Nicolas Cage nebst Veronica Ferres in einem Horrorfilm von Uli Edel – das ist die unmöglichste Idee in der ohnehin unmöglichen Spätkarriere des Schauspielers seit „Bad Lieutenant“. Sie wirft die Frage auf, ob Edel seinen Star zu einer ähnlich durchgeknallten Performance inspirieren kann wie zuvor schon dessen Kollege Werner Herzog. Leider wird man diesbezüglich aber schwer enttäuscht, Ergebnis der reizvollen Zusammenarbeit ist nämlich nur ein handelsüblicher Mystery-Thriller namens „Pay the Ghost“.

Pay The Ghost - Official Trailer #1

Ach, damals in Heidelberg

Nicolas Cage ist Mike Lawford aus New York (bzw. Toronto, das hier für New York herhalten muss), und er ist erfolgreicher Literaturprofessor und glücklicher Familienvater. Zum Leidwesen seiner Liebsten kommt die Dozentenkarriere bei jedoch an erster Stelle: Viel zu oft rezitiert er im Hörsaal den Erlkönig („Pretty good, huh?“), viel zu selten schmust er daheim mit Söhnchen Charlie (Jack Fulton) und Ehefrau Kristen (Sarah Wayne Callies, die schon in „The Walking Dead“ immer ganz viel schmusen wollte).

Pay The Ghost - Nicolas Cage, böse Geister und… Veronica Ferres

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Das Model und der Schnüffler: Sarah Wayne Callies mit Film-Ehemann Nicolas Cage.
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Zu Beginn trennt diesen Film dabei noch wenig vom Meisterwerk, das er hätte werden können: Man sollte wirklich mal erlebt haben, wie Cage Johann Wolfgang von Goethe liest. Überhaupt sind die Universitätsszenen ziemlich toll, im speziellen Cage-Sinne natürlich: Mike besucht in der Fakultät seine Kollegin Hannah (Auftritt Veronica Ferres), lässt sich von ihr irgendeinen archäologischen Quatsch erzählen und schwärmt über alte Zeiten in Heidelberg.

Man stelle sich „Das Vermächtnis der Tempelritter“ mit Ferres statt Kruger vor, inszeniert von Uli Edel – das wär’s gewesen. Doch Mike hat familiäre Verpflichtungen, weshalb „Pay the Ghost“ schnell dazu übergeht, die herrlich debile Idylle durch Plot zu ersetzen. Der Professor besucht mit seinem Sohn eine Halloween-Parade, auf der Charlie plötzlich spurlos verschwindet. Zuvor fragte dieser seinen Vater noch, ob er anstelle von Eiskrem nicht lieber „den Geist bezahlen“ könne – ein Satz, der Mike nun lange Zeit nicht mehr loslassen wird.

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Blinde Männer, die ihm den Weg aufzeigen: Die Karriere von Nicolas Cage in einem Bild.
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Monatelang dauert dessen Suche nach dem verlorenen Sohn, sie kostet ihn Nerven, Haus und Ehe. Gewissheit bringt erst das erneut anstehende Halloween-Fest: Eine übernatürliche Gestalt entführte Charlie, irische Immigranten, keltische Göttinnen und die Sagenfigur Sawan sind wohl auch involviert. Mike bleiben im Verlauf des 31. Oktobers nur wenige Stunden, um seinen Sohn zu befreien – und zum Glück entdeckt er eine schöne große Brücke, die ihm den Weg Richtung Jenseits ebnet.

Kein (Uli-)Edel-Trash

Im Prinzip also: „96 Hours“ in der Gruselvariante, mit Geistern statt Menschenhändlern. Cage hat diese Rolle schon mehrfach gespielt: In „Drive Angry“ musste er als aus der Hölle entflohener Sträfling seine Enkelin retten, in „Stolen“ und „Tokarev“ entführten Bösewichte seine Töchter. Man kann es deshalb völlig konsequent finden, wenn Cage im Vigilanten-Modus jetzt auch noch auf Vergeltungstour durchs Zwischenreich von Leben und Tod gejagt wird, denn sein Figurenarsenal ist längst so unbegreiflich wie großartig.

Nicht besser als befürchtet, sondern schlechter als erhofft. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.Fazit lesen

„Pay the Ghost“ hätte genauso unbegreiflich und großartig sein können wie die Karriere seines Stars, aber er hält Cage lieber an der kurzen Leine. Uli Edel lässt die Mega-Acting-Fähigkeiten seines Mega-Acting-Hauptdarstellers weitgehend ungenutzt, gibt Cage schlicht kaum mehr zu tun, als mit sorgenvoller Miene von A nach B zu sprinten. Dem ewigen Eichinger-Zögling fehlt jenes Abstraktionspotenzial, das so abgehangene Genrestoffe wie diesen zu mehr macht als nur den nächsten Mystery-Film der Woche.

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Veronica Ferres (rechts) als Wissenschaftlerin, der Böses schwant.
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Edel ist natürlich nicht Herzog, aber Edel ist immerhin der Regisseur des wahrlich unglaublichem Bushido-Debakels „Zeiten ändern dich“, was es umso weniger verständlich macht, dass er sich hier nicht in Camp- oder Trash-Gefilde vorwagt, sondern nur brav Dienst nach Vorschrift leistet. Er liefert ambitionslos ab, was bestellt wurde. Und bestellt wurde offenbar „mach mal wie bei Insidious“, obgleich „Pay the Ghost“ eigentlich auf einer Originalgeschichte des Fantasy-Autors Tim Lebbon basiert.

Der Film traut sich nichts, reiht stattdessen nur jegliche Haunted-House-Klischees des jüngeren Horrorkinos mit außerdem sehr sonderbaren Computereffekten aneinander. Seine Hauptfiguren engagieren ein Medium, haben mit temporärer Besessenheit zu kämpfen, unternehmen Ausflüge ins Jenseits – all das hat man schon zigfach und vor allem zigfach besser gesehen. Kein unerträglicher, aber angesichts seiner Vorraussetzungen doch erstaunlich uninteressant geratener Grusel-Schmu.