Disney ist bekannt für ihre märchenhafte Erzählweise, Geschichten über Außenseiter, die sich nach vorne kämpfen, die ausgeklügelten und witzigen Figuren, die detaillierten Landschaften, Liebe, Freundschaft und Moral. Generationen über Generationen werden von Disney verzaubert. Und diesmal soll ein kleines Sprühflugzeug mitten in die Herzen der Zuschauer fliegen…

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Denn dieses kleine Sprühflugzeug hat einen großen Traum: Es möchte beim „Wings around the Globe“ Wettrennen antreten, dem berühmtesten Flugzeugrennen der Welt. Und obwohl die Konkurrenz aus den schnellsten und talentiertesten Fliegern weltweit besteht, ist sich Dusty, das Sprühflugzeug mit Höhenangst, gewiss: „Ich bin einfach mehr als nur ein Sprühflugzeug!“ Zeit, über sich hinauszuwachsen! Awwww!

Cars, Planes, Boats, Bikes & Trains

Tja, was soll man da noch groß erzählen? Eigentlich könnte ich genauso gut auf meine Cars 2 Kritik verweisen. Denn was wir hier vorfinden, ist so ziemlich der gleiche Film, nur eben mit Flugzeugen. Die schöne Anekdote, dass Pixar-Vorstand John Lasseter Autos über alles liebt und deswegen immer mal einen Film über Autos produzieren wollte, zieht bei „Planes“ natürlich nicht mehr. Oder doch? Denn natürlich gibt es auch bei Disney jemanden, der ebendiese Leidenschaft für Flugzeuge hegt: Klay Hall, der diesmal die Regie übernahm.

„Flugzeuge haben mich schon immer fasziniert und begeistert. Mein Vater diente in der Navy, sein Vater war ebenfalls Pilot. Sie flogen ihr ganzes Leben und haben mir diese Leidenschaft vererbt“, erklärt Hall, der von Lasseter (ausführender Produzent/Story) gefragt wurde, ob er gerne einen Film über Flugzeuge inszenieren möchte.

Und wer weiß, vielleicht liebt bei Disney ja noch jemand Boote, Fahrräder oder Züge! Dann dürfen wir uns sicher bald auf „Boats“, „Bikes“ und „Trains“ freuen! Und ich kann mir schon denken, wovon diese Filme handeln werden: Ein Rennen um die Welt, das von einem kleinen Kutter / einem klapprigen, geblümten 1-Gang-Damenfahrrad mit Korb an der Front / einer alten Dampflock gewonnen wird, die jeweils als Außenseiter gegen erfahrene Rennfahrzeuge antreten. (Solltet ihr diese Ideen aufgreifen, möchte ich am Gewinn beteiligt werden, Disney!)

Planes - Bruchlandung für Disney

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"Planes" ist wie "Cars". Nur mit Flugzeugen. Und Autos.
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Starlight Express, oh, Starlight Express!

Aber zurück zu den Flugzeugen: Rusty… ähm, Dusty (ach, er erinnert mich einfach irgendwie an die Dampflock „Rusty“ aus Starlight Express, die bei der großen Weltmeisterschaft der internationalen Züge als Außenseiter startet und das Rennen gewinnen möchte… ich weiß auch nicht, wie ich drauf komme…) startet als absoluter Außenseiter beim Vorentscheid des „Wings around the World“-Wettrennens.

Packshot zu PlanesPlanes

Leider scheitert er ganz knapp. Doch Disney fackelt nicht lange. Ebenso schnell, wie der Film startet – denn diesmal gibt es keinen Vorfilm – und es zum Vorentscheid kommt, wird Dusty, nur eine Sequenz nach seinem Ausscheiden, von der Rennleitung aufgesucht: ein anderes Flugzeug hat sich mit illegalem Treibstoff gedopt und wurde deswegen nun disqualifiziert. Bahn frei für Rusty – äh, Dusty!

Auf seiner Reise um die Welt lernt er neue Freunde kennen, bösartige Konkurrenz und natürlich auch die Liebe. Aber am wichtigsten ist natürlich, dass Dusty lernt, an sich selbst zu glauben! Denn auch ein kleines Sprühflugzeug kann große Dinge bewirken! Klingt ausgelutscht? I wo!

Über den Wolken herrscht dünne Luft

Disneys Planes hat eben etwas von einem Baukasten-Prinzip. Man nehme eine klassische Außenseiterstory, gebe Cars 1+2 dazu – nur diesmal mit Flugzeugen – und… ja, das war’s eigentlich schon. Der übliche Disney-Charme ist nämlich während des Rennens irgendwo zwischen New York und Island auf der Strecke geblieben. An Bord der Disney Airlines herrschte scheinbar Sauerstoffmangel in den Köpfen der Drehbuchautoren und Grafiker.

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Der Detailreichtum der Hintergründe und Charaktere befindet sich eher im müden Tiefflug – von einem Höhenflug waren die Designer weit entfernt. Die Landschaften wirken mehr lieblos dahingeklatscht als fantastisch inszeniert. Vielleicht hätte hier ein wacher Geist geholfen – „RedBull“ verleiht ja bekanntlich Flügel…

Als ebenso langweilig erweisen sich die Rennen, angefangen schon bei der Qualifikation. Von atemberaubender Action fehlt jede Spur, diese wurde auf Landeanflug-Geschwindigkeit heruntergefahren. Doch gerade für temporeiche und bildgewaltige Szenen ist diese Handlung ja eigentlich prädestiniert. Wieso Disney das nicht vollends ausgeschöpft hat, bleibt mir ein Rätsel. Ein Flugzeugrennen über Kontinente, Aufenthalte in fünf verschiedenen Ländern. Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Doch über den Wolken muss die Freiheit wohl eingeschränkt sein – zumindest bei Disney. Einzig Nepal scheint ein bisschen die Kreativität der Macher herausgekitzelt zu haben.

Planes - Bruchlandung für Disney

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Die Action ist nur ein laues Lüftchen.
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Doch auch die Witze beflügeln den Zuschauer nicht gerade zu Begeisterungsstürmen. Ab und an zeigt sich mal ein spaßiger Einfall, wie Papierflieger anstelle von Möwen oder (die kleine Schleichwerbung für Apple) „Skypads“, aber meist bleibt der Humor dumpf und kindisch auf dem Niveau von Sprüchen wie „Bauer sucht Rennen“.