Prometheus hat, soviel ist bekannt, den Menschen das Feuer gebracht, das Zeus ihnen vorenthalten wollte –ein Rebell wider die göttliche Ordnung ist er also. Doch er hat auch die Menschen erst geformt, aus Ton, und im Frankenstein-Mythos, den Mary Shelley selbst auch als den des „modernen Prometheus“ bezeichnet, fallen diese beiden Eigenschaften in eins: Der Akt der Schöpfung ist zugleich der Akt der Übertretung.

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Das alles kann man so direkt voranstellen, weil Ridley Scott, der sich vor allem in „Blade Runner“ dem Dilemma der prometheischen Geschöpfe ausgiebig gewidmet hat, es hier ebenso direkt, unverstellt, und ja: größenwahnsinnig seinem Publikum präsentiert.

Alte Männer, so heißt es, haben nichts mehr zu verlieren – und der schwerreiche Industrielle Peter Weyland (unter der Prosthetik-Maske kaum zu erkennen: Guy Pearce) riskiert das Ende der Menschheit, weil sein eigenes bevorsteht. Weil er Antworten haben muss auf die Fragen, die in jedem von uns brennen: Woher komme ich? Warum bin ich? Wohin gehe ich?

Das Archäologen-Paar Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) findet Ende des 21. Jahrhunderts Höhlenzeichnungen, die den Weg zu einem ganz bestimmten Planeten in einem ganz bestimmten Sonnensystem weisen. Hier muss, sind die beiden sicher, der Ursprung der Menschheit liegen – und Weyland finanziert eine Expedition dorthin.

Bombastisch inszenierter Größenwahn von Altmeister Ridley Scott – eine technisch perfekte Blockbuster-Maschine, die ihren inhaltlichen Anspruch aber nur halb einlösen kann.Fazit lesen

Das Kommando hat die scheinbar eiskalte Meredith Vickers, die Charlize Theron mit einer Härte spielt, die so verzweifelt versucht, alles an sich abprallen zu lassen, dass gerade dadurch die Verzweiflung darunter umso deutlicher spürbar wird.

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Die Menschheit auf der Suche nach ihren Schöpfern.
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Mythische Gestalten und blanker „body horror“

Ohnehin ist „Prometheus“ in seinen besten Momenten auch ein Film über Einsamkeit. Mal mit einem Basketball in der Hand, den er nur gegen eine leere, sterile Wand des Schiffes prallen lassen kann, mal in einen fiktiven Dialog mit den Figuren aus „Lawrence von Arabien“ vertieft, wandelt David (Michael Fassbender) durch die weiten, verwaisten Gänge der „Prometheus“, bis die menschliche Besatzung aus ihrem Kälteschlaf erwacht – und David als Android entlarvt wird.

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Kenner von Ridley Scotts Oeuvre werden hier schon Böses ahnen, denn ob sie wie in „Blade Runner“ ihre eigenen Zielen oder wie in „Alien“ die ihres Erzeugers verfolgen: Die künstlichen Menschen zeichnen sich im Werke dieses Regisseurs zumindest durch die Rücksichtslosigkeit aus, mit der sie ihren Plänen nachgehen.

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Eine Expedition an die Grenzen des Alls soll die Ursprünge der Menschheit aufdecken.
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Die Kritik am Gebaren interstellarer Rüstungskonzerne hat Ridley Scott im Prequel ebenso über Bord geworfen wie das schreckliche Faszinosum, das von den mal phallischen, mal vaginalen erotomechanischen Konstruktionen des Schweizer „Alien“-Designers H.R. Giger ausgegangen war. Stattdessen lässt er das Erhabene auf das Menschliche treffen, den Mythos auf Fleisch, das Unendliche auf den „body horror“.

Ein Meilenstein des 3D-Kinos

Schon in der ersten Sequenz fährt die Kamera von oben über weite Landschaften, braungrünes Gras, Gipfel, tosende Wasserfälle, vor die sich eine kleine, scheinbar mickrige menschenähnliche Figur schiebt. Scott gelingt hier nicht nur ein Musterbeispiel für die effektive Staffelung von Bedeutungseben in drei Dimensionen, sondern auch eine seltsame Irritation.

Er präsentiert einen Kosmos, der weit entfernt scheint von den metallenen Innenräumen und der Schwärze des Weltalls, die man aus der Serie gewohnt war. Und er zeigt sein Konzept der Überwältigungsästhetik, eines technisch perfekten Bombardements der Sinne, das nicht nur die Menschen auf der Leinwand zu Zwergen machen soll.

Ob ein elektrostatischer Sturm die Besatzung umfängt und umtost oder ob David die riesige Kommandozentrale der „engineers“, der mutmaßlichen Architekten der Menschheit, mit deren beinahe verspielt glitzernd vernetzter Weltraumkarte füllt: Scott setzt die 3D-Technik meisterhaft ein, indem er sie nicht nutzt, um einzelne Objekte hervorzuheben, sondern um damit tatsächlich einen neuen Raum zu schaffen.

Selbst der in jüngerer Zeit vor allem aus „found footage“-Filmen bekannte Blick der subjektiven Helmkamera bekommt in dieser Inszenierung eine neue Plastizität und einen beinahe unheimlichen Realismus. Vor „Prometheus“ ist allerhöchstens noch „Avatar“ derart sinnvoll mit den neuen Möglichkeiten umgegangen.

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Stilistisch schlägt Ridley Scott öfters die Brücke zu seinem ersten Alien-Film.
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Vermutlich ist es überflüssig zu erwähnen, dass die Crew nicht unbedingt das vorfinden wird, was sie gesucht hat, sondern eine tödliche Bedrohung – die das Drehbuch in angemessener Gemächlichkeit entwickelt. Als Ko-Autor zeichnet Damon Lindelof verantwortlich, einer der kreativen Köpfe hinter „Lost“.

Und genau wie dort produziert seine Geschichte neben Momenten ehrlicher Gänsehaut auch solche, die mit ihrem Material recht oberflächlich umgehen. Viele der großen Fragen, die „Prometheus“ stellt, echoen eher hohl zurück von den turmhohen Höhlenwänden der „engineers“. Aber auch das kann ja schon eine Aussage sein.