Dass Ericson Core das Remake von „Gefährliche Brandung“ inszenierte, ist irgendwie passend. Bei „The Fast and the Furious“, der im Grunde dieselbe Geschichte erzählt – nur eben mit Autorennen –, war er noch der Kameramann. Nun also oblag es ihm, aus dem von Kurt Wimmer („Salt“) verfassten Skript eine ansprechende Neuauflage des Action-Hits mit Keanu Reeves und Patrick Swayze zu gestalten.

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An deren Stelle treten Luke Bracey und Edgar Ramirez. Wäre man böse, könnte man behaupten, der einzige Unterschied zwischen Original und Neuauflage ist der Haarfarbenwechsel der Hauptfiguren. Aber es gibt schon noch einige andere Neuerungen, auch wenn die Grundgeschichte die genau gleiche ist.

Johnny Utah ist ein FBI-Anwärter, der erkannt hat, dass einige der spektakulärsten Überfälle der letzten Monate alle auf das Konto von einigen Extremsportlern gehen. Da er selbst der Szene entstammt, hat er die Zusammenhänge erkannt. Das berichtet er seinem Vorgesetzten, der bewilligt, dass Utah versucht, sich in die Gruppe einzuschleusen.

Es dauert nicht lange und Johnny hat die Aufmerksamkeit von Bodhi geweckt, der ihn einlädt, seine Freunde und ihn zu einigen der größten Herausforderungen aller Zeiten zu begleiten. Denn Bodhi hat einen Traum. Er will die legendären acht Prüfungen, die ein verstorbener Guru der Extremsportler-Szene aufgestellt hat, überstehen. Aber jede von ihnen könnte tödlich enden…

Point Break - Geht der Film in der gefährlichen Brandung unter?

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Der Film erscheint bei uns am 21.01.2016 in den Kinos.
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Verkompliziert

Das Schöne an Kathryn Bigelows Original ist die Reinheit seines Konzepts. Da sind es Adrenalin-Junkies, die sich ihr Surfer- und Fallschirmspringer-Leben mit Raubüberfällen finanzieren. Im Remake nun verleiht Kurt Wimmer seinen Figuren einen esoterischen Touch – man muss der Erde schließlich etwas zurückgeben –, verliert dabei aber aus den Augen, was den modernen Klassiker aus den frühen 1990er Jahren so großartig gemacht hat.

Darüber hinaus leidet „Point Break“ an der Krankheit des modernen Hollywoods. Alles muss größer, weiter, schneller sein. Surfen reicht da nicht mehr, der Extremsport muss viel weiter gehen. Die Aufnahmen, die Core, der auch selbst die Kamera führte, gelingen, sind dabei durchaus atemberaubend, fühlen sich bisweilen aber auch an wie Werbe-Videos für irgendeinen Red-Bull-Event, der mit Extremsportler-Leistungen mal wieder auf das Brausewasser aufmerksam machen will.

Packshot zu Point BreakPoint Break

Die Figuren leiden darunter. Das Spektakel wird über ihre Entwicklung gestellt. So darf sich Edgar Ramirez, der per se nicht schlecht ist, in Sprüchen ergehen, die in jedem Poesie-Album gut aufgehoben wären, die existenzialistische Wirkung des Originals erreicht er aber nicht. Sein Bodhi ist ein Weltverbesserer ohne Vision, der darum auch scheitern muss.

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Schlechter als das Original. Wer hat anderes erwartet?
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Denn die Notwendigkeit, Verbrechen zu begehen, besteht nie. Sie geschehen aufgrund der verquasten Weltsicht der Hauptfiguren. Hätten sie darauf verzichtet, hätten sie in Ruhe ihre acht Prüfungen hinter sich bringen können. „Point Break“ leidet schon daran, dass der Katalysator, der die Geschichte in Gang bringt, nicht richtig funktioniert.

Fahler Schatten

Natürlich will der Film ein paar Schlüsselszenen des Originals zitieren, er bleibt nur ständig hinter der Bilderkraft und der Wucht der Emotionen von Bigelows Werk zurück. Es gibt die Szene, in der der FBI-Agent den fliehenden Bodhi aufhalten könnte, aber stattdessen nur mehrmals in die Luft schießt. Und es gibt auch das Finale, das ein letztes Treffen zwischen beiden zeigt. Aber beide Sequenzen verpuffen, die finale dabei noch mehr als die andere.

Weil dem Ende hier die Relevanz fehlt. Fast alles ist da, was es auch 1991 schon gab, nur eines nicht: dieser große, letzte, stumme Moment zwischen zwei Männern, die sich ähnlicher sind, als sie zuzugeben bereit sind.