Eines der Highlights des Filmfest München 2014 war „Predestination“, ein cleverer, komplexer, mit Überraschungen versehener Science-Fiction-Film der eineiigen Zwillinge Michael und Peter Spierig, der von Tiberius Film im Februar auf DVD und Blu-ray präsentiert wird. Auch im Heimkino ist der Zeitreisefilm eine Perle, auf die man sich jetzt schon freuen darf.

Predestination - Official Trailer #2Ein weiteres Video

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „All You Zombies“ von Robert A. Heinlein. Heinleins Werke stellen abseits von „Starship Troopers“ nur selten die Basis für Filme, mit dieser Geschichte, die 1958 geschrieben wurde, hat er jedoch eine Vorlage hingelegt, die die Spierig-Brothers effektiv umgesetzt haben.

Predestination - Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?

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Der Film erscheint am 05.02.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Für das Regisseurs-Duo stellt der Film eine neuerliche Entwicklung da, vom Low-Budget-Zombie-Film „Undead“ über den Sci-Fi-Vampir-Film „Daybreakers“ bis hin zu „Predestination“, dessen Skript alles andere als leicht zu schreiben gewesen sein dürfte. Es ist eine chronologische Herausforderung, mit verschiedenen Zeitebenen und Wendungen, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers erfordern.

Alles beginnt mit einem Zeitagenten („Daybreakers“-Star Ethan Hawke), der versucht, eine Bombe des sogenannten Fizzle Bombers zu entschärfen, aber dabei im Gesicht schwer verletzt wird. Die plastische Chirurgie der Zukunft kann den Schaden jedoch beheben.

Sein nächster Auftrag führt ihn in die 1970er-Jahre. Er ist ein Barkeeper. Als solcher unterhält er sich mit einem Mann, der mit ihm wettet, dass er ihm eine Geschichte erzählen kann, wie er sie noch nie gehört hat und wie sie ihn schockieren wird. Der Barkeeper nimmt die Wette an. Die Geschichte des Mannes beginnt mit den Worten „Als ich ein kleines Mädchen war…“.

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Einer der cleversten Sci-Fi-Filme seit Jahren.
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Die Aufmerksamkeit des Barkeepers ist geweckt, die Geschichte des Mannes höchst ungewöhnlich. Aber was dann folgt, wird noch erstaunlicher, denn der Barkeeper weiß mehr, als er vorgibt.

Mehr zu verraten, würde heißen, mächtig den Spaß an dieser Geschichte zu verderben, denn was die Spierig-Brothers hier abliefern, ist einer der besten Science-Fiction-Filme des Jahres.

Keine Zombies

Dem Titel der Kurzgeschichte zum Trotz gibt es hier natürlich keine Zombies. In der Vorlage geht der Titel auf einen Gedanken des Barkeepers am Ende der Geschichte zurück. Im Film wurde die Geschichte noch stärker aufgepeppt, das aber sehr stimmig und so gestaltet, dass in Sachen Spannung und Action eine Schippe zugelegt wird. Der gesamte Story-Komplex um den Fizzle Bomber, der quer durch die Zeit Hunderte von Menschen tötet, ist auf dem Mist der Spierig-Brothers gewachsen, aber ein interessantes Story-Element, das die Grundidee von Heinleins Vorlage sogar noch weiter ausbaut.

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"Predestination" ist die Verfilmung von Robert A. Heinleins Kurzgeschichte "All You Zombies".
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Vorbestimmung

Die Prädestination, die Vorbestimmung, ist das bestimmende Element des Films, denn er spielt mit der Frage, ob jedem Menschen das Schicksal vorherbestimmt ist oder ob der freie Wille nicht dazu führen kann, dass sich sein Leben, aber auch alles andere in eine gänzlich unerwartete Richtung bewegt. Mit einer Hauptfigur, die sich durch die Zeit bewegt, die die eigene Historie beeinflussen kann und sich selbst Botschaften zukommen lässt, wird diese Frage nach dem Konflikt zwischen Schicksal und freiem Willen auf die Spitze getrieben.

Überraschend, smart, komplex – ein Zeitreise-Film, wie es ihn noch nicht gegeben hat.Fazit lesen

Denn in „Predestination“ gibt es weder das eine noch das andere – oder beides zusammen, aber dann muss man den Menschen, oder besser: den Zeitagenten, als seinen eigenen Gott ansehen.

Die Paradoxa der Zeitreisen

„Predestination“ spielt, wie alle Filme, die sich mit der Thematik der Zeitreisen befassen, mit den Paradoxa, die sich durch die Beeinflussung der Zeitlinien ergeben. Die Spierig-Brothers proben dabei den frontalen Angriff gegen die Logik, denn wenn man versucht, der Chronologie der Geschichte auf die Schliche zu kommen, dann merkt man auch, dass man sich mitten in einer der großen Fragen der Menschheit wiederfindet: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?

Die Antwort darauf bleibt auch „Predestination“ schuldig, aber er bietet ein faszinierendes Gedankenkonstrukt, das in seiner Chronologie, aber auch in seinem Personengeflecht herausfordernd ist. Der Film unterscheidet sich von typischen Zeitreise-Geschichten. Nicht, weil er voller Wendungen und Überraschungen stecken würde, sondern weil er so weit geht, dass er am Ende einen Aha-Moment bietet, der den Zuschauer zwingt, sich die ganze Geschichte noch einmal vor Augen zu führen.

Dabei erweisen sich die Spierig-Brothers als Meister der Spannung, sorgen sie doch dafür, dass man als Zuschauer immer mehr in die Geschichte hineingezogen wird und der Auflösung entgegenfiebert.