Prisoners – Gefangene, das sind alle Protagonisten dieses Thrillers, der Unterhaltungskino mit Anspruch und Tiefgang bietet und über zweieinhalb Stunden hinweg den Zuschauer im Ungewissen lässt, wie die Geschichte enden wird.

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Der Titel bezieht sich auf alle Figuren, mal real, mal metaphorisch, gefangen sind sie jedoch alle, nicht zuletzt in einem moralischen Dilemma, das Regisseur Denis Villeneuve nicht nur für seine Protagonisten, sondern auch für den Zuschauer bereit hält. „Prisoners“ ist die Art Film, die weit abseits von absoluten Werten wie Gut oder Böse, Schwarz oder Weiß, Richtig oder Falsch liegt. Stattdessen fordert er den Zuschauer heraus, selbst Position zu beziehen, zumindest aber darüber nachzudenken, wie er in der Situation handeln würde. Was dabei herauskommt, kann die Begegnung mit der dunklen Seite des eigenen Ichs sein.

Die kleinen Töchter von Keller Dover (Hugh Jackman) und Franklin Birch (Terrence Howard) verschwinden spurlos. Detective Loki (Jake Gyllenhaal) nimmt die Ermittlungen auf. Die Spur führt zu einem Wohnmobil, dessen Fahrer, der geistig minderbemittelte Alex Jones (Paul Dano), verhaftet wird. 48 Stunden lang unterzieht man ihm einem Verhör und untersucht das Wohnmobil auf Spuren der Mädchen, doch vergebens. Ihm lässt sich nichts nachweisen, weswegen er wieder auf freien Fuß gesetzt werden muss.

Dover wiederum weiß, dass die Zeit läuft. Je länger die Mädchen nicht gefunden werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie tot sind. Das will und kann er nicht hinnehmen. Er beschließt, die Kinder selbst zu finden. Indem er Alex entführt und Gewalt anwendet, um ihn dazu zu bringen, ihm zu verraten, wo die beiden Mädchen sind…

Kein Selbstjustizthriller

Betrachtet man sich die Inhaltsangabe, könnte man den Eindruck bekommen, einen handelsüblichen Film vor sich zu haben, der sich mit Selbstjustiz befasst, „Ein Mann sieht rot“ ist „Prisoners“ aber nicht. Er verherrlicht nicht die Tat des Vaters, die natürlich nachvollziehbar ist. Aber trotz allem bleibt immer die Frage, ob der Mann, den er in seiner Gewalt hat, auch wirklich schuldig ist.

Prisoners - Wow! Was für ein Film!

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Eine der intensivsten Darbietungen ihrer Karrierre: Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal.
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Die Szenen mit Jackman und Dano sind keine leichte Kost. Zwar zeigt der Film relativ wenig, einmal aber schon das Ergebnis von Kellers Wut. Das ist intensiver, brutaler und nachwirkender, als es jedem Horrorfilm möglich ist. Weil „Prisoners“ so stark in der Realität verwurzelt ist. Wie die Figuren handeln, erscheint weniger erdacht als vielmehr natürlich. Auf der Leinwand werden die Protagonisten zu echten, fühlenden, lebenden Menschen, was den Zuschauer mit voller Wucht trifft.

Packshot zu PrisonersPrisoners

Sowohl Hugh Jackman als auch Jake Gyllenhaal liefern hier atemberaubende Darstellungen ab. So intensiv und vielschichtig war Jackman niemals zuvor, und auch Gyllenhaal zeichnet das Porträt eines Menschen, der immer nur einen Schritt davon entfernt scheint, über die Klippe zu springen.

Clever konstruiert

Villeneuves Film ist ein filigran und clever konstruierter Thriller, der auch als Drama zu überzeugen weiß. In manchen Momenten ist der Film unglaublich intensiv, die Spannung wird fast unerträglich. Zugleich ist er so verstörend schön, dass er den Zuschauer emotional voll involviert. Dabei ist es längst nicht nur das Schicksal der Kinder, das man erfahren muss. Es ist auch die Frage nach der Moral, die hier immer wieder angesprochen wird. Denn in „Prisoners“ gibt es mehr als nur zwei Opfer, mehr als nur zwei entführte Mädchen. Im Grunde leidet ein jeder von ihnen, was Kameramann Roger Deakins in triste, bedrückende Bilder einfängt.

Intensiver und dichter Thriller, in dem Hugh Jackman und Jake Gyllenhaal die besten Leistungen ihrer Karriere abliefern.Fazit lesen

Die Frage, wer der Täter ist, beschäftigt von Anfang bis Ende. Der Trailer scheint alles auszubreiten, so dass man den Täter ohnehin erraten kann, aber weit gefehlt. „Prisoners“ ist derart gut gestaltet, dass sich die Auflösung dem Zuschauer gerade immer so entzieht, ebenso wie Detective Loki. Man sieht die Einzelheiten, man spürt, wo die Verbindungen sein müssen, aber etwas fehlt, bleibt unklar – bis zum hochdramatischen Schluss, der das Geschehen auf den Kopf stellt und auf einer faszinierenden Note endet.

Prisoners - Wow! Was für ein Film!

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Packend: Immer wenn man glaubt, man wisse Bescheid, schlägt die clever erzählte Handlung einen Haken.
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Eine Familie zerbricht

„Prisoners“ funktioniert nicht nur als Thriller, sondern auch durch seine dramatischen Momente. Er zeigt sehr eindringlich und glaubwürdig, wie Menschen auf den Verlust eines Kindes reagieren. Das ist alles andere als leicht anzusehen, nötigt aber Respekt ab. Einerseits für die Darsteller, die sich hier die Seele aus dem Leib spielen, andererseits für die Filmemacher, die es wagten, ein derart unbequemes Werk abzuliefern, das in seiner Wirkung mit handelsüblichen Thrillern gar nicht vergleichbar ist.

Was Denis Villeneuve hier erschaffen hat, ist nicht weniger als ein Meisterwerk. Er beweist damit, dass er sich problemlos ins Reich der großen Stars und Budgets begeben kann, aber die Brillanz seiner früheren Werke wie dem oscarnominierten „Die Frau, die singt“ nicht aufgeben muss.