Weltweit werden pro Jahr nicht mal mehr eine Handvoll Animationsfilme im Stop-Motion-Verfahren gedreht. Zu den bekanntesten der jüngeren Vergangenheit zählen „Die Piraten“, „Der fantastische Mr. Fox“ sowie Henry Selicks traumhaft schöner „Coraline“. Dessen Animationsstudio Laika erweckt nun Einzelbild für Einzelbild die schaurig-schönen Abenteuer von „ParaNorman“ zum Leben. Und zollt einer großen Kunst Tribut.

ParaNorman - Featurette #12 weitere Videos

Suburbian Nightmare

Die Geschichte eines klassischen Outcasts. Von seiner Familie fühlt er sich missverstanden, wirkliche Freunde hat er keine: Norman ist der seltsame Junge von nebenan, mit dem man besser nichts zu tun haben will. Eine besondere Gabe ermöglicht es ihm, mit ruhelosen Geistern zu kommunizieren, und eine folglich konsequent ausgeprägte Leidenschaft für Horrorfilme und Gruselutensilien isoliert ihn zusätzlich von seiner Umwelt.

Abnorman nennen die Mitschüler ihn geringschätzig, dabei steht der Junge vor einer überlebensgroßen Herausforderung – er muss sein kleines Städtchen gegen klapprige Zombies verteidigen. Kraft eines alten Hexenfluches steigen diese aus ihren Gräbern empor und versetzen das neuenglische Blithe Hollow in Angst und Schrecken. Für den überforderten Norman kann das nur heißen: Aus großer Kraft folgt große Verantwortung.

„ParaNorman“ ist dieses Jahr einer von gleich zwei Stop-Motion-animierten Horrorfilmen für ein jüngeres Publikum, bevor Tim Burton pünktlich zu Halloween mit der Langversion seines Kurzfilms „Frankenweenie“ an die Stop-Motion-Grusicals „Nightmare before Christmas“ und „Corpse Bride“ anknüpfen wird. Letzterem entlehnt der von Aardman-Urgestein Sam Fell inszenierte Film auch einen seiner schönsten Einfälle: Nicht die abgezehrten Zombies machen Jagd auf unschuldige Menschen, sondern umgekehrt.

ParaNorman - Nightmare before the Zombie Apocalypse

alle Bilderstrecken
Abnorman gegen die Zombie-Apokalypse. Die Macher zeichnen auch für "Coraline" verantwortlich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 11/131/13

Umkehrungsprinzip

So wie das Totenreich in „Corpse Bride“ im starken Kontrast zur Welt der Lebenden als Ort bunter Festlichkeit erstrahlte, geht die mörderische Hysterie in „ParaNorman“ von wild gewordenen Bürgern aus. Eine urkomische Reminiszenz an „Die Nacht der lebenden Toten“ tauscht durch verbarrikadierte Fenster greifende Zombie- gegen Menschenhände. Ein Umkehrungsprinzip, das der mit Klischees spielende Film auch sonst immer wieder vergnüglich aufgreift.

Packshot zu ParaNormanParaNorman kaufen: ab 4,90€

Zu den besonderen Stärken von „ParaNorman“ zählt sein vereinnahmender Titelheld, der mit wenigen entscheidenden Animationsdetails schon während der Exposition alle Sympathien auf sich vereint. Mit viel Witz und Charme werden er und die Nebenfiguren zum emotionalen Zentrum eines Films, dem seine figuralen Entwürfe wichtiger sind als eine originelle Geschichte. Diese bringt er dann im letzten Drittel auch ein wenig zu beharrlich zum Abschluss, darum bemüht, auf den letzten Metern noch das große Animationsspektakel zu entfachen.

ParaNorman - Nightmare before the Zombie Apocalypse

alle Bilderstrecken
Paranorman und die Maske des Zorns. Oder so.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder

Tricktechnisch jedoch ist dieser „ParaNorman“ eine Meisterleistung, vor visuellen Ideen sprudelnd und geradezu erstaunlich differenziert in der Animation. Nie zuvor sah man – angesichts der komplexen Natur des Stop-Motion-Verfahrens – derart ausgeklügelte Kameraoperationen und detaillierte Großaufnahmen. Ein an der Vintage-Ästhetik des jüngeren Fake-Grindhouse-Kinos angelehnter Vorspann vermengt zudem augenzwinkernd 3D-Animation, Stop-Motion und Schrabbel-Look. Feature Presentation à la Laika.