Bei einem Titel wie „Project Almanach“ denkt man natürlich sofort an „Zurück in die Zukunft 2“. Das ist auch den Protagonisten bewusst, die diesen Namen für ihr Forschungsprojekt nutzen, das mit Zeitreisen zu tun hat. Einen Almanach gibt es dabei nicht, Eingriffe in den Lauf der Zeit aber schon – mit unvorhersehbaren Folgen.

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Found Footage als Stilform wird seit geraumer Zeit auf alle Arten von Genres angewandt. Mehrheitlich dominiert das Format noch immer im Horrorfilm, ein paar Ausreißer gibt es aber schon. So eben „Project Almanac“, das eine Science-Fiction-Geschichte in diesem Format erzählt und dabei das Maximalmögliche herausholt.

Project: Almanac - Würde man die eigene Zukunft gefährden, um die Vergangenheit zu richten?

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Das Konzept ist nicht völlig neu, funktioniert aber.
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Dave ist ein sehr cleverer junger Mann, der am MIT studieren will, aber kein Stipendium erhält. Er sucht auf dem Speicher nach Material seines Vaters, einem vor Jahren verstorbenen Wissenschaftler, das ihm vielleicht eine Idee geben könnte, wie sich das Ruder noch herumreißen lässt. Mit seiner Schwester Chris findet er eine alte Videokamera. Darauf zu sehen ist ein Video von der Party zu seinem siebten Geburtstag. Als Dave sich das Video genauer ansieht, erkennt er jedoch, dass er selbst darin ist – nicht als Siebenjähriger, sondern so, wie er heute aussieht.

Zusammen mit seinen Freunden geht er dem auf den Grund, man durchsucht den Keller und findet genaue Bauanleitungen für eine Zeitmaschine. Dave und die anderen sind besessen davon, sie in Gang zu bringen, aber sie haben keine Ahnung, welche Kettenreaktion sie damit auslösen.

Der Butterfly Effect mit einer Videokamera

Sicherlich, besonders originell ist das Ganze nicht, handelt es sich im Grunde doch nur um eine Variation von „Butterfly Effect“. Aber ehrlicherweise muss man sagen, dass der Film das Thema auch nur aufgegriffen hat. Das Interessante an „Project Almanac“ ist, dass die Veränderungen im direkten Umfeld der Hauptfiguren subtil sind. Mal hat die Mutter einen Job, mal nicht, mal wird einem Lehrer gekündigt, mal nicht, aber das ist es mehrheitlich auch. So fällt es erst nicht auf, bis den Figuren klar wird, dass weltweit Dinge anders laufen können.

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Nicht für Chaostheoretiker sind die Kausalitätsketten im Film reizvoll.
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Ein Beispiel: Wenn ein Basketball-Team ein Spiel nicht gewinnt, nicht zur Meisterschaft kommt, kein nächstes Match hat, dann tauchen auch die Zuschauer nicht auf, die anderes tun, auf Menschen treffen, die sie sonst nicht getroffen hätten, die wiederum anderes tun, als sie eigentlich getan hätten. Der alte Spruch vom Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen halben Planeten entfernt einen Hurricane auslösen kann, wird hier sehr anschaulich dargeboten.

Spannende Erzählung darüber, wie kleinste Veränderungen ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.Fazit lesen

Daraus bezieht der Film seine Spannung, denn natürlich wird der Versuch unternommen, zu richten, was durch vorherige Zeitsprünge kaputt gemacht wurde. Aber auch hier gibt es einen Welleneffekt, der weder kontrollier- noch planbar ist. Das Ausmaß jeder Veränderung lässt sich nicht errechnen.

Das eigene Heil oder das der anderen?

So wirft „Project Almanac“ auch eine moralische Frage auf. Einerseits wird die Zeitreise benutzt, um persönliche Vorteile zu erlangen – beispielsweise ein Lottogewinn -, andererseits geht das auf Kosten anderer. Menschen, die man gar nicht kennt. Die einem egal sein können?

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Die Charaktere sind den Zeiteffekten nicht nur ausgeliefert, sondern müssen auch schwere Entscheidungen treffen.
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Aber was, wenn der Effekt das eigene Leben erwischt? Wenn eine Veränderung das persönliche Glück bringt und jede andere zwar im globalen Sinne die Dinge richtet, aber das persönliche Leben zerschmettert? Das sind die Fragen, die sich die Hauptfigur stellen muss. Das ist auch das moralische Dilemma, in der sie steckt.

So setzt der Film weniger auf Action oder den globaleren Ansatz von Zeitreisen – die Frage, ob man Hitler töten sollte, wird zwar erwähnt, ist aber irrelevant, denn so weit zurück können sie gar nicht reisen – in erster Linie geht es aber um das Kleine, das Intime, das Menschliche. Das verankert den Film auf dem Boden der Tatsachen und macht es leicht, sich auf ihn einzulassen.