1995 schaffte Regisseur Paul W. S. Anderson mit seinem Hollywood-Debüt Mortal Kombat das, was all den Regisseuren vor ihm mit teilweise prestigeträchtigeren Videospielverfilmungen nicht gelingen wollte: ein weltweiter Hit. Just in dieser Woche feierte der Film sein 20. Jubiläum. Grund genug, zurückzublicken.

Retro-Rückblick - Mortal Kombat: Die Videospielverfilmung, die den Fluch brach

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Mortal Kombat wurde ein voller Welterfolg
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Anfang der 90er Jahre entdeckte Hollywood die Welt der Videospiele und erkannte, dass diese Unterhaltungssparte nicht nur unaufhörlich wuchs, sondern auch zahlungskräftige Fans besaß, denen es schließlich nicht zu teuer war, für Videospiele tief in Taschen zu greifen. Was waren dagegen schon die paar Kröten für ein Kinoticket? Da musste doch Gold zu schöpfen sein. Ein paar Flops später war man sich dessen nicht mehr ganz so sicher. Selbst Super Mario Bros. floppte gewaltig. Und das, obwohl man neben Star-Power (Bob Hoskins, Dennis Hopper) auch die vermeintlich beliebteste und bekannteste Videospielfigur in Form von Super Mario dabei hatte. Auch den anderen Videospielverfilmungen wie Double Dragon - Die 5. Dimension und Street Fighter - Die entscheidende Schlacht war kein Erfolg beschieden, auch wenn gerade Street Fighter dank Jean-Claude Van Damme und Raul Julia in seiner letzten Rolle einen gewissen Achtungserfolg verbuchen konnte.

Diese Flop-Serie endete erst am 18. August 1995, als Mortal Kombat in die Kinos kam. Ausgerechnet der Film, dem man es am wenigsten zutraute, sollte den Fluch brechen und beweisen, dass eine Videospielverfilmung, die mit Herz und Leidenschaft angegangen wird, durchaus ihr Geld wert sein kann. Bei einem Budget von geschätzten 18 Millionen Dollar konnten weltweit rund 122 Millionen Dollar eingespielt werden. Für Regisseur Paul W. S. Anderson, der mit diesem Film sein Hollywood-Debüt gab, war das die Eintrittskarte in die A-Liga der Regisseure. Dabei prophezeiten viele Produzent Larry Kasanoff, dass der Film fürchterlich floppen und seine Karriere begraben würde.

Dieses Jahr feiert dieser Film sein 20. Jubiläum. Auch die Beat 'em' Up-Spielreihe erfreut sich noch immer größter Beliebtheit. Es heißt sogar, ein neuer Film sei geplant und Top-Regie-Ass James Wan solle das Ruder übernehmen. Grund genug also, die Beteiligten hinter und vor der Kamera nach ihren Erlebnissen in Bezug auf Mortal Kombat zu befragen. Hier nur die besten Anekdoten, die The Hollywood Reporter aus ihnen herauskitzeln konnte:

Produzent Larry Kasanoff erzählte, wie er auf Mortal Kombat stieß. So habe er Freunde in den Büros von Midway, dem damaligen Entwickler von Mortal Kombat besucht und bei seiner Stippvisite auch Mortal Kombat gezeigt bekommen. "Ich spielte den Arcade-Automaten von Mortal Kombat in ihren Büros für rund 30 Minuten. Ich drehte mich zu Neil D. Nicastro [der damalige Chef von Midway] und ich sagte, 'Das ist Star Wars meets Enter the Dragon. Das ist nicht einfach nur ein Arcade-Spiel, das ist ein Phänomen!' Ich sagte, 'Wenn du mir die Rechte hierzu gibst, werde ich es produzieren. Aber nicht nur als Film, sondern auf jedes Medium dieser Welt.' Er sah mich an und sagte, 'Du laberst doch Scheiße! Das ist nur ein Arcade-Spiel!'"

Retro-Rückblick - Mortal Kombat: Die Videospielverfilmung, die den Fluch brach

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Fans freuten sich besonders über Sub-Zero, Scorpion und Reptile
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ed Boon (Schöpfer von Mortal Kombat): "Ich erinnere mich daran, dass ich es zunächst nicht ernst nahm, als der Film diskutiert wurde. Ich dachte mir, 'Es wird wahrscheinlich viel geredet und am Ende kommt nichts bei raus.' Und auf einmal bekamen wir all diese Anrufe bezüglich des Castings..."

Kasanoff: "Alle sagten mir, dass dies nicht funktionieren würde und meine Karriere vorbei sei. Inklusive New Line Cinema [das produzierende Studio]. Sie hatten dem Film bereits grünes Licht erteilt und dann kam der Studio-Boss mit dem Drehbuch herein, schmiss es auf den Tisch und sagte, 'Ich hasse das Drehbuch. Ich hasse diesen Film.' Und er schrie uns eine knappe Stunde lang an und sagte dann, 'Los, dreht es schon.'"

Paul W. S. Anderson: "Ich wuchs in einer Arbeiterstadt namens Newcastle Upon Tyne auf, wo es keine Filmindustrie gab. Ich ging immer nach London zu Meetings, um meine Karriere zu starten. Ziemlich oft hatte ich dann ein Meeting um 10 Uhr morgens und dann wieder gegen 3 Uhr nachmittags herum. Ich kannte niemanden in London, also habe ich dann drei oder vier Stunden lang in den Spielhallen gespielt. Einer meiner Favoriten war Mortal Kombat. Als ich erfuhr, dass sie Mortal Kombat verfilmen wollten und die meisten Filmemacher dabei die Nase rümpften, war ich sofort Feuer und Flamme dafür."

Anderson: "Mit Christopher Lambert [Darsteller von Raiden] hatten wir einen Deal, dass er nur ungefähr vier oder fünf Wochen arbeiten musste, um einen bestimmten Betrag X zu erhalten. Er war teuer und es war ihm nicht möglich, nach Thailand zu kommen, da wir ihm mehr hätten zahlen müssen. Also entwickelte ich diesen Plan, bei dem wir die Close-Ups von Christopher in L.A. drehten und die Wide Shots in Thailand mit einem Double und dann alles miteinander kombinierten. Als Christopher das erfuhr, sagte er, 'Vergesst es. Ich komme nach Thailand.' Er spürte, dass es den Film wesentlich besser machte, wenn es tatsächlich er wäre, der vor dieser Kulisse stünde. Und das tat es auch. Ich bin mir sicher, seine Agenten und Manager und Anwälte waren wütend auf ihn, da er praktisch für lau nach Thailand kam. Als er da war, zahlte er sogar für die Wrap-Party."

Retro-Rückblick - Mortal Kombat: Die Videospielverfilmung, die den Fluch brach

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4
Goro war die teuerste Investition des ganzen Films
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Linden Ashby (Darsteller von Johnny Cage): "Wir begannen am Flughafen von Santa Monica, wo wir viel gedreht haben. Da war dieser Sanitäter, ein ziemlich lustiger Kerl. Die Sicherheit am Set war ihm sehr wichtig. Er hätte Security machen sollen und nicht Sanitäter. Tom Cruise hatte einen Hangar in der Nähe und kam rüber und sagte, 'Hey, was dreht ihr? Kann ich es mir ansehen?' Und der Sanitäter sagte, 'Du bist nicht in diesem Film. Geh weg!' Und Tom Cruise sagte, 'Ich will doch nur mal sehen', und er so, 'Es ist mir egal, wer du bist, verschwinde!' Er hat einfach Tom Cruise abgewiesen!"

Anderson: "Die erste Kampfszene, die ich mit Robin Shou (Darsteller von Liu Kang) drehte - er, ein Mann, der Hong Kong-Filme gedreht hat und ich nicht - wir begannen mit dem Master Shot und da ist diese große, lange Kampfszene und wir drehen sie in einem einzigen Take als Wide Master. Aber da sind ein paar Fehler, also dreh ich sie noch einmal. Und dann ein paar mehr, also drehen wir sie noch einmal. Und natürlich waren diese Kerle erschöpft, weil sie richtig rangingen. Robin kam zu mir und sagte, 'Paul, du weißt schon, was Coverage sind, oder?' Und ich so, 'Oh ja, tut mir leid.' In Kampfszenen verwendet man den Wide Shot vielleicht für zwei Sekunden und das war es. Für die Treffer nutzt man immer die näheren Coverage-Einstellungen. Ich habe viel bei diesem Film gelernt und ich hatte das Glück, mit Leuten zu arbeiten, die viel Unterstützung zeigten und nicht gleich meinen Kopf abbissen, wenn ich sie immer wieder Kämpfe für die Wide Shots ausfechten ließ."

Tatsächlich hatte der fertige Film nicht genügend Kämpfe. Das kam bei Testvorführungen ans Licht. Also trommelte man das Team erneut zusammen und drehte noch die Kämpfe zwischen Scorpion und Johnny Cage sowie Liu Kang gegen Reptile. Robin Shou, der auch für Jackie Chans Stuntteam arbeitete, brachte zum ersten Mal Drahtseile für die Stunts nach Hollywood. Ashby wurde bei seinem Kampf gegen Scorpion-Darsteller Chris Masamassa so hart in die Nieren getroffen, dass er danach noch lange Blut im Urin hatte.

Robin Shou (Liu Kang): "Für den Kampf zwischen Johnny Cage und Scorpion bestand die schwierige Aufgabe darin, Linden dazu zu bringen, alles selbst zu machen. Er ist ein Schauspieler. Er sagte, 'Gebt mir ein Stuntdouble!' Und ich sagte, 'Linden, du kannst das. Je mehr du selbst machst, desto realistischer und glaubwürdiger wird die Szene.' Er kaufte es mir ab."

All die Opfer und all der Schweiß zahlten sich aus: Mortal Kombat belegte im Sommer 1995 für drei Wochen lang die Chartspitze im Kino. Habt ihr den Film gesehen? Wie fandet ihr ihn?

176 weitere Videos
Bilderstrecke starten
(40 Bilder)