Möchte man den Knackpunkt finden, ab dem sich John Cusacks Karriere auf eine schleichende Talfahrt begeben hat, muss man weit zurückgehen, bis 2003, bis zu „Identität“. Damals war der Name John Cusack noch ein Augenbrauenheber, der einen Film automatisch interessanter machte. Kurz danach folgte „Frau mit Hund sucht Mann mit Herz“ und wiederum kurz danach „The Contract“ - der erste einer langen Reihe B-Filme, die nur noch auf reduziertem Niveau Augenbrauen heben konnten. Tendenz fallend, einzelne Aufstoßer wie „Zimmer 1408“ inklusive“.

Reclaim - Auf eigenes Risiko - Exklusive Szene: "Gekidnappt"Ein weiteres Video

Flach, gleichmäßig flach

Wenn man „Reclaim“, dem neuesten Eintrag in der „direct to video“-Liste von John Cusack, etwas Positives abgewinnen möchte, dann ist es das Halten eines niedrigen Niveaus. Ganz so tief wie Steven „Osteuropa“ Seagal ist der Mann noch nicht gefallen, sein Marktwert pendelt momentan knapp über der Höhe seines primären Komplizen in Sachen „was ist nur passiert?“, Nicolas Cage. Sprich: Weit entfernt von einem Kinoeinsatz, aber immer noch entfernt von den untersten Budget-Regalen. Filme mit Anfang, Mitte und Ende. Und vielleicht ein, zwei weiteren ehemaligen A-Stars, die ebenfalls „aus Gründen“ nun nehmen (müssen) was kommt.

Reclaim - Auf eigenes Risiko - Nicht mehr lange, John Cusack, dann bist du so tief unten wie Nicolas Cage

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NEIN – John Cusack ist der BÖSE!?
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Bei „Reclaim“ wäre das vor allem Ryan Phillippe („Eiskalte Engel“), der hier den Ehemann von Rachelle Lefevre spielt und in der Dominikanischen Republik ein süßes Mädchen adoptieren möchte. Nach der Übergabe einer größeren Geldsumme ist das Mädchen auf einmal weg und der zuvor so anschmiegsame Hotelgast (jawohl, John Cusack) entpuppt sich als Kopf einer Schlepperbande. Die jetzt auch noch erpressen möchte und dem Ehepaar somit gleich zwei uramerikanische Film-Traumata beschert: den Verlust eines Kindes und eine tödliche Bedrohung während des Urlaubs.

Also, mit anderen Worten: „Nicht ist so wie es scheint“ (TM) – und der „Twist“ mit John Cusack ist so meilenweit vorher ersichtlich, dass er sogar im Trailer verbraten wird. „Reclaim“ ist beileibe kein Film für irgendwie geartete Überraschungen, sondern läuft exakt so ab wie man das erwarten darf und muss. Das formelhafte Drehbuch von Carmine Gaeta und Luke Davies drückt einfach auf angegrabbelte Knöpfe und macht sich kaum Mühe, irgendetwas Neues auszuprobieren. Man kann den Handlungsablauf zu jedem Zeitpunkt genau vorherahnen. Das einzige Fragezeichen besteht darin, wann genau Cusack die Sympathie-Seiten wechselt.

Bloß nicht in die Dom Rep, da wird jeder beschissen!

Dass er es macht, steht leider zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, genauso wie irgendwie geartete inszenatorische Überraschungen. Man merkt „Reclaim“ sofort an, dass die Drehzeit keinen Platz für elaborierte Setups ließ. Mal abgesehen von schicken Landschaftsaufnahmen (die eventuell auch „stock footage“ sein könnten) gibt es hier handwerkliches Minimum, das nur bei einer längeren Verfolgungsjagd am Ende ein wenig hochprickelt. Um dann -wiederum keine Überraschung- mit einer Wagen-bammelt-halb-über-einem-Abgrund-Szene abzuschließen. Hmm, wird Ryan Phillippe dem Tod wohl nochmal von der Schippe springen?

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Da war Ryan Phillippe noch glücklich.
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Ganz ehrlich? Das bleibt eigentlich egal, denn „Reclaim“ ist der falsche Film für feuchte Hände. Hier geht es um Abarbeitung, um Zeitpläne, um Schecks ... und um irgendwie unterhaltsame Berieselung, die John Cusack, ohne dass er sich jetzt wirklich anstrengen würde, zum Lichtblick des ganzen Geschehens macht. Auf „Reclaim“-Niveau ist er immer noch ein großer Star, zumindest bis entweder die Steuerschulden (?) abbezahlt sind oder der mit jedem Film ein bisschen mehr verblassende Ruhm zu ersten Gastauftritten in Sitcoms führt. Oder/und ersten Osteuropa-Krachern an der speckigen Seite Steven Seagals.

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