Nein, um einen Found-Footage-Film handelt es sich bei „Paranormal Vitality“ nicht, auch wenn das Cover und der Titel gerne Erinnerungen an „Paranormal Activity“ wecken wollen. Tatsächlich ist die spanische Produktion aber weit eigenständiger und wartet mit einer interessanten Variation der Geister- und Dämonengeschichte auf.

Paranormal Vitality - Deutscher Trailer

Dass man zugleich den Eindruck erwecken will, der Film sei die filmische Aufarbeitung einer echten Geschichte – inklusive von originalen Bild- und Tonaufnahmen der Experimente – ist natürlich abstrus. Man sieht aber darüber hinweg, da der Film, obschon sicherlich kein Meisterwerk, zumindest dich erzählt ist.

Die Psychiaterin Helena Jarra und der Parapsychologe Matias Kram sind der Überzeugung, dass Schizophrenie durch paranormale Ereignisse ausgelöst wird. Sie unternehmen ein Experiment, mit dem sie diese These belegen wollen. Im März 2006 bringen sie fünf schwer gestörte Patienten an einen verlassenen Ort, an dem unter mysteriösen Umständen Kinder zu Tode kamen. Sämtliche Räume sind mit Kameras ausgestattet, so dass dokumentiert werden kann, was in den folgenden Tagen passiert.

Die Probanden leiden alle an unterschiedlichen Formen von Schizophrenie. Manche sprechen mit Menschen, die nicht da sind, andere sehen Tote, wieder andere wollen gar nichts sehen. Schon bald nimmt das Experiment Fahrt auf. Paranormale Ereignisse treten zutage, Billardkugeln schweben, Stimmen sind zu hören, Dinge gehen kaputt. Das Übernatürliche, so scheint es, wird von Mal zu Mal aggressiver.

Alles scheint mit der jüngsten Teilnehmerin, dem Mädchen Ainara, verbunden zu sein, da sie immer im Mittelpunkt der Erscheinungen steht. Dann jedoch gerät die Situation außer Kontrolle. Einer der Teilnehmer stirbt, was für die anderen die Frage aufwirft, ob sie das Experiment bis zum logischen Schluss durchführen oder vorzeitig abbrechen sollen.

Paranormal Vitality - Paranormal! Voll normal? Scheißegal?!

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Die einen sprechen mit toten Menschen, die anderen sind selber welche.
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Die echten Sprengsel

Im Verlauf des Films gibt es immer wieder grobkörniges Videomaterial zu sehen, dass die Probanden während der Experimente zeigt – und hier vor allem natürlich, wenn Übernatürliches geschieht. Das ist ein ziemlich billiger Kunstgriff, der Authentizität vorgaukeln soll, wo sie völlig überflüssig ist. Denn „Paranormal Vitality“ will gar kein Found-Footage-Film sein, der etwas „Reales“ darstellt, sondern ist nach konventionellen filmischen Mustern erzählt.

Packshot zu Paranormal VitalityParanormal Vitality

Tatsächlich wirken die Einschübe mit den angeblich echten Bild- und Tonaufnahmen wie Showstopper. Der Film kommt zum Erliegen, weil man im Endeffekt dasselbe zweimal sieht, einmal in der fiktionalisierten Form des Films, einmal mit dem „echten“ Bildmaterial.

Der Ansatz funktioniert nur am Ende, als Schlagzeilen verschiedener Zeitungen gezeigt werden, während ein Psychologe mit der kleinen Ainara spricht und die Situation immer mehr außer Kontrolle gerät. Da sind es lediglich Tonaufnahmen – hier in Spanisch gehalten, aber untertitelt –, die zum Abschluss ein realistisches Feeling aufkommen lassen. Damit endet der Film auf einer effektiven Note, da der Zuschauer animiert wird, das Gehörte selbst zu interpretieren. So wirkt der Film deutlich nach.

Besser als es das Cover vermuten lässt. In der Figurenzeichnung interessanter paranormaler Horrorfilm, der andere Genre-Elemente mit einfließen lässt und ein knisterndes Finale zu bieten hat.Fazit lesen

In der rechten Hand den Engel …

Auf das marktschreierische Getöse des Verleihs, dass „die Anrufung des Teufels echten Ritualen der schwarzen Magie“ folgt, darf man natürlich nichts geben. Ein Ritual gibt es, wie echt das ist, darüber sollte man besser nicht sinnieren. Mit der entsprechenden Szene wird jedoch in den nächsten Gang geschaltet. Die Stimmung ändert sich, das Genre im Grunde auch. Was zuvor ein paranormaler Geisterfilm war, dringt plötzlich in das Reich der Dämonen und der Besessenen ein. Aber: Man hütet sich davor, einfach nur bei „Der Exorzist“ oder ähnlich gearteten Filmen zu klauen. Stattdessen wird dieser Teil des Films homogen mit der ersten Hälfte in Einklang gebracht. Die Entwicklung ist natürlich, nicht erzwungen.

Paranormal Vitality - Paranormal! Voll normal? Scheißegal?!

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Angeblich basiert das Ritual auf echten Praktiken der schwarzen Magie. Genauso wie Tütensuppe aus echtem Gemüse gemacht ist.
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… in der linken Hand den Dämon

„Paranormal Vitality“ lässt sich Zeit, die Figuren einzuführen. Sie werden dadurch für den Zuschauer greifbar. Ebenso sind ein paar Überraschungen, die sich im Verlauf des Films ergeben, dadurch umso wirkungsvoller.

Dem einen oder anderen mag der Aufbau zu langsam erscheinen, aber es wäre bei weitem nicht so, dass hier Langeweile herrschen würde. Stattdessen werden die Charaktere und ihre Beziehung zueinander (aber auch zu denen, die nur sie sehen können) wirksam eingeführt und ausgebaut. Aus der Charakterzeichnung heraus ergeben sich so auch Momente, die dem Gruselfaktor des Films Vorschub leisten.
Die darstellerischen Leistungen sind nicht überragend, dem Stoff aber mehr als angemessen. Gleiches gilt für die unaufgeregte, aber sympathische Inszenierung.