Nach dreieinhalb Jahren hat sich 20th Century Fox nun also doch entschieden, die Abenteuer des Halbgottes Percy Jackson fortzusetzen. Was 2010 als anhaltender Franchise-Erfolg gedacht war, interessierte im Kino die wenigsten: Den Versuch eines US-amerikanischen Pendants zu Harry Potter straften Publikum wie Kritik gleichermaßen ab. „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“ heißt jetzt der ungefragte zweite Versuch, die Bücher von Rick Riordan in Filmserie zu schicken.

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Griechische US-Mythologie

Percy-Darsteller Logan Lerman spricht großspurig von einem Geschenk an die Fans, doch wahrscheinlicher ist, dass die DVD- und Blu-ray-Einnahmen des ersten Teils etwas zufriedenstellender waren als die der Kinoauswertung. „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ blieb bei seiner Veröffentlichung deutlich hinter den Erwartungen zurück, als das Studio mit den umgehend gesicherten Rechten an der Jugendbuchserie und der Verpflichtung von Harry-Potter-Regisseur Chris Columbus einen neuen Franchise-Erfolg aus der Taufe heben wollte.

Schon der Roman des ehemaligen High-School-Lehrers Rick Riordan galt in Teilen als epigonaler US-Verschnitt der Erfolgsbücher von Joanne K. Rowling. Harry Potter für amerikanische Kids, resümierte die Kritik nach der Kinoadaption 2010. Das größte Problem des Stoffes aber ist dessen einfältige Prämisse, die Götter- und Heldengeschichten der griechischen Mythologie in die USA zu verlegen. Fast unverschämt geronnen die Abenteuer der alten zur Nabelschau einer vergleichsweise popeligen neuen Welt.

Der Eingang zum Olymp führte da über die Spitze des Empire State Building, in die Unterwelt gelangte man am Hollywood Sign in Los Angeles. Was als freche Umschreibung nicht ohne popkulturellen Reiz sein mag, ließ in der weitgehend wichtigtuerischen Götter-Schnitzeljagd durch US-Bundesstaaten ironische Brechungen vermissen. Leider kann auch „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“ aus der Inanspruchnahme fremder Mythen erstaunlich wenig unbekümmerten Spaß entwickeln, obgleich er minimal vergnüglicher ist als der Vorgänger.

Nach seinem Kampf gegen Luke (Jake Abel), den Dieb des Herrscherblitzes (aka Draco Malfoy), ist Percy Jackson in das Camp Half-Blood (aka Hogwarts) zurückgekehrt, um mit seinen Halbgottfreunden Annabeth (Alexandra Daddario) und Grover (Brandon T. Jackson), aka Hermine und Ron, sinnlose Strategiespiele und martialische Schwertduelle zu absolvieren. Mr. D (Stanley Tucci) und der Zentaur Chiron (Anthony Head, zuvor gespielt von Pierce Brosnan) unterrichten Percy über dessen Zyklopen-Halbbruder Tyson (Douglas Smith), von dem er bislang nichts wusste.

Nach wie vor im Fahrwasser von Harry Potter angesiedelt, bleibt die Verwurstung griechischer Mythen auch weiterhin nur was für amerikanische Kids.Fazit lesen

Kurz darauf greift plötzlich Kolchis, ein metallischer, Feuer speiender Stier, das Camp durch die beschädigte Schutzwand an. Vom Orakel (aka Sybill Trelawney) erfährt Percy, dass nur das Goldene Vlies den sicheren Zufluchtsort der Halbgötter retten kann. Eine ausgewählte Gruppe Halbgötter-Teens muss sich auf das Meer der Monster wagen, um Camp Half-Blood und den Olymp zu retten. Die resolute Clarisse (Leven Rambin), Tochter von Kriegsgott Ares, führt die Mission an, sehr zum Ärger von Percy.

Percy Jackson 2: Im Bann des Zyklopen - Warum eine Fortsetzung, wenn der erste Teil schon ein Flop war?

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Ein Film wie ein Vergnügungspark: viel Getöse, wenig Substanz.
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Im Vergnügungspark der Halbgötter

Der ist als Sohn von Meeresgott Poseidon geradezu prädestiniert für diese Aufgabe und macht sich mit seinen Freunden selbst auf die Suche nach dem Goldenen Vlies. Gleich zu Beginn der eigenmächtigen Aktion wird (der schon im ersten Teil nur schwer zu ertragende Sidekick) Grover entführt, ehe Percy erkennen muss, dass abermals der totgeglaubte Luke hinter dem zerstörerischen Plan steckt. Und der Sohn von Hermes unternimmt alles, um Kronos wiederauferstehen zu lassen.

Den dramaturgisch situativen Charakter des Vorgängers behält das vom deutschen Regisseur Thor Freudenthal inszenierte Sequel bei, erneut müssen Percy Jackson und Co. zahlreiche Einzelepisoden bestreiten. Wo die jugendlichen Halbgötter im ersten Film durch Nashville, Las Vegas und Hollywood reisten, um die Medusa, die Hydra und Lotusesser zu besiegen, paddeln sie nun über ein Monstermeer, das sie zu Zombies im Bermuda-Dreieck, dem Zyklopen Polyphem oder dem Fabelwesen Mantikor führt.

Packshot zu Percy Jackson 2: Im Bann des ZyklopenPercy Jackson 2: Im Bann des Zyklopen

Weder der deutsche („Im Bann des Zyklopen“) noch der englische Titel („Sea of Monsters“) werden dem Film allerdings gerecht, denn der von Polyphem festgehaltene (und damit glücklicherweise großteils abstinente) Grover spielt ebenso wie das Meer eine eher untergeordnete Rolle. „Percy Jackson und das Goldene Vlies“ oder „Percy Jackson im Vergnügungspark der Halbgötter“ wären adäquatere Titel gewesen, um den ohnehin recht kurzen, höhepunktarmen Film zu umschreiben.

Percy Jackson 2: Im Bann des Zyklopen - Warum eine Fortsetzung, wenn der erste Teil schon ein Flop war?

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Ein Taxi für zwei.
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Wie schon der mit einem Budget von deutlich unter 100 Millionen US-Dollar vergleichsweise günstige Vorgänger ist auch Percy Jacksons zweite Abenteuerreise eher überschaubar opulent inszeniert: Standard-Spezialeffekte, wenige tatsächliche Sets, keinerlei epischer Atem. Zumindest den allzu albernen Humor und das mitunter nervtötende Gebaren der amerikanischen Kids drosselt die Fortsetzung gegenüber dem ersten Teil, und das Finale ist, wenngleich auch vollkommen uninteressant, einigermaßen hübsch anzuschauen.

Im Gegensatz zur Romanvorlage bringt einen die Kinoadaption um zahlreiche Attraktionen, etwa die stymphalischen Vögel, Zauberin Kirke oder die Sirenen, schickt ihre Helden aber dafür in einen (ziemlich idiotischen) Vergnügungspark. Der fasst das Prinzip der Percy-Jackson-Filme wiederum gut zusammen: In bunten Fahrgeschäften schlängeln sie sich etappenweise durch eine vereinnahmte Kulturgeschichte, aber der Eindruck gleicht dem des Halbbruders Tyson, der am Ende bezeichnenderweise feststellen muss: „Ich hätte gedacht, das würde mehr Spaß machen.“