Was macht man, wenn man a.) kein Geld hat, b.) einen Film drehen und c.) überschaubares Talent besitzt? Die Antwort: Wald- und Wiesenhorror. So handhaben es deutsche Amateurfilmer schon seit mehr als 20 Jahren. Nun jedoch gibt es ein Instrument, mit dem handwerkliche Defizite leichter zu verbergen sind. Das Zauberwort: Found Footage.

RAW - Der Fluch der Grete Müller - Trailer: Blair-Witch-Horror aus Deutschland

So gibt es nun mit „Raw – Der Fluch der Grete Müller“ auch einen deutschen Beitrag zum Found-Footage-Horror, der auf einen mittlerweile schon längst abgefahrenen Zug aufspringt, keinerlei neue Ideen aufweist und in Sachen Spannung auch Schmalhans Küchenchef sein lässt.

RAW - Der Fluch der Grete Müller - Verschollen! Gefunden! Erschreckend? Blair-Witch-Horror made in Germany

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Altbekanntes Konzept: Dokumentarfilmer gehen im Wald verloren. Hex hex!
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Es ist das übliche Spiel: Das gesehene Material ist alles, was von ein paar Leuten übrig blieb, die sich aufmachten, die Legende einer Hexe zu dokumentieren. Die Rede ist von Grete Müller, die im 17. Jahrhundert auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden ist, aber mit ihren letzten Atemzügen die Menschen verfluchte und schrie: „Soll mein Erstgeborener über euch Grauen bringen!“

In der Nacht ihres Todes brach sich ein Kind, das vom Teufel abstammen soll, aus dem toten Leib der verbrannten Frau seinen Weg frei. So besagt es zumindest die Legende, der drei junge Frauen auf den Grund gehen wollen.

Im Sommer 2009 machen sie sich auf in die Wälder, in denen all das stattgefunden haben soll. Sie suchen Antworten auf zahlreiche Fragen – ein kühnes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass etwa 300 Jahre vergangen sind, seit das Teufelsmonster in die Welt gekommen sein soll. Was die Frauen in den Wäldern finden, zeigt dieser Film – oder auch nicht, es wird ja kräftig gewackelt. Wie auch immer, die Dokumentarfilmer sind verschwunden, einzig zurückgeblieben ist das Filmmaterial. Das erzeugt aber weniger Schrecken als einfach nur grenzenlose Langeweile.

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„Ich will nicht denselben Fehler machen wie diese Blair-Witch-Assis“

Ein großes Vorbild, das hinter jedem Baumstamm hervorlugt. Ja, „Raw – Der Fluch der Grete Müller“ wäre gerne ein neuer „The Blair Witch Project“, aber davon ist er weit entfernt. Dass Autor und Regisseur Marcel Walz aber die Chuzpe hat, eine seiner Figuren noch über „The Blair Witch Project“ herziehen zu lassen, ist zumindest kühn. Wenn man sich schon so offensichtlich an einen mittlerweile uralten Film heranhängt, dann sollte man den Zuschauer vielleicht nicht noch mit der Nase drauf stoßen.

Wenn nichts in der Nacht passiert…

Über weite Strecken des Films soll Spannung dadurch erzeugt werden, dass die Nachtsichtkamera zeigt, was rund um das Zelt der jungen Frauen so stattfindet. Um es vorwegzunehmen: Es passiert nichts. Hier und da gibt es mal eine kleine Bewegung, jemand verschwindet und die anderen grübeln und rätseln.

Die Problematik des Films liegt jedoch nicht nur darin, dass einerseits praktisch nichts passiert, andererseits jeder halbwegs interessante Moment ein Rip-off von „The Blair Witch Project“ ist, sondern auch bei den Laien, die hier die Hauptrollen spielen.

Der deutsche Blair-Witch-Klon hat keine eigenen Ideen und schafft es auch nicht, die Ideen der offensichtlichen Vorlage wenigstens interessant zu kopieren.Fazit lesen

Interessanterweise hatte auch ein Film wie „The Blair Witch Project“ keine besonders erfahrenen Schauspieler, aber diese spielten mit deutlich mehr Authentizität. Zudem war die Inszenierung derart innovativ und mitreißend, dass selbst Szenen, in denen kaum Nennenswertes passiert, von einem hohen Maß an Spannung durchzogen waren. Davon findet man bei „Raw – Der Fluch der Grete Müller“ gar nichts. Er erinnert hingegen an „The Dark Area“, einen anderen deutschen Film, der sich an „The Blair Witch Project“ herangehängt hat, aber nicht im Mindesten dessen Qualität erreichte.

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Die meiste Zeit ist... so ein irgendwas zu sehen.
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72 Minuten können lang sein

„Raw – Der Fluch der Grete Müller“ ist der Beweis dafür, dass Zeit relativ ist. Unterhält man sich gut, kann ein drei Stunden langer Film wie im Flug vergehen. Vergehen die Sekunden jedoch zäh, dann kann selbst ein 72-minütiger Film wirken, als hätte man den halben Tag mit diesem Werk verbracht. Leider gilt bei diesem Streifen eindeutig Letzteres.

Umso mehr gilt das, wenn es die meiste Zeit dunkel oder verwackelt – oder beides! – ist, so dass man ohnehin nicht erkennen kann, was sich tut. Schön zu sehen – oder eben auch nicht – in der Sequenz, als zwei der Frauen nachts von wem auch immer durch den Wald gejagt werden.