Es kann einem schon das kalte Grausen kommen, wenn man in regelmäßigen Abständen hört, aus was für absonderlichen und zerbrechlich dünn gestrickten Ansätzen von Ideen Hollywood Filme zu machen gedenkt. Filme basierend auf „Schiffe versenken“, basierend auf Ouija-Brettern, basierend auf Bildern von Teddybären, die Nachts ihre Besitzer beschützen. Hollywood ist in Sachen Kreativität so bankrott wie eh und je... insofern ist es also nicht verwunderlich, wenn es auch jeden memetisch verbreiteten Kurzfilm in Sicht adaptieren will.

Diesmal haben wir insofern Glück gehabt, als dass Patrick Jeans Pixels etwas mehr Grundlage bietet als, sagen wir, „Going to the Store“. Die putzige Animation von Oldschool-Videospielfiguren, die die Welt angreifen und dabei zerlegen, sorgte für einige gute Schmunzler und nostalgische Gefühle. Das Problem hierbei ist: Wenn man das auf die Länge eines vollen Films strecken will, braucht man eine Handlung, braucht man Story und Charaktere und Dialoge und all dieses gute Zeug.

Um es vorwegzunehmen: Alles, worin Pixels nicht seine Vorlage imitiert, setzt es so dermaßen und mit Anlauf gegen die Wand, dass es schmerzt. Nun sind bereits einige Rezensionen zu dem Film in den USA erschienen, die so ziemlich alle genau das ausdrücken. Viele von ihnen geben Adam Sandler die Schuld. Ich nicht. Sandler ist nicht das einzige, das prinzipielle, nichtmal das hauptsächliche Problem. Pixels ist einfach an fast jeder Stelle furchtbar.

6 weitere Videos

Es ist wahr, Sandler ist grauenhaft, was aber nun für niemanden eine Überraschung darstellen dürfte. Sein Portfolio quillt nicht gerade über vor Meisterwerken, sein letzter auch nur erträglicher Film liegt lange zurück. In Pixels spielt er einen Nerd namens Sam Brenner, der in den 80ern ein legendär guter Arcade-Videospieler war. Sein größtes Turnier wurde damals aufgezeichnet und als kulturelle Botschaft ins All geschickt. Aliens fanden die Botschaft und besuchen über 30 Jahre später die Erde – sie haben das Video als Herausforderung verstanden und fordern die Erde zu mehreren Runden Real-Life-Videospielen mit gigantischen nachgebauten Figuren aus Pixeln.

Sam ist mittlerweile Hi-Fi-Techniker und würde nie mit dem ganzen Quatsch Berührung haben, wenn nicht sein bester Freund von damals, Will Cooper, nun Präsident der USA wäre und immer noch regelmäßig mit Brenner saufen würde. Cooper wird gespielt von Kevin James. Falls dem Zuschauer nicht bereits bei „Videospiele werden als kulturelle Botschaft ins All geschossen“ vor Unglaubwürdigkeit die Frontallappen geschmolzen sind, passiert es spätestens jetzt: Kevin James, der talentbefreiteste Flummi der Welt, mimt den Präsidenten. Das ist schwerer zu glauben als der anschließende Pixelkrieg.

Hätte ein Kurzfilm bleiben sollen, dann hätte man es wenigstens nach zwei Minuten hinter sich.Fazit lesen

Es kommt dann zur Konfrontation, Brenner wird als Experte dazugerufen, macht nebenbei eine Militärwissenschaftlerin klar, es gibt Unterstützung durch einen Verschwörungstheoretiker (gespielt von Josh Gad – weil ein einzelner drittklassiger Chris-Farley-Imitator offenbar nicht genug war) und ein paar gute Schauspieler, darunter Sean Bean, Peter Dinklage und Brian Cox, machen sich in Nebenrollen zum Affen. Wir reden von „Soldaten fallen sich vor Angst in die Arme und kreischen wie Dreijährige“, diese Art von Humor.

Pixels - Dieser Film verursacht Klotzreiz

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 1/51/5
Himmel hilf.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie erwähnt: Sandler, der mittlerweile wohl seinen eigenen Karrierestand begriffen hat, spielt gleichermaßen schlecht wie lethargisch, ist aber nur das Sahnehäubchen. Das positive, was sich über Pixels sagen lässt, beschränkt sich auf drei Punkte: Die Effekte, weil sie eben etwas stilisiert sind, kommen ganz niedlich rüber. Hierdurch funktioniert auch die Action ganz ordentlich, und wenn mit einem riesigen Pacman in den Häuserschluchten Einkriegezeck gespielt wird, dann ist das durchaus eine süße Idee. Außerdem merkt man, dass Chris Columbus ein erfahrener Regisseur ist. Handwerklich geht sein Teil des Films in Ordnung.

Nein, wer sich wirklich einen Großteil der Schuld geben lassen muss, sind die Drehbuchautoren. Beide sind alte Bekannte von Sandler und haben schon dabei geholfen, etliche seiner vorherigen Filme in den Sand zu setzen. Pixels ist in der Hinsicht eine Klasse für sich. Er ist gleichzeitig infantil unlustig und, so scheint es, müde wie ein alter Mann kurz vorm Exitus. So schleudert zum Beispiel Sandlers Charakter eine gelangweilte und künstliche Beleidigung nach der nächsten auf sämtliche seiner Mitmenschen, ohne, dass es dafür einen ersichtlichen Grund gäbe. Peter Dinklage grimassiert sich durch die hanebüchene Machismo-Attitüde seines Proletencharakters. Und auch, wenn man Kevin James durch Laurence Olivier ersetzt hätte, wäe die peinliche Slapstick-Parodie eines Präsidenten nicht besser aufgegangen.

Packshot zu PixelsPixels

Die Charaktere sind das eine, die Dialoge das nächste. Man spürt beim Gucken von Pixels, wie man dümmer wird, sobald irgendwer den Mund aufmacht. Von zehn Gags sitzt ein halber, und wer ernsthaft immer noch Klischees wie „Ich seh Dich auf der anderen Seite.“ schreibt oder glaubt, irgendein Herz ließe sich mit dem Satz „XY hatte recht – Sie riechen WIRKLICH gut.“ erobern, sollte ganz prinzipiell Schreibverbot bekommen oder zumindest nochmal einen dementsprechenden Kurs besuchen müssen.

Pixels - Deutscher Trailer #15 weitere Videos

Und irgendwie hat man es geschafft, sogar in einer simplen und völlig von Futurama geklauten Story noch Logiklöcher und Ungereimtheiten unterzubringen. So fand das besagte von den Aliens empfangene Turnier 1982 statt, teile der Invasionsarmee kommen aber aus später erschienenen Videospielen. Noch schlimmer, Spoiler voraus: Als alles verloren scheint, wie es bei solchen Geschichten kurz vor dem Finale immer sein muss, entscheiden sich die Aliens ohne den geringsten Anlass, Brenner und seine Crew von Nerds für eine finale Konfrontation auf ihr Schiff zu holen, wo sie dann auch folgerichtig besiegt werden. Sie hatten wortwörtlich bereits gewonnen. In jedem zweitklassigen Film hätten die Helden jetzt gemeinsam irgendeinen noch so albernen Plan entwickelt, die Aliens doch noch aus der Reserve zu locken. Nicht einmal das schafft Pixels.

Mit anderen Worten: Selbst das programmatische, bankrotte, billige kriegt Pixels nicht richtig hin. Man kann ihm allenfalls ein gewisses Maß an technischer Solidität zugestehen, wenn es um die tatsächlichen Invasionsszenen geht, um das bisschen Action, das aber zu wenig ist und in Kurzfilm-Form hätte bleiben müssen. Der gesamte Rest ist furchtbar gedacht, furchtbar ausgeführt oder beides.