Eine Traumkombination: Jason Statham spielt Donald E. Westlakes berühmte Romanfigur Parker, Jennifer Lopez die schöne Frau an seiner Seite – und ausgerechnet Oscarpreisträger Taylor Hackford inszeniert das Katz- und Mausspiel. Da hätte eigentlich nicht viel schiefgehen können, doch „Parker“ ist allzu lang, etwas höhepunktarm und recht umständlich erzählt.

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Tex Man Statham

Parker, dessen Vorname ein ewiges Rätsel bleiben wird, ist ein gerissener Berufskrimineller und Donald E. Westlakes bekannteste Figur. Der 2008 verstorbene Schriftsteller ließ sie unter dem Pseudonym Richard Stark über vierzig Jahre hinweg in zwei Dutzend Romanen mit dem Gesetz in Konflikt treten. Taylor Hackfords Kinoadaption der diebischen Abenteuer basiert auf der im Jahre 2000 veröffentlichten Folge „Irgendwann gibt jeder auf“ (im Original: „Flashfire“).

Nach einem Überfall auf einen Freizeitpark wird sich der Profiräuber Parker (Jason Statham) nicht mit seinen kriminellen Kollegen einig und erwacht daraufhin kurzerhand im Krankenhaus. Über den (von einem unfassbar abgehalfterten Nick Nolte gespielten) Vater seiner Freundin erfährt er vom Aufenthaltsort der Gangster, die ihn ermorden wollten. Fest entschlossen, sich seinen Anteil zurückzuholen, fährt Parker nach Palm Beach, Floria, um seine verräterischen Partner dingfest zu machen.

Dort engagiert er die verschuldete und leicht neurotische Immobilienmaklerin Leslie (Jennifer Lopez), um via Häuserbesichtigung den genauen Wohnort der ihrerseits längst einen neuen Coup planenden Ganoven in Erfahrung zu bringen. Leslie kommt allerdings schnell dahinter, dass der angeblich vermögende Texaner in Wahrheit nur ein Hochstapler ist, verliebt sich aber dennoch in ihn. Wider besseres Wissen beschließt sie ihm zu helfen – und gerät natürlich in tödliche Gefahr.

Im Vorfeld äußerten Fans der Vorlage Kritik an der Besetzung von Jason Statham, der angeblich zu sehr mit einer bestimmten Sorte Actionfilm verknüpft und als Engländer ohnehin nicht für eine so amerikanische Figur wie Parker geeignet sei. Der vielleicht größte Actionstar der Gegenwart macht in der Titelrolle allerdings durchaus eine gute Figur, zumal er ähnliche Rollen bereits in High-Concept-Filmen wie „Bank Job“ spielte.

Parker - Jason Statham und Jennifer Lopez - Nuff said?

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Ja, Jennifer Lopez trägt in dieser Szene nur ihre Unterwäsche – macht allerdings nicht nur dabei eine gute Figur.
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Die Momente, in denen Statham Dank legerer Anzüge und rauem Charme mit dem Bild des typisch englischen Gentlemans spielt, während er gleichzeitig unter anderem auch einen kauzigen Texaner mimt, gehören im Gegenteil eher zu den witzigeren des Films. Jene Souveränität und Leichtigkeit, mit der Statham kontinuierlich qualitativ unterschiedlichste Genrefilme schultert, hat ihn zu Recht zum Star gemacht – und daran ändert auch „Parker“ nichts.

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Ebenfalls erfreulich ist, dass die mit 30 Millionen US-Dollar Budget vergleichsweise günstige Kinoadaption nicht auf ein allzu jugendliches Publikum zugeschnitten wurde. Ein solcher Stoff benötigt Härten, und die spielt der Film in den entsprechenden Momenten auch deutlich aus. Dennoch mag „Parker“ nicht recht überzeugen, was weniger an einer etwaigen Fehlbesetzung seiner Titelfigur, als vielmehr am überdurchschnittlich dürftigen Drehbuch liegt.

Viel heiße Luft

Mit über zwei Stunden Laufzeit ist der Film vor allem eines: ziemlich lang. Und dass diese zwei Stunden sich auch wie zwei Stunden anfühlen, ist in erster Linie der umständlichen Bearbeitung der Vorlage zuzuschreiben. Autor John J. McLaughlin (der zuletzt bereits „Hitchcock“ schlimm verhauen hat) gelingt es nicht, die schön-simple Geschichte auch entsprechend gradlinig zu strukturieren.

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Parkers Freundin, die sinnloseste Figur des Films.
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Viel zu lange ist der Film mit Exposition beschäftigt. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, ehe der Held allerlei organisatorischen Krimskrams erledigt und den eigentlichen Spielort Palm Beach erreicht hat. Wenn dann endlich (die äußerst gut aufgelegte) Jennifer Lopez auf der Bildfläche erscheint und die ohnehin allzu absehbare Handlung in Gang gesetzt wird, ist schon beinahe eine Stunde vergangen – und die ließ „Parker“ zäher wirken, als er es nötig gehabt hätte.

Die dramaturgischen Schwierigkeiten setzen sich jedoch leider auch dann fort. So konzentriert sich der Film ausgiebig auf Nebenschauplätze, die ihn nicht voranbringen: Die Flucht von Parkers Freundin (Emma Booth) hat mit der eigentlichen Geschichte kaum etwas zu tun und könnte problemlos herausgeschnitten werden, ohne dass sich das Handlungsgerüst verändern würde. Da sich der Film für diese Figur ohnehin nicht interessiert (und sie irgendwann sogar ganz außen vor lässt), wirkt da nur umso willkürlicher.

Wenig Action und dramaturgische Leere bestimmen diese leider nur auf dem Papier verheißungsvolle Parker-Adaption, die nicht wirklich schlecht, aber doch enttäuschend ist.Fazit lesen

Der finale Juwelendiebstahl der Gangstertruppe wiederum nimmt ebenfalls zu viel Raum ein, da er einen Höhepunkt präsentiert, in dem die von Statham und Lopez gespielten Hauptfiguren gar nicht vorkommen. Dadurch wirkt der eigentliche Schlussakt beinahe wie ein Anhängsel, das zu alledem auch noch weniger spektakulär ausfällt. Wer von „Parker“ im Übrigen einen saftigen Actionfilm erwartet, wird schwer enttäuscht sein: Während seiner zwei Stunden kommt er auf vielleicht nur drei-vier kleinere solide Actionszenen.

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Jason Statham tut, was er am besten kann: die Waffe sprechen lassen.
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Taylor Hackford, der gleichermaßen publikumswirksames Oscarmaterial („Ray“, „Ein Offizier und Gentleman“) wie auch klassische Genrestoffe („Im Auftrag des Teufels“, „Lebenszeichen - Proof of Life“) umsetzen kann, scheint für diesen Job nicht der richtige Mann zu sein. Ihm gelingt es nicht, das fahrige Drehbuch inszenatorisch auszubessern, und er hat den Film, der knackig, clever und dynamisch hätte sein müssen, nicht im Griff. So bleiben zwei sehenswerte Hauptdarsteller, eine Handvoll netter Momente und sonst nur viel heiße Luft.