Lust machen Poster und Prämisse von „Poseidon Rex“ durchaus: Ein eben nicht T-, sondern schwimmender P-Rex, dazu kreischende Bikinimädchen und ballernde Helikopter, alles mal wieder vortrefflich auf Ulk gebracht. Aber natürlich sollte man es eigentlich besser wissen. Und dass man es zwar tut, aber dennoch nicht verzichten mag, ist ja quasi auch das, was die Produktionsschmieden von kalkulierten, also unwahren Trashfilmen überhaupt am Leben hält.

Konkurrenz für The Asylum

Sie sind dabei natürlich längst nicht mehr an künstlerischen Ambitionen interessiert, deren grandioses Misslingen viele tatsächliche Trashfilme erst zu ebensolchen macht. Der zur öden Masche verkommenen Produktionsökonomie all der digitalen Monster- und Haifisch-Vehikel jüngeren Datums ist jeder Charme schon deshalb ausgetrieben, weil sie ihre Minderwertigkeit unbedingt ausstellen (und über soziale Netzwerke in Hype-Form gießen) müssen.

Poseidon Rex - Ein schwimmender Tyrannosaurus Rex!?!

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Volle Kraft voraus, oder auch: Ausschau halten nach dem P-Rex. Eigentlich ein Bild, das sich selbst kommentiert. Dennoch der Hinweis: Die Frau im Bikini ist Meeresbiologin.
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Man weiß das nach spätestens zwei, drei gesehenen Filmen, und es hält einen trotzdem nicht davon ab, den entsprechenden Output auf mitunter ja vielleicht doch ganz vergnügliche Ausreißer abzuklopfen. Tatsächlich hätte „Poseidon Rex“ sich – mit Blick auf seinen herrlich dusseligen Titel, aber auch den Umstand, dass hier ein gewisser Mark L. Lester Regie führt – durchaus als Splitter im Gewebe erweisen können. Als vergleichsweise überdurchschnittlich kompetent gemachter Saurierfilm.

Es scheint allerdings, dass diesen Konzepten – dem üblichen Produktionsniveau zum einen, der programmatischen Schlechtigkeit zum anderen – auch mit Talent nicht beizukommen ist. Schlimmer noch: Mark L. Lester, einst verantwortlich für achtbare Genreperlen wie „Die Klasse von 1984“ oder „Das Phantom Kommando“, hat den P-Rex nicht etwa als Erfüllungsgehilfe, sondern Produzent seiner eigenen neuen Gesellschaft aus den Tiefen des Meeres befreit.

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Könnte man auf kleinen Bildschirmen beinahe mit spektakulären Tricks verwechseln: Das Poseidon Rex getaufte Ungeheuer auf Nahrungssuche in der Tiefsee.
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Titan Global Entertainment nennt sich die Produktionsfirma, mit der Lester offenbar in Konkurrenz zu The Asylum treten möchte (ein weiterer Billigfilm, diesmal mit Drachen und Rittern, ist bereits abgedreht). Augenscheinlich ergab sich aus den flopgeebneten Wegen, die er in den 90er-Jahren beschritt, keine andere Möglichkeit. Und nach „Pterodactyl“, einem Monsterhorrorquatsch mit prähistorischen Riesenvögeln, scheint Lester Blut geleckt zu haben.

So interessant es immer ist, Filme wie „Poseidon Rex“ im Kontext ihrer Produktionsverhältnisse zu sehen, so wenig geben die Filme letztlich für eine sinnvolle Beschäftigung mit ihnen her. Die Geschichte eines urzeitlichen Dinosauriers, der von Tiefseetauchern versehentlich zum Leben erweckt wird, ist natürlich nicht der Rede wert, und wenn überhaupt, dann lohnt sich allenfalls ein Blick auf ihre freilich etwas absonderlichen Details.

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Völlig absurde, so gesehen aber reizvolle Szene: Jackson (Brian Krause) und Sarah (Anne McDaniels) untersuchen ein P-Rex-Baby auf die denkbar rabiateste Art.
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Der Pixel-Dino

Der Taucher Jackson zum Beispiel, gespielt vom einstigen „Charmed“-Star Brian Krause, muss nicht nur den gigantischen P-Rex bezwingen, sondern auch brutale Gangster, die es auf einen im Meerengrund liegenden Goldschatz abgesehen haben. Die tragen zwar lustige Sonnenbrillen und neonfarbene Armbänder, sehen also ein bisschen nach Fasching aus, ballern aber ganz schnell mal unkontrolliert los (wenngleich auch das, Mündungsfeuer aus dem PC sei Dank, nicht wirklich bedrohlich anmuten mag).

Mit der Meeresbiologin Sarah (Anne McDaniels) bekommt Brian Krause, passend zum Ambiente stets in Hawaiihemden gehüllt, noch eine sympathische Frau an die Seite. Die beiden stibitzen dem P-Rex ein Saurier-Ei, um es im Labor zu untersuchen, und stoßen ohne Grund erst einmal ganz wissenschaftlich mit Bier an. Daraufhin befreien sie das Tier aus den Eierschalen, schleudern es wie blöde im Raum herum und sperren es schließlich in eine Kühlbox. Zugegeben also: die Szene hat was.

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Nur ganz leicht von einem bestimmten Dinofilm anno 1993 inspiriert: Die kurze Autoverfolgungsjagd zu Land, mit viel hübsch kaschierendem Straßenfeinstaub.
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Nachdem er, trotz stattlicher Größe, stets nur kurzzeitig in Erscheinung tritt (und sonst wohl lieber auf dem Meeresboden schmollt), betritt der P-Rex nach knapp einer Stunde Laufzeit auch endlich mal Land. Dort bewegt er sich genauso filigran wie zu Wasser, bekommt die beiden Helden aber trotzdem nicht ins Maul. Nur das Militär (in Gestalt zweier Kampfjets, die offenbar aus Archivmaterial eingefügt wurden) kann den Strand von Belize noch retten.

Die Idee eines P- statt T-Rex ist super, der Film allerdings so unter aller Kanone, dass man es kaum aushält. Da warten wir lieber weiterhin auf Jurassic World!Fazit lesen

Die Saurierangriffe sind dabei im Wesentlichen so inszeniert, wie man es aus Dutzenden ähnlicher Filme kennt: Zu sehen ist das pixelige Monster meist aus der Totalen, im Gegenschnitt gibt es dann schreiende Menschen, die irgendetwas anstarren (einen wild gestikulierenden Mark L. Lester vielleicht). Das wirkt – in der Kombination aus freilich überschaubar gelungenen Effekten und Reaction Shots – wie aus zwei verschiedenen Filmen zusammengesetzt.

Gemeinsame Bilder gönnt der Film seinen Helden und dem Monster folglich nicht, das wäre tricktechnisch wahrscheinlich auch kaum zu machen gewesen. Dass sich daraus dennoch weder B-Movie-Charme noch sympathisches Unvermögen ergeben mag, ist eben die Crux solch vermeintlicher „So bad, it’s good“-Produktionen, die ihre Trash-Qualitäten auf dem Silbertablett servieren – und glauben, damit sei es eben schon getan.