Beim angeblich letzten „Paranormal Activity“-Teil, der „Ghost Dimension“ heißt und in 3D in die Kinos kommt, fällt es noch einmal besonders schwer, den anhaltenden Erfolg der Reihe nachzuvollziehen. So sehr sich die Serie auch darum bemüht, das alte Sujet vom Geisterhaus in einen eigenen Mythos zu verwandeln (als Camcorder-Variante in Found-Footage-Ästhetik einerseits, aber auch über verschränkte Zeitebenen auf der Plotebene), so sehr konterkariert sie zugleich diese Bestrebungen: Mit jedem neuen Film wird das „Paranormal Activity“-Universum ein bisschen weiträumiger und bekloppter.

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Paranormal Activity: Ghost Dimension - Und ewig wackeln die Kronleuchter

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Heimvideo-Katie verbreitet auch in einer über 20 Jahre später spielenden Gegenwart noch Angst und Schrecken.
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Spuk in mehreren Dimensionen

Darin ähnelt die Kinoserie einem anderen einträglichen Franchise-Erfolg des jüngeren Horrorkinos, der leider eingestellten „Saw“-Reihe. Schien es dort irgendwann kaum mehr möglich, das logistisch außerordentliche Treiben des Jigsaw-Mörders und seiner Schergen einigermaßen zu durchschauen, lauern hinter den Toren und Türen, die „Paranormal Activity“ Film für Film aufschlägt, mittlerweile nur noch fragezeichenbehaftete Fratzen. Und ob die inhaltlichen Schlenker der Fortsetzungen dabei auch tatsächlich etwas mit dramaturgischer Komplexität zu tun haben, können vielleicht wirklich nur eingeschworene Fans beurteilen.

Jedenfalls steht hier wie auch bei „Saw“ ein Bösewicht im Mittelpunkt, der mithilfe einer Komplizin am großen Ganzen arbeitet. Dieser Bösewicht ist ein Dämon namens Toby und das große Ganze sein mehrmaliger Versuch, eine menschliche Form anzunehmen. Komplizin Katie wiederum ist so etwas wie der heimliche Star der „Paranormal Activity“-Filme: Sie taucht zunächst als junges Mädchen im Jahr 1988 auf (in einer Prequel-Zeitlinie) und verbreitet später als besessene Gehilfin von Toby auch in der Gegenwart allerhand Schrecken (eine Schwester hat sie auch noch, sie allerdings überlebte schon den zweiten Teil nicht).

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Poltergeist-Referenz, die x-te: Berühre niemals Spiegelflächen, wenn du dir keine unheimlichen Dämonen ins Haus holen willst.
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„Ghost Dimension“ macht jetzt da weiter, wo der letzte, gar nicht mal so üble und eigentlich auch nur inoffizielle Film der Reihe, das Spin-off „Paranormal Activity – Die Gezeichneten“, aufhörte: Beim Spuk in mehreren Dimensionen. Das final eingebrachte Zeitreise-Motiv soll die rätselhaften Ereignisse der vorherigen Sequels etwas weniger rätselhaft erscheinen lassen, weil hinter allem ein immer schon buchstäblich dämonischer Plan steckte. Und weil man eine sechs Filme lang anhaltende Idee damit sozusagen rückvergüten kann: Denkfaulheit als Prinzip, willkürliche Horror-Plots als ineinander verzahnter Geistermythos.

Solche fortsetzungstypischen Bemühungen um Kausalität können natürlich durchaus amüsant sein (bei „Saw“ zum Beispiel waren sie mitunter auf großartige Art unwahrscheinlich). Sie können einem aber auch ganz schön auf die Nerven gehen. Zumal jeder neue „Paranormal Activity“-Film eine weitere unschuldige Sippe – und damit weitere irrelevante Platzhalterfiguren – in des Dämons Spiel bringt: Hier nun abermals mit einer vierköpfigen Mittelklasse-Familie, deren Oberhaupt Ryan (Chris J. Murray) das übernatürliche Treiben wieder fleißig mitfilmt. Und viel zu spät bemerkt, dass Toby es auf Tochter Leila (Ivy George) abgesehen hat.

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Gruselige VHS-Schlieren

Überraschend und für Fans wahrscheinlich auch enttäuschend ist, dass die erwachsene Katie in „Ghost Dimension“ überhaupt keine Rolle mehr spielt (obschon sie in „Die Gezeichneten“ noch einen prominenten Gastauftritt absolvierte). Stattdessen kehrt der sechste Film zu deren jüngerer Ausgabe (also zu Teil 3) zurück und macht das Schwesternpaar von einst über alte VHS-Bänder mit der neuen Familie bekannt. Ein im Schlafzimmer der kleinen Leila auftauchendes Portal stellt eine direkte Verbindung zur Rückblende her, während die merkwürdigen Heimvideos selbst als Unheil verkündendes Kommunikationsmedium fungieren.

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Besessene Mädchen: Am Ende muss wieder mal ein Pater mit Kruzifix, Rosenkranz und Weihwasser ran.
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Die tatsächlich einzige neue Idee des Films erweist sich dabei als ziemlich altes Gimmick: Vater Ryan nutzt eine umgebaute Videokamera, um die paranormalen Aktivitäten in seinem Haus zu dokumentieren, und im Gegensatz zu ihren modernen Alternativen bildet nur sie diese Aktivitäten auch sichtbar ab (zum guten Ton neuerer Horrorfilme gehört eben immer auch eine gewisse Skepsis gegenüber technischen Fortschritten, zumal VHS-Schlieren viel gruseliger aussehen als kristallklares HD). Ein altes Gimmick ist das vor allem deshalb, weil „Ghost Dimension“ nur zum 3D-Format wechselt, wenn diese Videokamera in Betrieb ist.

Das weckt Erinnerungen an William Castles nunmehr 55 Jahre alten Horrorspaß „Das unheimliche Erbe“, der einst mit einer „Illusion-O“ genannten Technik warb, für die es im Kino spezielle Brillen brauchte, um die titelgebenden Geister sehen zu können. Dem Charme eines William-Castle-Films ist der vom bisherigen „Paranormal Activity“-Cutter Gregory Plotkin inszenierte „Ghost Dimension“ aber doch gründlich unterlegen: Hier geht es nicht um liebevollen Jahrmarkt-Grusel, sondern um gewohnt lautstarke Jump Scares, deren digitale Entitäten, Schemen und Fratzen einem nun schlicht noch etwas doller und penetranter ins Gesicht springen.