Wer den Trailer zu „R.I.P.D.“ (Rest in Peace Department) gesehen hat, musste sich unweigerlich an „Men in Black“ erinnert fühlen. Die Verfilmung des Dark-Horse-Comics bestätigt diesen Eindruck und wirkt im Wesentlichen wie ein mehr als 15 Jahre zu spät gekommenes MIB-Ripoff, das niemand wollte und erst recht niemand braucht. Das Publikum votierte entsprechend einstimmig: In den USA spielte „R.I.P.D.“ nicht mal ein Viertel seiner Produktionskosten ein.

R.I.P.D. - Exklusiver Clip: Du bist tot! Also schließ dich uns an!2 weitere Videos

Maximal verdienter Flop

Als Police Detective Nick Walker (Ryan Reynolds) mit seinem Team ein Fabrikgelände stürmt, ahnt er noch nicht, dass dies sein letzter regulärer Arbeitstag sein wird. Der korrupte Kollege Bobby Hayes (verschenkt: Kevin Bacon) erschießt ihn kaltblütig, um das von beiden gefundene Gold (ja, Gold) für sich einzustreichen. Doch der plötzliche Tod führt Nick nicht in den Himmel, sondern zum R.I.P.D., einer Art Geisterpolizei, die auf der Erde wandelnde, verstorbene Kriminelle zurück in die Hölle befördert.

R.I.P.D. - Der überflüssigste Film des Jahres

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Der Dude als Ghostbuster: Nicht mal Jeff Bridges kann den Film retten.
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Wie Nicks neue Vorgesetzte Mildred (Mary-Louise Parker) ihn unterrichtet, wäre die Welt ohne das R.I.P.D. „schon irgendwann 1954 von Untoten überrannt worden“. Nicht nur die himmlische Polizeizentrale erinnert dabei an „Men in Black“, sondern auch die rasch geformte Buddy-Konstellation: Dem mürrischen Roy Pulsipher (Jeff Bridges) schmeckt es natürlich gar nicht, auf Bostons Straßen nun mit einem unerfahrenen Neuling auf Monsterjagd gehen zu müssen. Doch das ungleiche Paar… schnarch.

„R.I.P.D.“ ist ein komplettes Missverständnis. Nichts an diesem Film wirkt in irgendeiner Weise anziehend, nichts auch nur einigermaßen konzeptionell durchdacht. Ein brav nach Zahlen gemalter Blockbuster-Schmu, der von seiner stibitzten Prämisse sogar selbst gelangweilt scheint und nicht eine einzige Idee auf sich vereinen kann. Eine weitere Sommerhitfehlkalkulation eben, ein Film, dem das eigene Desinteresse aus jedem Bild quillt. Ein maximal verdienter Flop.

Das Konstrukt fällt schon, bevor es überhaupt steht: Weder kann der Film das Zusammenspiel der Geister-Cops mit der realen Großstadt plausibel vermitteln noch den sich daraus ergebenden Witz annähernd gefällig verwandeln. Es bleibt unklar, wie die Identität der R.I.P.D.-Ermittler gewahrt werden kann, wenn sie sich derart krawallartig durch Boston manövrieren (der Sprung vom Dach, der Zusammenstoß mit dem Bus). Unklar bleibt ebenso, warum ihre irdische Identität nicht unauffällig, sondern geradezu markant gestaltet ist.

Packshot zu R.I.P.D.R.I.P.D.

So erscheinen Nick und Roy den Menschen in Gestalt einer sexy Blondine und eines greisen Chinesen, was das Augenmerk bei Ermittlungen schon von vornherein auf sie lenkt. Die Existenz des R.I.P.D. und seiner Polizisten aber soll geheim gehalten werden, ist sogar automatisch vor Eingriffen geschützt: Sobald die Toten sich gegenüber Menschen offenbaren wollen, was Nick gegenüber seiner Frau zunächst natürlich auch versucht, verlässt nur noch Kauderwelsch ihre Münder.

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R.I.P.D.: Wie Men in Black, nur in öde.
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Buddy-Duo des Grauens

Offenbar aber hat es, trotz umfänglicher MIB-Verwurstung, dann wohl nicht für ein Blitzdings-Plagiat gereicht, mit dem das hinsichtlich der vermeintlichen Geheimhaltung recht idiotische Auftreten der R.I.P.D.-Cops zumindest erklärt und verschleiert hätte werden können. Aus dieser ohnehin schon dünnen Prämisse macht der Film allerdings auch nichts: Dass Roy nach außen hin in Gestalt einer aufreizenden Frau auftritt, hätte der Action einen interessanten Dreh geben können, bleibt uns bildlich aber bis auf wenige Einstellungen vorenthalten.

Das Buddy-Duo Ryan Reynolds und Jeff Bridges hilft darüber keineswegs hinweg, es fügt sich dem allgemeinen Missverständnis leider ganz besonders. Reynolds, dessen Aufstieg zum Hollywood-Star eines der größten Mysterien der Filmgeschichte ist, knüpft nahtlos an seine Flop-Performance aus „Green Lantern“ an. Wenn Langweiler langweilige Rollen noch mal gesondert langweilig spielen, braucht es schon einen sehr, sehr starken Gegenpart, um das irgendwie ertragen zu können. Unverständlicherweise reißt jedoch auch Jeff Bridges das Ruder nicht rum.

Die vom Trailer evozierten Befürchtungen eines einfallslosen MIB-Verschnitts bestätigt R.I.P.D. in Gänze. Ein weiterer Flopbuster 2013.Fazit lesen

Ganz grundsätzlich ist Bridges natürlich über jeden Zweifel erhaben (klarer Fall von: Lieblingsschauspieler auf Lebenszeit), aber sein Part ist undankbar und seine Leistung beinahe selbstbesoffen. In einer Mischung aus Dude und Duke rumpelt er sich witzelnd durch die eindimensionale Rolle eines Cowboys, ohne sich dabei über Ryan Reynolds hinweg- oder überhaupt nennenswerte Akzente zu setzen. Man möchte meinen, Jeff Bridges hätte solch unausgegorenen Blockbuster-Brei nicht nötig. Hat er hoffentlich auch nicht.

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Jeff Bridges und Ryan Reynolds: Buddy-Duo aus der Hölle.
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Inszenatorisch regiert überraschenderweise ebenso Einfallslosigkeit. Der Stuttgarter Regisseur Robert Schwentke hat einige nette und einige ziemlich fürchterliche Filme gedreht, konnte mit dem soliden „R.E.D.“ aber immerhin schon Erfahrung im Umgang mit Comicadaptionen sammeln. Einen handwerklichen Stil sucht man in seinen Arbeiten weiterhin vergebens, es sei denn ein paar unspektakuläre digitale Reißzooms gelten schon als Stil. Der Verdacht liegt nahe, dass Schwentke in Hollywood vor allem eine Karriere als Erfüllungsgehilfe einschlägt.

Spaß macht das alles jedenfalls nicht im Geringsten, es ist bestenfalls öde, einigermaßen schmerzfrei anschaubar, währenddessen bereits vergessen. Monsteraction und Effektgedöns kann ja theoretisch momentweise noch so manchen Sommer-Blockbuster über die Runden bringen, aber selbst diesbezüglich ergeht sich „R.I.P.D.“ in generischem CGI-Gulasch ohne Schauwerte oder erinnerungswürdige Krawall-Arrangements. Das konvertierte 3D ist zudem, wieder einmal, nicht der Rede wert.