Beim Titel „Prakti.com“ fand sich jemand sicherlich wieder besonders clever. Davon abgesehen: „Prakti.com“ könnte man auch als Google-Film beschreiben. Das Praktikantenprogramm des Unternehmens mag in der filmischen Version nichts mit der Realität zu tun haben, dass eine der Google-Angestellten im Film erklärt, sie glaube wirklich, man mache mit diesem Job die Welt ein bisschen besser, ging bei den Google-Chefs aber sicherlich runter wie Öl.

Prakti.com - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Billy (Vince Vaughn) und Nick (Owen Wilson) sind erstklassige Verkäufer, die daran glauben, sich mit ihrem Talent auch den amerikanischen Traum erfüllen zu können. Aber ganz plötzlich müssen sie feststellen, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Die Uhrenfirma, für die sie tätig waren, macht dicht. Aber was machen Verkäufer, wenn es nichts mehr zu verkaufen gibt? Sie suchen nach einer neuen Chance. Die Zukunft heißt Google, auch wenn beide mit Computern oder dem Internet nichts am Hut haben.

Dank ihres Verkaufstalents gelingt es ihnen, bei Google tatsächlich ein Praktikum zu erhalten. Hier sind sie jedoch nur zwei alte Kerle inmitten von College-Absolventen, die halb so alt sind wie sie selbst. Doch das Leben bei Google – als Noogler, das ist Neusprech für Google-Praktikant – ist alles andere als leicht, denn ein hartes Auswahlverfahren folgt, aus dem nur wenige als Googler, also Vollzeitangestellte, herausgehen. Billy und Nick sind gewillt, zu den Siegern zu gehören. Aber dabei gibt es noch ein paar Lebenslektionen zu lernen. Schließlich ist man nie zu alt, sich neu zu erfinden und etwas zu lernen…

Wie die Wedding-Crashers

Vince Vaughn und Owen Wilson spielen im Grunde dieselben Figuren wie bei ihrem Hit „Wedding-Crashers“. Die Chemie zwischen den beiden ist nach wie vor Gold wert und trägt dazu bei, den oftmals recht albernen „Prakti.com“ nicht total entgleisen zu lassen.

Dass die Hauptfiguren bei Google arbeiten, ist im Grunde vollkommen irrelevant. Es hätte auch jede andere Firma und Branche sein können, geht es doch einzig und allein darum, zwei Männer mittleren Alters im Fisch-aus-dem-Wasser-Prinzip in einer Umgebung zu zeigen, in der sie eigentlich nichts zu suchen haben.

Mehr ein Google-Werbespot als eine spritzige Komödie.Fazit lesen

Daraus bezieht der Film vor allem seinen Humor, kann aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Laufzeit von fast zwei Stunden für eine Komödie dieser Couleur viel zu lange ist. Eine etwas straffere Erzählstruktur hätte hier Wunder wirken können.

Prakti.com - Wie viel Kohle Google wohl für diesen Quatsch gezahlt hat?

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Willkommen in der Generation YouPorn: Alte Herren entdecken das Internet.
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Popkulturelle Peinlichkeiten

So amüsant es ist, die popkulturellen Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Menschen herauszustellen, so überzogen kommt dies zum Teil daher. Eine Diskussion über „Flashdance“ funktioniert da weit besser als eine auf dem Google-Campus ausgerichtete Partie Quidditch, bei der zwar nicht geflogen wird, man sich aber einen Besen zwischen die Beine klemmt.

Das ist dann eine der abstruseren Szenen des Films, die die Praktikumsprüfungen auch in eine Richtung treibt, die weit jenseits aller Glaubwürdigkeit ist. Etwas besser ist da schon, dass die jungen Praktikanten ihre alten Kollegen auf den Arm nehmen und auf die Suche nach Charles Xavier von den „X-Men“ schicken.

Prakti.com - Wie viel Kohle Google wohl für diesen Quatsch gezahlt hat?

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Haha, is' ja wie bei Harry Potter, crazy, man!
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Der amerikanische Traum macht Praktikum

Die beiden Hauptfiguren glauben an den amerikanischen Traum. Der Glaube daran wurde ihnen mit der Muttermilch eingetrichtert. Was ihre jungen Kollegen betrifft, sieht es schon anders aus: Zynismus hat sich breit gemacht. Den Jungen ist klar, man kann alles richtig machen – die richtige Schule besuchen, gute Noten haben, Praktika machen – und am Ende doch abgehängt werden.

Das ist die eigentlich interessante Geschichte, die hier aber nur gestreift wird. Verständlich, käme man bei einer Komödie doch sehr schnell in narrativen Tiefgang, der letzten Endes nur Ballast ist. Das Thema aber zumindest anzuschneiden, verleiht „Prakti.com“ ein interessantes Element, über das sich noch nachdenken lässt, wenn der Film längst vorbei (und vergessen) ist.