So überflüssig der deutsche Titelzusatz zunächst wirken mag, so sehr ist er lediglich versucht, einen schwer fassbaren Film an den Mann zu bringen: „Resolution“, oder eben hierzulande „Resolution – Cabin of Death“, wurde in den USA vielfach als Indie-Alternative zu „The Cabin in the Woods“ wahrgenommen. Als intellektuelle Variation eines Horrorkinos, das alles schon erzählt hat. Und deshalb nur noch über das Erzählen selbst erzählen kann.

Resolution - Cabin of Death - Offizieller Trailer

Die Macht der Geschichten

Just another Meta-Horrorfilm also, wenn man diesem Vergleich glauben darf. Doch „Resolution“ – um Auflösung und Widerlegung geht es hier sogar buchstäblich – ist dann doch weit mehr als nur clevere Selbstbespaßung. Und die in eine postmoderne Vorstellung von Kino versteiften Meta-Filme, die sich, ihre Form, ihr Genre, ihre ganze Konstruktion so unerschöpflich zum Thema machen, kann und will man ja auch eigentlich nicht mehr wirklich ertragen.

Resolution - Cabin of Death - Die geistreiche Variante von Cabin in the Woods

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Chris (Vinny Curran) und Mike (Peter Cilella) haben erst einmal so viel mit sich selbst zu tun, dass sie die Gegenwart einer unheimlichen Macht gar nicht bemerken.
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Die Waldhütte ist hier erst einmal ohnehin nur Schauplatz ganz realen Horrors: Mike (Peter Cilella) besucht seinen früheren Schulfreund und Meth-Junkie Chris (Vinny Curran), der das gemeinsame Heimatkaff nie verlassen und sich nunmehr in eine leer stehenden Bruchbude eingenistet hat. Der Drogensucht seines Kumpels glaubt Mike gewaltsam ein Ende bereiten zu müssen und zwingt Chris kurzerhand zum kalten Entzug, indem er ihn ankettet und erst nach einer Woche wieder zu befreien plant.

Leider muss sich Mike aber nicht nur um seinen suizidalen Freund kümmern, sondern auch dessen skrupellose Dealer abwimmeln und die rechtmäßigen Eigentümer des baufälligen Hauses besänftigen, das Teil eines geschützten Indianerreservates ist. Fälschlicherweise ordnet Mike den Rednecks deshalb jene seltsamen Warnzeichen zu, die ihn und Chris in Form von Videos, Fotos und Skizzen erreichen. Und die ihren Tod nicht nur vorhersagen, sondern bereits aufgezeichnet haben.

Wie „Resolution“ aus der eigentlich gewöhnlichen, tragikomischen Ausgangssituation letztlich ein übernatürliches Szenario spinnt, ist ebenso schwer in Worte zu fassen wie auch zu begreifen. Nur so viel: Wenn man dem Film die weitgehend höhepunktfreien ersten zwei Drittel zum Vorwurf machen möchte, ist man schon längst ein Komplize seines Konzepts. Ein Konzept nämlich, das sich mit der eigenen Wahrscheinlichkeit der Ereignisse befasst. Und auch damit, ob diese Ereignisse überhaupt eintreffen dürfen.

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Der mysteriöse Byron (Bill Oberst Jr.) hält Mike buchstäblich den Spiegel vor. Eine großartige Schlüsselszene in Resolution – Cabin of Death.
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Die während des Films eher unscheinbar, aber umso sorgfältiger positionierten Hinweise auf den Verlauf der letzten 20 Minuten sind für das Spiel mit Erzählfort- und -ausgang entscheidend. Wäre es nicht allzu abgedroschen, derart selbstreflexive Filme als „Filme über das Filmemachen“ oder „Liebeserklärung ans Kino“ zu labeln, so müsste man „Resolution“ mindestens eine Geschichte über das Geschichtenerzählen nennen – und zwar eine, die den Zuschauer höchst wirkungsvoll in ihre Überlegungen einbezieht.

Die geistreiche Variante von Cabin in the Woods – ein so einzigartiger wie eigenwilliger Trip, der zu einer grundsätzlichen Beschäftigung mit Film einlädt.Fazit lesen

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Das jedoch lässt sich ohne Spoiler nicht konkretisieren. Es geht in „Resolution“ schließlich, grob gesagt, um eine die Handlung orchestrierende Entität. Sie leitet das Geschehen als eine übergeordnete Macht ähnlich der Götter in „The Cabin in the Woods“, bleibt aber, anders und wesentlich subtiler als in Drew Goddards Film, vollständig unbestimmt und formlos. Eine Schlüsselszene verweist deshalb sinnfällig auf die grundverschiedene Vorstellung vom Unfassbaren.

Es spiele letztlich keine Rolle, so unterrichtet ein Fremder den zunehmend konfusen Mike, ob man in den verlassenen Bergen nun auf einen Geist, einen Engel oder ein Alien stoßen würde. Denn so wie etwa „ein Stammesangehöriger in Ekuador“ wohl kaum den Unterschied zwischen ihnen benennen könnte, so kann es letztlich ohnehin niemand: weil wir unsere Monster selbst definieren, in uns jeweils eigenen Bewusstseinszuständen. Um dann Geschichten über sie erzählen und dem Unendlichen einen Sinn verleihen zu können.

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Filme, die den Tod bedeuten: Mike und Chris sehen ihr eigenes Ende schon verewigt. Es liegt an ihnen, die Geschichte noch rechtzeitig umzuschreiben.
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Dieses Geschichtenerzählen begreifen Justin Benson und Aaron Moorhead, die beiden Regisseure von „Resolution“, hier nun als filmisches Erzählen, das Schicht um Schicht einen grenzenlosen Vorrat an Bildern und Ebenen ermöglicht. Spätestens im letzten Drittel erweisen sich die während des Films irritierenden, immer wieder auftretenden künstlichen Beschmutzungen und Ruckeleffekte als Verweis auf die Membran des Films. Darauf, dass wir uns in einer anderen Dimension befinden. In der des Kinos.

Folglich ist die eigenwillige Schwere des Films, die manche gewiss als Langeweile empfinden mögen, auch ein Ausdruck der Sehnsucht nach Geschichten, Höhepunkten, Happy Endings. Vielleicht sogar nach Jump Scares, Grusel und Gore, wie ihn uns dieser Horrorfilm konsequent vorenthält. „Können wir es noch mal versuchen?“, lautet Mikes Schlusssatz, nachdem die Entität, das böse unsichtbare Monstrum, sich unzufrieden zeigt vom Verlauf der Handlung!

Doch Mike und Chris, die beiden liebenswürdigen Helden von „Resolution“, haben ihr Schicksal längst besiegelt. Es ist in all den Fotos und Hinweisen verewigt, die ihnen zuvor bereits so rätselhaft zugespielt worden sind. Und es lässt sie nicht mehr heraus aus diesem Film, den sie selbst und auch wir Zuschauer so entscheidend mitgestaltet haben: Über Erwartungen und Hoffnungen daran, wie wir uns Geschichten erzählen lassen wollen.