Die schlechte Nachricht zuerst: Wer in den letzten Monaten fleißig der Gerüchteküche folgte und darauf gewartet hat, dass Emma Watson blankzieht, wird hier bitterlich enttäuscht werden. „Regression“ ist gar nicht die Art Film, die das sinnig einbauen könnte. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Alejandro Amenabars Thriller ist ziemlich gut.

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Keine Nacktszene, dafür gute Unterhaltung

Die Geschichte spielt im Jahr 1990. Die 17-jährige Angela (Emma Watson) ist von zuhause geflohen und hat in der Kirche Zuflucht gesucht. Sie behauptet, dass ihr Vater sie vergewaltigt hat. Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) nimmt sich des Falls an. Er spricht zuerst mit Angelas Vater und zieht dabei auch die Hilfe des Psychologen Dr. Raines (David Thewlis) heran. Der ist von der sogenannten Regressionstherapie überzeugt. Dabei hypnotisiert man jemanden und führt ihn zu vergangenen Ereignissen zurück, die er verdrängt oder vergessen hat.

Regression - Emma Watson und satanische Vergewaltiger

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Der Film läuft am 1.10.2015 in den deutschen Kinos an.
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Das geschieht auch mit Angelas Vater, der sich nun daran erinnert, dass er nicht allein im Raum war. Mehr noch: Nicht er hat seine Tochter vergewaltigt. Es war jemand, der eigentlich ein angesehenes Mitglied der Gemeinde ist.

Kenner springt sofort darauf an. Immer weiter zieht seine Ermittlungen ihre Kreise, immer mehr offenbaren sich Angela und andere aus freien Stücken oder unter Hypnose. Urplötzlich geht es nicht mehr „nur“ um den Missbrauch eines Mädchens, es geht um so viel mehr: Satanisten treiben in der Stadt ihr schreckliches Unwesen!

Die wahren Hintergründe

Für seinen neuen Film hat sich Amenabar eines Themas angenommen, das eigentlich sogar aus zweien besteht. In den 1980er Jahren herrschte in den USA eine Art von Panik vor, weil man wirklich glaubte, Satanisten hätten das Land unterwandert, würden teuflische Riten vollführen und Babys dem Höllenfürsten opfern. Es war eine Hysterie, die damals aufkam, die sogar vom FBI untersucht wurde, aber nie auch nur einen handfesten Hinweis brachte.

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Opfer von satanischen Ritualen? Angela Grey (Emma Watson).
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Das andere ist die Regressionshypnose, die längst ihren Ruf eingebüßt hat. Denn mit ihr werden keine Erinnerungen wachgerufen, sondern falsche erschaffen. Die Suggestion des Fragestellers ist es, die diese falschen Erinnerungen auslöst.

Weiß man um diese beiden Umstände, kann man natürlich erahnen, in welche Richtung „Regression“ geht. Nur kurz wandelt er auf dem schmalen Grat, sich nicht festlegen zu wollen. Amenabar gibt dem Zuschauer sehr schnell zu verstehen, dass er sich nicht dafür interessiert, davon zu erzählen, wie eine Satanisten-Verschwörung ausgehoben wird. Ihn interessiert etwas anderes viel mehr: Wie Hysterie um sich greift und wie eine moderne Hexenjagd entsteht.

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Polizist Bruce Kenner (Ethan Hawke) sucht die Wahrheit.
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Der Massenpsychose verfallen

Exemplarisch wird das anhand der Figur des Polizisten Bruce Kenner gezeigt. Er ist ein Mann, der an nichts glaubt, der klug ist, der Dinge hinterfragt, aber je mehr er von Angela hört, je mehr er von den Hypnotisierten hört, desto mehr verfällt er selbst in eine wahnhafte Psychose. Er erlebt, was nicht passiert, er ist ein Opfer seiner eigenen Paranoia.

Hawke spielt das exzellent. Er wirkt immer fahriger, immer wirrer, immer wahnhafter, während die Kamera das noch akzentuiert, indem sie alles um ihn herum unscharf werden lässt. Nur sein Gesicht liegt noch im Fokus – ein cleverer Weg zu zeigen, wie sehr der Tunnelblick diesen Mann erfasst hat.

Sehr schön ist es, wie Amenabar sowohl den Verfall dieses Mannes zeigt, als auch die Hexenjagd, bei der der Verdacht auf immer mehr Leute fällt. Der Mensch funktioniert nach denselben Mustern wie in den Jahrhunderten der Inquisition. Es bedarf nur Angst, um das Schlechteste in ihm hervorzubringen.