Das Label „Paranormal“ wird heutzutage gerne jedem halbwegs übersinnlichen Horrorfilm angeheftet. Seit „Paranormal Activity“ lässt sich damit gutes Geld verdienen, weswegen andere (Pseudo-)Reihen wie „Paranormal Entity“ oder „Paranormal Investigations“ aus dem Boden gestampft wurden. Aus Spanien kommt nun „Paranormal Experience“, der am 17. Mai als DVD und Blu-ray (inklusive 3-D-Fassung) erscheint.

Alles beginnt mit einem Experiment, das ein Professor mehrere Studenten durchleben lässt. Er zeigt ihnen, dass die Einbildung oder der feste Glaube daran, dass etwas real ist, auch Körperfunktionen beeinträchtigen kann. Wenig später stellt der Professor den Studenten eine neue Aufgabe. Sie sollen in einer verlassenen Minenstadt nach paranormalen Ereignissen suchen. In dieser Stadt trieb einst ein Mediziner sein Unwesen, der Menschen entführte und sie dann zu Tode folterte. Als er gestellt wurde, begruben ihn die Bewohner lebendig, aber seine Leiche verschwand daraufhin.

Paranormal Experience - Irgendwas mit Paranormal im Titel - wird sich schon verkaufen...

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Mit Paranormal Activity hat der Film nichts zu tun. Paranormal Experience ist ein konventioneller Slasher.
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Die Studenten finden in der Stadt erst nichts Merkwürdiges, aber Angelas Schwester Diana reagiert auf diesen Ort sehr sensibel. Ein Experiment wird durchgeführt, das damit endet, dass Diana den Folter-Doktor sieht. Fortan wird sie von diesem verfolgt. Er hat wieder eine Manifestation und nutzt diese, um die Studenten einem nach dem anderen aus dem Leben zu befördern.

Keine Wackelkamera

Wer angesichts des Titels einen Film im Stil von „Paranormal Activity“ erwartet, wird enttäuscht – oder positiv überrascht. Das hängt vom persönlichen Geschmack ab. Tatsächlich gestaltet sich „Paranormal Experience“ mehr wie ein handelsüblicher Slasher-Film, der leichte Torture-Porn-Anleihen nimmt und keineswegs vorhat, auf subtile Schocks oder Stimmungserzeugung zu setzen. Er ist im Grunde ein sehr direkter Film ohne Haken und Ösen, der irgendwie alle Zielgruppen bedienen will, aber dabei zu oft zwischen allen Stühlen sitzt.

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Allerdings versucht er am Ende doch, das Ganze etwas interessanter zu gestalten. Das hat mit der Enthüllung zu tun, wer für die Morde verantwortlich ist. Der Film versucht hier, eine gewisse Ambivalenz aufzubauen, so dass der Zuschauer sich entscheiden kann, ob er das Geschehen auf das Übernatürliche oder einen kranken Geist zurückführt. In der letzten Einstellung bezieht der Film dann stärker Position, was ihn letzten Endes schwächt.

Zeit für die Figuren

„Paranormal Experience“ vermeidet es, die Handlungsträger zu reinem Kanonenfutter zu machen. Da sich der Film Zeit lässt, bis das übernatürliche Element in die Handlung eingebracht wird, gibt es einige Szenen, die dazu da sind, dem Zuschauer nicht nur ein Gefühl für die Figuren zu geben, sondern sie ihm auch sympathisch werden zu lassen, damit das Nachfolgende die maximalmögliche Wirkung erlangt.

Packshot zu Paranormal ExperienceParanormal Experience

Besonders konzentriert man sich dabei auf das Schwesternpaar, in dessen frühkindliches Leben es immer wieder Rückblicke gibt. Geübte Genre-Kenner werden nicht allzu überrascht sein, wie sich diese Rückblicke entwickeln und auf welches Ende sie zusteuern. Nötig sind sie aber in zweierlei Hinsicht, unabhängig davon, ob man die Geschichte nun als übernatürlich oder nicht ansehen will. Denn so oder so ist dieses frühe Ereignis das Schlüsselerlebnis, das letzten Endes die Ereignisse in der Minenstadt erst möglich macht.

Die dritte Dimension

„Paranormal Experience“ wurde in 3-D gedreht, was man dem Film auch in seiner flachen Form ansieht. Immer wieder sind Szenen so gestaltet, dass Elemente in Richtung der Kamera geführt werden; sei es die Hypnose, der man Diana unterzieht, eine nach vorne greifende Hand, eine Kugel in den Kopf oder auch eine der anderen gewalttätigen Szenen. Die Technik wird als Budenzauber benutzt, ist nur ein Gimmick, das das Spektakel erhöhen soll. Das ist für diese Art Film auch vollkommen okay, echter Mehrwert stellt sich durch die dritte Dimension aber nicht wirklich ein.

Paranormal Experience - Irgendwas mit Paranormal im Titel - wird sich schon verkaufen...

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Trotz spanischer Herstellung mutet Paranormal Experience sehr amerikanisch an.
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In Spanien mag der technische Kniff gereicht haben, um für eine Kinoauswertung zu sorgen, in Deutschland hat sich der Verleih Universum gleich für eine Heimkinoauswertung entschieden. Überraschend ist das nicht, denn obwohl sicherlich kein schlechter Film, ist er doch weit davon entfernt, sich über ordentlichen Durchschnitt zu erheben.