Endlich mal wieder ein straighter Mainstream-Actionfilm ohne viel Gewusel. „Premium Rush“ folgt einer klaren Linie mit einer simplen Prämisse: Fahrradkurier Joseph Gordon-Levitt muss eine Briefsendung sicher ans Ziel bringen, während er vom korrupten Großstadt-Detective Michael Shannon quer durch New York gejagt wird. Eine schnörkellose Echtzeit-Hatz, die beim US-amerikanischen Kinopublikum zu Unrecht durchfiel.

Ein Actionfilm. Mit Fahrrädern.

„Bremsen sind der Tod“, predigt Wilee seinen Arbeitskollegen tagein, tagaus. Der Bike Messenger liefert Postsendungen in Rekordzeit, von einem Punkt zum anderen, immer durch den lebensgefährlichen Berufsverkehr Manhattans. Er lebe für den Moment, sagt Wilee, Anzüge könne er tragen, wenn er alt ist.

Seine Geschicke als Fahrradkurier werden eines Nachmittags auf eine besondere Probe gestellt, als er einen brisanten Brief zustellen muss, der ihm gleich in mehrfacher Hinsicht Ärger bereitet.

90 Minuten lang radelt Joseph Gordon-Levitt durch die überfüllten Straßen von New York, vom Central Park bis nach Chinatown. In der Tradition tempoorientierter Genrefilme, die sich an einer bestimmten Prämisse energetisch abarbeiten, drückt „Premium Rush“ unentwegt auf die Tube. So wie der Bus in „Speed“ oder das schwarze Auto in „The Transporter“ ist hier ein Fahrrad das die Handlung antreibende dynamische Vehikel, das Kennzeichen eines endlich mal wieder erfrischenden Actionfilms.

Dabei wirkt der vom sonst in erster Linie A-Drehbücher schreibenden Hollywoodurgestein David Koepp inszenierte Film eher aus der Zeit gefallen. Vor allem in den 90er Jahren hat man solche gradlinigen und auf reine Unterhaltung gebürsteten Actionfilme regelmäßig zu Gesicht bekommen.

Premium Rush - Action auf zwei Rädern

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Ein schnörkelloser Actionfilm wie aus den 90ern - aber auf Fahrrädern.
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Vielleicht wirkt „Premium Rush“ gerade deshalb, in einem Kinojahr von ironiedurchtränkten oder halbgaren Genrefilmen wie „The Expendables 2“ und „Das Bourne Vermächtnis“, in seiner Zurückgefahrenheit nur umso wohltuender.

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Furiose Stunts

Von Anfang an setzt Koepp auf Tempo: Eine furiose Exposition führt in den Arbeitstag von Fahrradkurieren, animierte Routenbeschreibungen stellen eine räumliche Stadtkarte des Handlungsortes her.

Sehenswerter Actionthriller auf zwei Rädern, der besonders in den Stuntszenen überzeugt.Fazit lesen

In Was-wäre-wenn-Sequenzen spielt Wilee mögliche Unfallszenarien gedanklich durch und berechnet seine Fahrwege blitzschnell in Sekunden – eine ganze Subkultur, die sich tagtäglich an Menschen- und Automassen vorbei manövriert, wird hier gleich zu Beginn in zackige Bilder gesetzt.

Die Actionszenen sind gleich in mehrfacher Hinsicht atemberaubend. Durchgängig an Originalschauplätzen inmitten von New York gedreht, konzentriert sich der Film auf waghalsige und komplizierte Fahrrad-Stunts (ausgeführt unter anderem vom Trial-Biker und YouTube-Star Danny MacAskill), die weitgehend ohne lästige Green-Screen-Effekte in Szene gesetzt werden. Beeindruckend sind auch die Kamerachoreographien, die die virtuose Hetzjagd stets mit Übersichtlichkeit und Ruhe einfangen.

Premium Rush - Action auf zwei Rädern

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Leider floppte Premium Rush an den US-Kinokassen.
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Statt zu einem Word-of-Mouth-Geheimtipp zu reifen, ging „Premium Rush“ (Eilauftrag) an den US-Kinokassen jedoch sang- und klanglos unter. Vielleicht wollten Autofahrer keinen Alltagshelden auf zwei Rädern sehen, vielleicht aber auch zieht Joseph Gordon-Levitt in einer Hauptrolle noch kein Publikum.

Der durchschnittliche Trailer sollte jedenfalls nicht täuschen: Das ist zweifelsfrei einer der interessanteren Filme in diesem Kinoherbst. Immer auf Speed, ganz ohne Bremsen.