In einem aktuellen Interview von Reuters mit Milla Jovovich, der Hauptdarstellerin der Resident-Evil-Filme, wurde die Frage gestellt, warum diese Reihe so großen Erfolg hat. Die Antwort lautete, dass der Zuspruch darauf beruhe, hier keine seelenlosen Studiobaukästen vor sich zu haben, sondern leidenschaftliche Independent-Produktionen, die ihr Publikum ernst nehmen. „Paul, ich und Michelle Rodriguez lieben die Spiele, lieben die Charaktere und lieben kompromissloses Arschtreten.“

Äh, nein... und gleichzeitig aber auch ja, auf diese leicht verdrehte Weise, die finanziellen Erfolg mit begeistertem Applaus gleichsetzt. 74 Millionen Dollar weltweites Einspiel für „Resident Evil: Afterlife“ am Startwochenende ist natürlich eine stattliche Summe, doch davon dürfte ein guter Teil der 3-D-Präsentation, steilen Trailern und dem zähen Standvermögen der Reihe an sich zuzuschreiben sein. Wenn man nur lange genug durchhält, wird ja so manches auf einmal zum Klassiker oder zumindest akzeptablen Zeitvertreib.

Resident Evil - Alice im Zombie-Land - ein Rückblick auf die Resident-Evil-Reihe

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Auch Heike Makatsch hatte einen kurzen Auftritt im ersten Film.
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„Resident Evil“ repräsentiert eine der wenigen erfolgreichen Übersetzungen eines Computerspiels auf die Leinwand und fördert auch maßgeblich die Injektion von Spielelementen in einen filmischen Kontext. Als klassisches Sinnbild dafür steht die an Level erinnernde Gestaltung der Drehbücher, doch auch ganz allgemein ist man hier bei einem klar definierten Zielpublikum und unverhohlener Fanbedienung angekommen. Die Reihe versteht ihre Genrezugehörigkeit als eine Abfolge roter Knöpfe, die wie eine zombiehafte Mutation des Untotenkosmos von George Romero erscheinen.

Wie auch immer man zu dem Resident-Evil-Lärm steht, spätestens mit dem massiven Erfolg von „Afterlife“ kommt man an ihm kaum noch vorbei. Inklusive „Resident Evil: Degeneration“, einem CGI-Spin-off, stehen inzwischen fünf Filme zu Buche, sodass es wirklich höchste Zeit wird, der Reihe mal einen Rückblick zu schenken. Immerhin sind das doch leidenschaftliche Independent-Produktionen, die ihr Publikum ernst nehmen, und wer etwas anderes behauptet, bekommt die Zähne der Zombie-Dobermänner zu spüren.

Resident Evil (GB/D/F, 2002)

Regie: Paul WS Anderson
Darsteller: Milla Jovovich, Michelle Rodriguez, Eric Mabius, James Purefoy

Danke, Bernd Eichinger. Der Pate von Constantin-Film wurde durch den Erfolg des ersten Tomb-Raider-Films so rappelig, dass er sich die weltweiten Filmrechte an „Resident Evil“ sicherte und dazu Paul WS Anderson und Milla Jovovich ins Boot holte. Dass die meisten anderen Computerspielverfilmungen zu dem Zeitpunkt, wie z.B. „Double Dragon“, „Street Fighter“ oder „Super Mario Bros“, bodenlose Jauche waren, Paul WS Anderson mit „Mortal Kombat“ selbst schon mal dicken Mief verursachte und die gute Milla vor allem gut aussah, waren dabei anscheinend keine Hindernisse. Die Resident-Evil-Reihe positionierte sich bereits zu Beginn als Produkt und erst weit dahinter als Vision.

Resident Evil - TrailerEin weiteres Video

Im Zentrum dieses Produkts steht der Kampf gegen die Umbrella-Corporation, einen mächtigen Konzern, der einen Zombie-Virus entweichen und daraufhin das Gebäude dazu kurzerhand abriegeln lässt. Nachdem sich die dort gefangenen Mitarbeiter in Zombies verwandelt haben, ist es nun an Milla Jovovich alias Alice, zusammen mit einem Sondereinsatzkommando der untoten Brut den Garaus zu machen. Hinter vielen Ecken der labyrinthischen Gänge lauern tödliche Gefahren - und tödliche Fallen plus blutdurstige Hunde plus eine obligatorische Zeitbegrenzung wurden gleich auch noch als Hindernisse positioniert.

Resident Evil - Alice im Zombie-Land - ein Rückblick auf die Resident-Evil-Reihe

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Milla Jovovich wurde durch "Das Fünfte Element" bekannt.
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Der erste Resident-Evil-Film versteht sich als erklärendes Prequel zu den Spielen und gefällt als temporeicher und schick produzierter Zombie-Schmodder, der dank seiner jugendlichen Altersfreigabe allerdings wesentlich harmloser als die Zockerversion ausfällt. Im Gegenzug dazu werden possierliche Monster, Explosionen, viele Actionszenen und die zumeist stark schwitzende und spärlich bekleidete Hauptdarstellerin aufgefahren, was unterm Strich zumindest kaum Langeweile aufkommen lässt. Selbst generische Endloskämpfe mit Levelcharakter bleiben eben immer noch Kämpfe und keine ungeduldigen Labertiraden.

Was gibt es sonst noch zu vermelden? Das ganze Szenario erinnert verdammt an „Aliens“ und „Cube“, mit Jovovovich als Ripley und Rodriguez als Vasquez, ein Großteil der Sets stand in Berlin/Adlershof, Heike Makatsch darf sich mit einer Deppenrolle sauber blamieren, die schauspielerischen Leistungen plus die Dialoge sind generell ganz schön mau und der zweifellos anwesende Trash-Gehalt wäre um ein Vielfaches unterhaltsamer, wenn sich nicht alle Beteiligten so furchtbar ernst nehmen würden. Aber egal: Letztendlich zählte hier tatsächlich nur der finanzielle Erfolg (basierend auf einem moderaten Budget), sodass ein Franchise geboren war. Der erste Resident-Evil-Film gilt nach wie vor als Wegbereiter für viele weitere Computerspielverfilmungen.

Resident Evil: Apocalypse (GB/D/F/CA, 2004)

Regie: Alexander Witt
Darsteller: Milla Jovovich, Sienna Guillory, Oded Fehr, Thomas Kretzschmann, Ian Glen, Zack Ward

Teil zwei schließt direkt an den ersten an und schickt Alice plus einen Trupp Umbrella-Söldner durch die von dem Zombie-Virus verseuchte Stadt oberhalb des Hive-Labors. Die neuen Feinde sind sogenannte Lickers (=mutierte Hunde), ein vergnubbelter Mega-Baddie namens Nemesis, viele, viele Zombies und, ganz in der „Tradition“ von Teil eins, eine zeitliche Deadline, nach der eine Atombombe dem wüsten Treiben ein deutliches Ende verpassen soll.

Resident Evil - TrailerEin weiteres Video

Die gute Nachricht bei „Resident Evil: Apocalypse“ ist, dass sich der Film weniger wichtig nimmt als Teil 1 und zusätzlich alles zwei Etagen größer und lauter macht. Da sieht man Zombie-Nutten die Straße entlangwackeln, ein Licker wird an ein Kreuz genagelt, Alice, inzwischen mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet, rennt eine Hauswand hinunter und der gute Nemesis schaut aus wie der einmal zu oft in Knetmasse gebadete Cousin des „Toxic Avengers“. Raccoon City (äh, die Waschbärenstadt!?) als hysterischer Zweitwohnsitz der Klapperschlange.

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Jill Valentine hatte im zweiten Film ihren ersten Auftritt.
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Zusammen mit einer fast ikonischen Präsentation von Frau Jovovich, die jede Dialogzeile mit unmotivierter Haut zu büßen scheint, ist das güldene Tor zum Fanboy-Paradies eigentlich weit offen. Das einzige Problem dabei ist nur, dass das ganze Unterfangen so comichaft und dumm rüberkommt, dass man schon sehr schlicht gestrickt sein muss, um hier wirklich Spaß zu haben. Die Geschichte fährt auf altbekannten Genre-Autobahnen, die wiederum verdammt stark an „Aliens“ erinnern, der ganze Krach ist gnadenlos „over the top“ und die epischen Anflüge sind nie mehr als flugs eingeschobene Franchise-Stützen.

Als inhaltliche Grundlage des Films fungiert übrigens das dritte Videospiel, „Resident Evil: Nemesis“, doch das sollte hier niemanden ernsthaft tangieren, übrigens inklusive der heillos überforderten Regie-Neuling Alexander Witt. Als ernstzunehmender Genrefilm ist „Resident Evil: Apocalypse“ kurz vor einem Witz ohne Pointe, wohingegen die Punktezahl als satte Parade Trailer-trächtiger „Money Shots“ kaum größer sein könnte. Bezeichnend für den Film sind zum Beispiel sämtliche Schusswaffen, die aus jedem Peng eine Panzerfausteruption machen, und die elendig verwischten Untoten, die eigentlich mit dem „Thriller“-Groove unterlegt werden müssten. Nicht schön und nicht gut, aber immerhin auch nicht langweilig.

Resident Evil: Extinction (GB/D/F/AUS/USA, 2007)

Regie: Russell Mulcahy
Darsteller: Milla Jovovich, Oded Fehr, Ali Larter, Iain Glen, Ashanti

Ah, endlich mal ist so etwas wie ein Konzept bei der Resident-Evil-Reihe zu erkennen. Der Rahmen der Handlung wird mit jedem Teil größer, sodass wir nun bei einem apokalyptischen Endzeitszenario à la „Mad Max“ angekommen sind. Dank des T-Virus’ wurde nämlich inzwischen die Welt weitgehend entvölkert, was den Kampf von Alice gegen die immer noch angreifenden Zombie-Horden in eine unwirtliche Wüstenlandschaft verlagert. Die Umbrella-Corporation wiederum macht einen auf „Day of the Dead“ und versucht, den Zombies Handys nahezubringen. Fragt sich halt nur, welche Telefonnetze sie für ihr Gegrunze verwenden wollen...

Resident Evil: Extinction - Kinotrailer2 weitere Videos

Lässt man mal diese Ungereimtheit beiseite und ignoriert auch weitere Ungereimtheiten wie die mysteriöse Verbindung des Virus mit der Natur unseres Planeten, bleibt glücklicherweise immer noch ein solider B-Heuler, der das heillose Durcheinander von Teil zwei auf deutlich gefestigtere Füße zurückfährt. Zwar hat auch diesmal das Drehbuch von Paul WS Anderson die tiefgründige Intelligenz eines heißgelaufenen Zockers kurz vor der dritten Kanne Kaffee, doch Regisseur Russell Mulcahy kennt immerhin den Verlauf der Oh-Mann-Grenze. Kein Toxic-Avenger-Cousin also diesmal, sondern dafür satte Shoot-outs, die Rückkehr der Zombie-Hunde und ein spektakulärer Zombie-Krähenangriff.

Resident Evil - Alice im Zombie-Land - ein Rückblick auf die Resident-Evil-Reihe

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Extinction: Milla als Cowgirl.
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Als weitere Veränderung darf der gestiegene Gewaltpegel beklatscht werden, wohingegen die grundsätzliche Dummheit des Geschehens leider nach wie vor einsame Kreise ziehen darf. Mehr als einmal macht der Film den Eindruck, einfach nur einige „Hey, wäre es nicht cool, wenn...“-Momente zusammenzuwürfeln, was spätestens dann schmerzhafte Kopfschmerzen verursacht, wenn mal wieder versucht wird, die außerordentliche Beschränktheit des Szenarios als epischen Wurf aufzublasen. Wenn der Oberbösewicht auf eine altbekannte Falle trifft, ist das ja noch okay, doch die Geheimnistuerei um die Umbrella-Leute und Alice geht inzwischen echt auf die Nüsse.

Ach ja, die Alice beziehungsweise die Milla: Wenn sie am Anfang des Films halbnackt aufwacht, zeugt das nicht nur von einem außerordentlichen Verständnis für das anvisierte Publikum, sondern unterstreicht erneut die vor allem physische Präsenz dieser Frau. Alice ist cool, durchtrainiert und ein großes Vorbild für haufreudige Girl-Gangs, wobei aber ihre Sätze nach wie vor furchtbar platt ankommen und die heroischen Superkräfte kaum Raum für gespanntes Mitfiebern lassen. Es ist einfach klar, dass sie maximal ein paar Kratzer abbekommen wird, insofern sind selbst haarsträubende Gefahrensituationen vor allem dafür da, mal wieder in die CGI-Tasten zu hauen.

Resident Evil: Degeneration (J, 2008)

Regie: Makoto Kamiya

„Resident Evil“ kommt ja ursprünglich aus Japan, sodass es durchaus Sinn ergibt, aus dem Stoff auch mal einen CGI-Anime zu zimmern. „Degeneration“ soll nicht als Fortsetzung zu „Extinction“ gelten, sondern lediglich innerhalb des bekannten Universums spielen. Capcom wollte mit diesem Film den Einstand als Anime-Produzent geben und der Serie wieder das zurückgeben, was Paul WS Anderson gleich zu Beginn über Bord geworfen hatte: ein Gefühl von Horror.

Resident Evil: Degeneration - Trailer zum CGI-Resi2 weitere Videos

Der Plot spielt sieben Jahre nach dem Ende der Umbrella-Corporation und lässt die infizierten Passagiere eines dank Terroristen abgestürzten Flugzeugs auf zwei Spezialagenten los. „Resident Evil: Degeneration“ fängt gleich nach dem Ende des vierten Computerspiels an und richtet sich vor allem an Zocker-Fans, die dann auch die zahlreichen inhaltlichen Verweise und Anspielungen wohlwollend verknüpfen können. Wo Neulinge wiederholt „Hä?“ winseln, goutieren Eingeweihte eine angenehm bodenständige Geschichte, deren Überzeugungskraft allerdings durch cheesige Dialoge, diverse Klischees und grobschnitzige Charaktere einige Kinnhaken verdauen muss.

Universelles Interesse dagegen besitzen vor allem die Actionszenen, die zwar zeitlich stark begrenzt sind, doch dafür ganz gut reinhauen. Allerdings muss selbst hier die Frage gestattet sein, warum eben nicht mehr Action angesagt ist und die Animation gar so ruckartig daherkommt. Hatte etwa Capcom den Geldbeutel zu eng geschnürt oder einfach nicht genug Zeit investiert? An vielen Stellen des Films hakt es auf jeden Fall so deutlich, dass zumindest die Qualität der Computerspiele kaum erreicht wird.

Resident Evil - Alice im Zombie-Land - ein Rückblick auf die Resident-Evil-Reihe

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Degeneration war ein CGI-Film, ähnlich Final Fantasy.
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„Resident Evil: Degeneration“ muss sich mit einem Dasein als Randnotiz begnügen und erfreut nur diejenigen, die a) sowieso alles von „Resident Evil“ aufsaugen, b) „Final Fantasy: Advent Children“ für den tollsten Film aller Zeiten halten oder c) Milla Jovovich nur von hinten ertragen können. Mit der Tatsache, dass das Anime kaum blutdurstige Momente auffährt, könnten auch noch diejenigen als Interessengruppe gewonnen werden, die einfach keine Gewalt sehen wollen, doch das würde ja den ganzen Sinn des Resident-Evil-Imperiums ins Wanken bringen. Man kann es hier drehen und wenden, wie man will: Platzende Zombie-Köpfe sind einfach ein Muss.