„Ein Pfund Gehacktes“. Unter diesem Titel wollte Splendid Film den neuen JCVD-Klopper „Pound of Flesh“ in die Videotheken bringen, ruderte aber kurze Zeit später zurück. Alles nur Spaß, berichtete der deutsche Verleih nach Protesten auf Facebook, man habe die Umbenennung gar nicht ernst gemeint. Schade eigentlich! Ein derart sinnfreier Titel hätte den Film zumindest in angemessener Weise gegen jede Ernsthaftigkeit versichert.

Pound of Flesh - Official Trailer

Widerwilliger Spagat

„Pound of Flesh“ beginnt sehr stark, jedenfalls deutlich ambitionierter als manch ein anderer für internationale Videomärkte produzierter Actionfilm. In ausnahmsweise mal nicht osteuropäischen, aber ebenfalls recht tristen südostasiatischen Schauplätzen verortet, erzählt der Film die urbane Legende von der heimlich entwendeten Niere: Deacon (Jean-Claude Van Damme) erwacht in einer mit Eiswürfeln gefüllten Badewanne, auf seinem Rücken entdeckt er eine notdürftig geflickte Wunde.

Pound of Flesh - Jean-Claude Van Damme und die Suche nach der verlorenen Niere

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Halbtot in der Badewanne: Nach seiner illegalen Nierenoperation betritt JCVD diesen Film als eine Art Action-Zombie.
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Erinnerungen an die vergangene Nacht hat der Mann nur wenige, natürlich aber läuft alles auf die Begegnung mit einer schönen unbekannten Frau hinaus. Sie muss den Lockvogel gespielt und ihn verführt haben, damit Organhändler sein Hotelzimmerbett zum Operationstisch umfunktionieren konnten. Neben einer großen Blutlache hinterließen sie lediglich Schmerzmittel, Bargeld und die zynische Nachricht, dass es eine Freude gewesen sei, mit Deacon Geschäfte zu machen.

Jean-Claude Van Damme und die gestohlene Niere, das ist erstmal eine durchaus spannende Prämisse. Der Film aber kann nicht widerstehen, sie um jeden Preis melodramatisch aufzuladen. Deacons Organ nämlich war bereits für eine Spende vorgesehen, nach Manila ist er gereist, um seiner todkranken Nichte das Leben zu retten. Die Niere also muss schnellstmöglich gefunden und den Verbrechern das Handwerk gelegt werden, andernfalls stirbt das kleine Mädchen.

Pound of Flesh - Jean-Claude Van Damme und die Suche nach der verlorenen Niere

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JCVD-Spagat, diesmal am fahrenden Auto: Weil er es eben noch immer kann, der Jean-Claude Van Damme.
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Statt daraus eine geradeaus gerichtete Handlung zu spinnen, die nach klassischem Actionprinzip vor allem schweißtreibende Affekte produziert, zwingt „Pound of Flesh“ seinen Protagonisten zur großen nachdenklichen Geste. Immer wieder muss Van Dammes Figur das Gefühlige ihrer Mission herausstellen, muss traurig gucken und innerlich um Vergebung bitten. Und selbst den sonst so heiteren JCVD-Spagat absolviert sie nur widerwillig, diesmal an einem losfahrenden Auto (was immerhin ganz hübsch aussieht).

Eine Hintergrundgeschichte um die Beziehung zu Deacons intellektuellem, also grundverschiedenen Bruder (John Ralston) und dessen einst zwischen ihnen stehender Ehefrau möchte „Pound of Flesh“ ebenfalls noch irgendwie unterbringen. Der Mittelteil des Films fischt dann mit seifenopernartigen Dialogen um Liebe und Loyalität ganz besonders grandios im Trüben. Und langweilig ist gar kein Ausdruck dafür.

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Der Film erscheint am 25.09.2015 auf Blu-ray und DVD.
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Bewegungslose Action

Dass sich Van Damme spätestens seit der Metakomödie „JCVD“ als ernstzunehmender Schauspieler verstanden wissen will, haben seine Actionfilme der letzten Jahre mehrfach deutlich gemacht. Gern spielt er nun gebrochene Männer, auf dessen furchigem Gesicht ein gelebtes Leben abzulesen ist. Den von Stallone entliehenen Underdog-Habitus beherrscht er allemal: Sein Karrieremodell ist längst eines, das Kinetik und Altersmüdigkeit zusammenbringt.

Kann man natürlich machen, muss man wahrscheinlich auch. Wenigstens versprechen die zahlreichen Laberhänger und verbalen Drohgebärden zugleich kompetentes Genrehandwerk, das Van Damme selbst im Alter von 54 Jahren noch als kräftig austeilenden Kampfsportler bestätigt. Mit Regisseur Ernie Barbarash hat er diese Mischung zuletzt gut hinbekommen, Fans zumindest zeigten sich sehr angetan von deren gemeinsamen Filmen „Assassination Games“ (2011) und „6 Bullets“ (2012).

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Mit furchigem Gesicht trauert Van Damme um seine schwerkranke Nichte – die ebenjene Niere benötigt, die ihm nun fehlt.
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Nach dem hübschen Beginn aber kippt „Pound of Flesh“, die dritte Kollaboration mit Barbarash, auch actioninszenatorisch ins Bodenlose. Verfolgungsjagden (und sogar gewöhnliche Innenraumszenen) des zwar auf den Philippinen spielenden, aber in China gedrehten Films sind vor Green-Screen aufgenommen, haben also mit Bewegungskino nichts zu tun. Und bei ausgesuchten Kloppereien, ja sogar Dialogszenen, lässt sich Van Damme neuerdings offenbar genauso doubeln wie Kollege Steven Seagal.

Nach dem vielversprechenden Beginn säuft „Pound of Flesh“ gnadenlos ab. Und ist leider einer der bislang schlechtesten JCVD-Filme überhaupt.Fazit lesen

Bis in kleinste Details markiert der Film eine Abkehr von eigentlich allem, was sich in einem herkömmlichen Sinne mit Action assoziieren lässt: Größere Explosionen kommen ohnehin nur noch aus dem Computer, selbst Mündungsfeuer und Einschusslöcher werden mittlerweile digital ins Bild geklatscht. Zweikämpfen wiederum fehlt jeder Druck, und meist sind sie derart vom Schnitt entstellt, dass man ihnen kaum folgen kann, geschweige denn überhaupt noch folgen möchte.