für einen tollen Plan, für immer ihr neues Aussehen anzunehmen. Was passiert, wenn Verwandte von ihr mal zu Besuch kämen, nachdem auf Wunsch ihrer Sippe ein neuer Sheriff bestimmt wurde und sie in Nottingham bleibt? Geschenkt. Wen interessiert’s?

Auffällig ist die Transformation vor allem, weil Kuen blond, die erste Marian Carolina Grigorov jedoch brünett ist. Dank des Mangels an Nahaufnahmen mit Grigorov hätte man sich das Transformieren von Marian ohnehin sparen können – eine brünette Zweitdarstellerin hätte ausgereicht, um halbwegs darüber hinwegzutäuschen, dass zwei Schauspielerinnen eine Rolle innehaben.

Wo bleiben die Geister?

Eins vorweg, Geister gibt es sowieso nicht. Die zu Monstern gewordenen fröhlichen Männer sind im Grunde nichts anderes als Zombies. Schön und gut, aber warum musste man drei Viertel des Films aussitzen, bis die Monsterbrut endlich mal zuschlägt? Nicht dass danach besonders viel passieren würde. Die Parcours-Zombies hechten durch den Wald, meucheln ein paar Soldaten und Zivilisten und werden dann von Hokuspokus-Handgranaten (naja, Zaubertränken in Fläschchen…) gefällt. Die Splattereffekte sind plakativ, aber wenig innovativ. Noch dazu wirken sie erstaunlich günstig.

Robin Hood: Ghosts of Sherwood - Der Wald ist nicht genug: Trash-Helden in Strumpfhosen

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Böse Sheriffs, gute Diebe und... Zombies?!
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Damit reihen sie sich aber ins generelle Ambiente des Films ein. Denn im Grunde hat man die meiste Zeit das Gefühl, einem Live-Rollenspiel mit ein paar enthusiastischen Mittelalter-Freaks zuzuschauen. Die Klamotten aller Protagonisten sehen dementsprechend aus – sozusagen wie vom billigen Mittelalter-Discounter links vom dritten Baum rechts.

Schauspieler… und Menschen, die so tun, als wären sie welche

Mit Claude-Oliver Rudolph, Tom Savini und Kane Hodder wurden ein paar bekannte Namen eingespannt. Letzterer hat dabei am meisten zu tun, auch wenn er am spätesten in die Handlung integriert wird. Man mag darüber streiten, wie groß das schauspielerische Talent von Hodder und Savini wirklich ist, aber es ist vorhanden. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Sie füllen ihre Rollen dementsprechend aus und leisten einfach Dienst nach Vorschrift.

Die übrige Besetzung besteht jedoch aus Laien, was man der hölzernen Mimik der sich mühenden Darsteller auch gut ansehen kann. Zu Hören ist es hingegen nicht, denn der Film wurde professionell nachsynchronisiert. Immerhin ein Pluspunkt, wenn auch keiner, der helfen würde „Robin Hood – Ghosts of Sherwood“ über das zu erheben, was er letztlich ist: ein Trash-Film.