Die Spieleverfilmung „Ace Attorney“ lief auf dem Fantasy Film Fest 2012. Wer nicht die Gelegenheit hatte, Takashi Miikes surrealen Gerichtsfilm auf der großen Leinwand zu sehen, für den gibt es zumindest einen kleinen Trost. Koch Media hat sich die Rechte an dem Werk gesichert und ihn nun auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

Nach dem Mord an seiner Kollegin und Mentorin Mia vertritt Anwalt Phoenix Wright deren Schwester Maya, die man der Tat bezichtigt. Als sein Gegner tritt sein ehemaliger Freund Miles Edgeworth auf. Das Pikante: Die Justiz hat sich gewandelt, der Angeklagte muss seine Unschuld beweisen und jeder Fall wird höchstens drei Tage vor Gericht verhandelt.

Es gelingt Phoenix, die Unschuld von Maya zu beweisen. Ein großer Sieg für den jungen Anwalt, aber seine größte Aufgabe wartet noch auf ihn. Denn sein nächster Fall hat Brisanz: Diesmal ist es Miles Edgeworth selbst, der wegen eines Mordes angeklagt wird. Niemand will Miles vertreten, nur Phoenix ist dazu bereit. Er steht vor einer gewaltigen Herausforderung, denn sein Gegner ist niemand anderes als Staatsanwalt Manfred von Karma, der seit 40 Jahren keinen Fall verloren hat…

Miike mag man – oder auch nicht

Takashi Miike ist sowohl einer der produktivsten als auch polarisierendsten Filmemacher unserer Zeit. Die einen lieben seine Filme, die anderen hassen sie. „Ace Attorney“ könnte vielleicht das erste seiner Werke sein, das uneingeschränkt jedem zu empfehlen ist – zumindest, wenn man ein Faible für das Surreale hat.

Phoenix Wright - Ace Attorney - Es gibt keine gute Spieleverfilmung? EINSPRUCH! Diese hier ist grandios

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"Einspruch!" Kurios: Die Charaktere sind bestmöglich denen aus dem Spiel nachempfunden.
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Denn Miike reichert seinen Film mit einer Vielzahl ungewöhnlicher und unerwarteter Elemente an (z.B. das blaue Maskottchen der Polizei) und lässt seine Figuren plötzlich losschreien, auch wenn es gar nicht passt. Aber genau damit provoziert er auch die Lacher, denn was er mit „Ace Attorney“ abgeliefert hat, ist mehr als nur ein Gerichtsfilm – es ist ein wahrgewordenes Videospiel, visuell ganz nach dem Muster erfolgreicher Anime gestrickt. Schon die wilden, in alle Richtungen abstehenden Frisuren der Protagonisten sorgen für ein konstantes Schmunzeln.

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Meister der Theatralik

In japanischen Filmen agieren die Mimen oft äußerst zurückhaltend (ganz im Gegensatz zur Konkurrenz aus China), hier werden die Schauspieler jedoch angespornt, wild wie ein Derwisch zu agieren. Das zeigt sich in total übersteigerter, aber enorm cooler Theatralik (sehr schön beim Finale mit Manfred von Karma zu sehen), aber auch in den Momenten, in denen Phoenix krampfhaft versucht, vor Gericht Zeit zu erkaufen und einen neuen Beweis zu finden.

Es mag sein, dass diese Form der Übertreibung nicht jedermanns Sache ist, aber zweifelsohne ist sie für diesen Film perfekt.

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Nahe am Spiel

Der Film orientiert sich stark an den Spielen inklusive vieler „Einspruch“ und „Nimm das!“-Zwischenrufe. Dazu kommt, dass er mit seiner Laufzeit von deutlich über zwei Stunden auch so aufgebaut ist, als würde man von einem Level zum nächsten kommen, sind es doch erst Mayas Verhandlung und dann die von Miles, die in drei Tage (und eine Extra-Runde) aufgeteilt ist.

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Die Frisuren für sich allein haben schon einen Unterhaltungswert.
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Die ganz große Stärke von „Ace Attorney“ sind auch die vielen nebensächlichen Kleinigkeiten, so etwa das Monster von Lake Gourd (liebevoll Gourdy genannt) und die damit verbundenen Hintergründe, oder ein sprechender Papagei, der von Bedeutung wird, die Rückblicke in die Kindheit von Phoenix und Co. oder auch die einfach nur grandiosen Dialoge („Redd White in einem schwarzen Mantel – was für ein buntschillernder Mann.“).

Nicht nur für Fans der Games. Takashi Miike hat einen spannenden, witzigen, überraschenden, prächtigen, surrealen Film abgeliefert, der voll reinhaut!Fazit lesen

Im Grunde reicht einmaliges Sehen gar nicht aus, um Miikes 135-Minuten Trip in seiner Gänze aufzunehmen – dafür gibt es viel zu viele Kleinigkeiten, die man in der Rasanz der Geschichte auch leicht übersehen kann.

Auch schön: Der Nachspann ist nicht einfach nur langweiliges Herunterspulen Hunderter Namen, sondern in die Handlung eingebettet, so dass man bis zur letzten Sekunde Unterhaltung geboten bekommt.