Rote Lichter, das sind Auffälligkeiten. Menschen in einer Masse, die sich ungewöhnlich benehmen, die aus der Norm fallen, die auffällig sind. Nichts an ihnen ist übernatürlich. Es bedarf nur eines geschulten Auges, um diese Menschen zu erkennen. Für solche Augen sind diese Menschen so leicht zu erkennen, als würden sie glühen. Das erklärt Dr. Matheson einer ihrer Schülerinnen, als sie Ausschau nach den Komplizen eines Betrügers halten, der auf der Bühne steht und Menschen durch bloße Handauflegung „heilt“.

Dr. Margaret Matheson (Sigourney Weaver) und ihr Assistent, der Physiker Dr. Tom Buckley (Cillian Murphy), sind Experten für paranormale und metaphysische Phänomene. Sie untersuchen diese akribisch, aber in ihrer mehr als 30-jährigen Arbeit hat Matheson niemals ein echtes Phänomen beobachten können. Sie konnte immer aufdecken, wie Menschen es anstellen, andere dahingehend zu manipulieren, dass sie glauben, sie hätten es mit einem Hellseher oder Medium zu tun.

Nun, 30 Jahre nach seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit, kehrt der Hellseher Simon Silver (Robert De Niro) wieder ins Rampenlicht zurück. Er kündigt eine große Tournee an, was in Tom den Wunsch weckt, den größten Star der Hellseherszene des Betrugs zu überführen. Doch Margaret lehnt ab. Sie hat ihre Gründe, Silver, dessen Fähigkeiten in den 70er Jahren in zwei Universitäten schon einmal überprüft und als unerklärbar eingestuft wurden, in Ruhe zu lassen.

Doch damit will sich Tom nicht zufriedengeben. Er entwickelt eine Obsession für Silver und muss wissen, wie dieser seine Tricks abzieht.

Wissenschaft vs. Parawissenschaft

Rodrigo Cortés hat mit „Buried“ bewiesen, dass er selbst aus einer so begrenzten Location wie einem Sarg ein Maximum an Spannung herausholen kann. Mehr noch, er zeigte, dass er als Filmemacher die Limitierung des Sets umgehen und trotzdem eine lebendige Kameraführung bieten kann. „Red Lights“ hat er nun nach eigenem Drehbuch inszeniert. Technisch ist der Film wie sein Vorgänger auf ganz hohem Niveau.

Red Lights - CSI Ghostbusters: Dem Übersinnlichen auf der Spur

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Hellseher oder Scharlatan? Robert De Niro in seiner besten Rolle seit langem.
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Cortés‘ Film zieht schon auf rein visueller Ebene in den Bann. Er ist recht nüchtern gestaltet, mit wenig ausdrucksstarken Farben, erhält dadurch aber ein authentisches Ambiente, das der Geschichte zuträglich ist. Denn wie die beiden Hauptfiguren ist man als Zuschauer auf der Seite der Skeptiker – und das umso mehr, da Margaret und Tom eindrucksvoll ein paar „übernatürliche“ Phänomene als das entlarven, was sie sind: Taschenspielertricks.

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So sehr uns der Film aber auch auf die Seite der zwei Wissenschaftler zieht, so exzellent schafft er es, Zweifel zu streuen. In einigen der intensiveren Momente von „Red Lights“ ist man fast überzeugt, dass es Margaret und Tom bei Silver mit einem Gegner zu tun haben, der sich nicht der Scharlatanerie bedient.

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Der Mann mit den traurigen Augen: Cillian Murphy.
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Dieses Gefühl verstärkt sich durch unerklärliche Ereignisse – mehrere Vögel, die wieder und wieder an Fenster krachen und sterben, elektronische Überladungen und ein Albtraum, der mehr wahr als fiktiv zu sein scheint.

Ein clever konstruierter Thriller, der Wissenschaft und Parawissenschaft gegeneinander ausspielt und bis zum Finale offen lässt, für welche Seite er sich schließlich entscheidet.Fazit lesen

Cortés ist hier in seiner Erzählung sehr vorsichtig. Er wagt sich soweit aufs Eis hinaus, dass er auch einbrechen könnte, denn seine Geschichte nimmt einen Verlauf, der sich nur noch schwer rational erklären lässt. Wo man während des Sehens Plotlöcher vermutet, ergibt sich am Ende jedoch eine überraschende Wendung, die retroaktiv Logik dorthin bringt, wo zuvor das Gefühl vorherrschte, der Film würde entgleisen.

Ein Blick durch traurige Augen

Die Hauptrolle spielt Cillian Murphy, dessen größter Aktivposten der unendlich traurige Blick ist. Selbst wenn er lächelt, weht über seine Mimik ein Hauch von Melancholie. Für die Rolle, die er hier spielt, ist das pures Gold. Denn mehr und mehr wird Tom Buckley zu einem Getriebenen, der anderen, großteils mit dem Paranormalen Sympathisierenden, aber auch sich selbst.

Ihm steht mit Robert De Niro ein starker Gegner gegenüber. Seit vielen Jahren ist De Niro schauspielerisch nicht mehr der, der er einmal war. Aber hier flackert eine Spielfreude auf, die an den alten, den guten De Niro erinnern lässt. Er wirkt mitunter bedrohlich, immer aber auch fürsorglich. Ein ambivalenter Mann, der kaum einzuschätzen ist.

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Ghostbusters heute: Sigourney Weaver und Elizabeth Olsen.
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Sigourney Weaver hat nach ein paar Nieten („Cold Light of Day“) endlich mal wieder eine Rolle, die differenziertes Spiel nicht nur erlaubt, sondern auch einfordert. Das kurze Stöckchen hat hingegen Elizabeth Olsen gezogen, die mit „Martha Marcy May Marlene“ bewies, dass sie mehr Talent als ihre beiden Schwestern zusammen hat, und dann „Silent House“ nachgelegt hat, der klarmachte, dass sie diese Qualität kontinuierlich liefern kann. Auch in „Red Lights“ könnte sie brillieren. Allein, ihre Rolle ist extrem mager ausgefallen und alles andere als eine Herausforderung für die Schauspielerin.