„Von Anfang an war es unser Ziel, dem Publikum eine Erfahrung zu liefern, die noch spektakulärer und weitreichender ist als beim ersten Film, aber eine der Gefahren mit Fortsetzungen ist, dass sie schnell zu dümmlich und flau geraten“, erklärt Produzent Lorenzo di Bonaventura. Er führt weiterhin aus, dass man dieser Gefahr natürlich begegnet und ihr nicht erlegen ist, dass „R.E.D. 2“ ein großartiger, bestmöglicher Film ist, dass alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Nur: Es stimmt nicht.

R.E.D. 2 - Exklusiver Clip: "Victorias trickreiche Flucht"3 weitere Videos

So unterhaltsam „R.E.D. 2“ auch ist, so sehr ist er auch nur nach Schema F gefertigtes Aufkochen des Originals. Marvin (John Malkovich) täuscht seinen Tod vor und Frank Moses (Bruce Willis) wird verhaftet. Akten über eine alte Operation aus den späten 70er Jahren namens Nightshade sind im Internet abrufbar. Da es damals darum ging, einen atomaren Sprengkopf in Moskau zu zünden, ist das alles brisant. Marvin hilft Frank zu entkommen, schnell stehen beide auf der Fahndungsliste der USA und werden als Terroristen betrachtet.

Zusammen mit Franks Freundin Sarah (Mary-Louise Parker) macht man sich auf, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Weg führt nach London, wo man in einem geheimen MI6-Gefängnis eine echte Überraschung erlebt, die die Spur nach Moskau weist.

Derweil ist Agent Gordon (Neal McDonough) hinter Frank und Co. her. Damit nicht genug, auch der südkoreanische Auftragskiller Han Cho Bai (Byung Hun Lee) hat noch eine Rechnung mit Frank zu begleichen.

Alles schon mal dagewesen

„R.E.D. 2“ ist die Art Sequel, die sich nicht traut, auch nur ein Jota von der Erfolgsformel des Vorgängers abzuweichen. Darum gibt es hier viel von dem, was man ohnehin schon gesehen hat. Dabei wird auch schnell klar, dass die holprig geratene Geschichte nicht wirklich genügend Material für all die altgedienten Recken bietet.

R.E.D. 2 - Alte Knacker lassen’s krachen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 14/161/16
Rente mit 67? Sicher nicht für diese Herren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Schon Helen Mirren hat das kurze Stöckchen gezogen und kaum was zu tun, ganz übel ergeht es aber Brian Cox, der in ein paar Szenen herumstehen darf, aber nichts zum Film beiträgt. Sein größter Moment ist wohl der, als er Anthony Hopkins gegenübersteht – und das auch nur, weil sich damit die ersten beiden Darsteller von Hannibal Lecter treffen.

Stückwerk

Das größte Problem des Films ist, dass die Geschichte nicht stimmig ist. Sie hat keinen organischen Fluss, sondern wirkt im Gegenteil sehr zusammengestoppelt. Dabei fällt eine immense Holprigkeit auf, die sich dadurch ergibt, dass ganze Szenen quasi übersprungen werden. Immer wieder verzichtet der Film darauf, Widerstände zu zeigen. Für alle Beteiligten läuft das Geschehen viel zu simpel ab.

Ein Beispiel: Als eine Figur in der iranischen Botschaft als Geisel genommen wird, fährt man mit dem Lift ins Erdgeschoss. Dort gab es aber gerade eine riesige Schießerei, weswegen es schwierig sein dürfte, mit einer Geisel einfach so nach draußen zu kommen. Wie dies gelöst wird, zeigt der Film nicht. Man schneidet einfach zur nächsten Szene und zeigt Geiselnehmer und Geisel im Auto.

Packshot zu R.E.D. 2R.E.D. 2

Das sind Zeichen eines armseligen Skripts, da die Autoren sich gar nicht erst die Mühe gemacht haben, Lösungen zu finden, wie sie die Figuren ihre Probleme überwinden lassen können. Stattdessen tut man einfach so, als gäbe es diese Widerstände nicht.

Alles wie gehabt: Aufkoche des ersten Teils, inhaltlich defizitär, einigermaßen vorhersehbar, aber zumindest kurzweilig.Fazit lesen

Damit einher geht das Problem, dass keine echte Dramatik aufkommt. Auch für Frank und seine Freunde verläuft dieses Abenteuer viel zu einfach. In den Kreml einzubrechen, ist dabei nichts anderes als ein Spaziergang im Park.

Auffällig ist dabei auch, dass Sicherheitskräfte immer nur dann auf all die Schießereien und Explosionen aufmerksam werden, wenn das Skript ein paar namenlose Gestalten für weitere Action-Einlagen benötigt.

Zum Schmunzeln

Kann man damit leben, dass die Geschichte nur Widergekäutes zu bieten hat, präsentiert sich „R.E.D. 2“ zumindest als ironischer Actionfilm, der auch genügend Momente zum Schmunzeln zu bieten hat. Darüber hinaus ist die Chemie zwischen Bruce Willis und Mary-Louise Parker sehr gut. Das gilt aber auch für Malkovich, der hier nicht das fünfte Rad am Wagen ist, sondern irgendwie das platonische Anhängsel des Duos Willis-Parker darstellt.

R.E.D. 2 - Alte Knacker lassen’s krachen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 14/161/16
Jung geblieben: Catherine Zeta-Jones.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für die trockensten Sprüche ist ohnehin Malkovich zuständig, der hier mehr zu tun hat als noch im ersten Film. Nicht zurückkehrt ist Karl Urban, dafür gibt es mit Neal McDonough einen etwas älteren und mit Byung Hun Lee einen jungen Widersacher, mit denen sich die alte Garde herumschlagen muss. Dass einer von ihnen besser ist, als man zuerst denkt, ist genauso wenig eine Überraschung wie die Enthüllung, wer hier eigentlich der Schurke ist.

Auch dieser Twist ist halbgar und kommt mit ein paar Logik-Unebenheiten daher. Mehr als einmal fragt man sich, wieso eine Figur dieses oder jenes tut, eine befriedigende Antwort gibt es darauf aber nicht.