Mittlerweile ist man an dem Punkt, dass es kaum noch große Genre-Erfolge der 70er und 80er Jahre gibt, die nicht mit einem Remake versehen werden oder bei denen nicht zumindest eines in Planung ist. Das geschieht längst nicht mehr nur in Hollywood, auch andernorts will man mit alten Erfolgen noch mal Reibach machen, so auch in Australien.

Patrick - Official Trailer #1

Dort erlebten Genre-Filme in den 70er Jahren im Zuge der so genannten Ozploitation eine echte Hochzeit. Einer dieser Filme ist „Patrick“, der 1978 nach einem Drehbuch des jüngst verstorbenen Everett De Roche („Razorback“, „Long Weekend“, „Link – Der Butler“) entstanden ist. 35 Jahre später machte sich der Ozploitation-Experte Mark Hartley daran, das Remake zu inszenieren.

Patrick - Patrick liegt im Koma, aber er kann dennoch töten…

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Der Film erscheint bei uns am 30.05.2014 auf Blu-ray/DVD.
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Es ist moderner, aber auch geradliniger und dementsprechend etwas weniger faszinierend. Im Grunde wäre es schöner gewesen, Everett De Roches unverfilmtes Drehbuch für ein Sequel des Originalfilms umzusetzen. Aber gut, es sollte nicht sein, man muss nehmen, was man kriegen kann. Ein Remake also.

Dr. Roget (Charles Dance) führt ein Krankenhaus, in dem Menschen behandelt werden, die Hirntraumata erlebt haben und im Koma liegen. Einer dieser Patienten ist der junge Mann Patrick, der keinerlei Regung von sich gibt. Laut Dr. Roget gibt es keine Gehirnaktivität, die neue Krankenschwester Kathy (Sharni Vinson) mag das aber nicht glauben. Wenn sie mit Patrick alleine ist, zeigt er, dass er seine Umgebung wahrnehmen kann.

Darum will Kathy verhindern, dass Dr. Roget ihn weiterhin mit Elektroschocks behandelt, aber Patrick will gar nicht, dass sie ihm hilft. Er weiß die Behandlung zu nutzen, erlaubt sie es ihm doch, sein telekinetisches Potenzial ganz und gar auszuschöpfen. Damit gerät jeder in der Einrichtung in Gefahr – und nicht nur dort!

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Doktor Roget (Charles Dance).
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Modernisiert, aber auch nicht mehr

Die Geschichte des Originalfilms wird hier kaum variiert, im Großen und Ganzen hält man sich an das, was schon vor mehr als 30 Jahren funktioniert hat. Nur der Look des Films wurde deutlich modernisiert. Hartley arbeitet dabei mit einem düsteren Ambiente. Er hat die Klinik so gestaltet, dass sie fast wie ein Spukhaus wirkt. Das sorgt für reichlich Atmosphäre, die verbunden mit der der Geschichte inhärenten Melancholie ihre Wirkung nicht verfehlt.

Obwohl der Film in seinen Effekten etwas offensiver ist und damit deutlich stärker modernen Sehgewohnheiten entspricht, gilt doch auch, dass er relativ langsam erzählt ist. Er lässt sich Zeit, die Figuren und die Situation zu präsentieren.

Ein Problem des Films ist natürlich, dass viele Zuschauer das Original kennen werden. Ist das der Fall, hält der neue „Patrick“ so viele Überraschungen nicht parat. Das ist insofern schade, da das Original davon lebt, dass es abseits üblicher Konventionen erzählt ist und die Geschichte so unvorhersehbar vorantreibt, dass man lange nicht weiß, worauf sie eigentlich hinauslaufen will. Das funktioniert auch beim Remake, obschon in geringerem Rahmen, da die Ideen, die 1978 noch frisch waren, im Lauf der Jahrzehnte natürlich auch mannigfaltig variiert worden sind.

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Patrick nutzt seine Kräfte für diabolische Ziele.
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Aber der Film verfügt über dieselbe gruselige Atmosphäre und die gefühlsmäßige Kälte, die schon das Original ausgezeichnet hat. „Patrick“ arbeitet mit einer unterbewussten Angst des Publikums, indem er zeigt, wie ein Arzt unbehelligt von der Öffentlichkeit mit dem ihm Schutzbefohlenen experimentiert.

Wenige Schocks, viel Stimmung

„Patrick“ arbeitet nicht mit Schockmomenten. Er ist in dem Sinne auch nicht gruselig, sondern lebt mehr von der betont düsteren Atmosphäre. Man kann nicht umhin zu bemerken, dass ein paar Szenen mit Gänsehautfaktor einfach fehlen. Daran ändert auch die stimmungsvolle, aber altmodisch erscheinende Musik von Pino Donaggio nichts.

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Mark Hartley führte bei dem Remake Regie.
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Die Besetzung des Films ist wiederum exzellent, allen voran Charles Dance („Game of Thrones“) als kalter Wissenschaftler und Sharni Vinson („Bait“) als eine Frau, deren Güte es überhaupt erst ist, die Patricks Bewusstsein weckt. Sie ist das Zentrum dieses Films und etabliert sich damit endgültig als Genre-Star.

Im Grunde macht „Patrick“ alles richtig, allein der Verzicht auf mehr Originalität wird dem Film zum Verhängnis, das aber auch nur, wenn dem Zuschauer das Original vertraut ist.