Und ewig wackeln die Kronleuchter. Es ist wieder mordsmäßig was los im nunmehr vierten Film der „Paranormal Activity“-Serie. Türen öffnen sich wie von Geisterhand, das Licht geht an und aus, Menschen werden durch die Luft gewirbelt. Der schweineerfolgreiche Franchise-Grusel spielte bisher weit über eine halbe Milliarde US-Dollar ein, da kann einfach nicht Schluss sein mit dem nimmermüden Spuk auf Heimvideo.

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Katie ist zurück

„Paranormal Activity 4“ setzt etwa fünf Jahre später dort an, wo der zweite Teil endete. Die dämonisierte Katie (Featherston) kidnappte dort ihren Neffen Hunter (Brady Allen) und terrorisiert nun ihre ahnungslosen Nachbarn, auf die sie zunächst den kleinen Teufelsnachwuchs ansetzt. Ein kräftig pubertierendes Mädchen von nebenan durchschaut das Geistertreiben jedoch und installiert umgehend im gesamten Haus Kameras, damit auch wir was davon haben.

Alice (Kathryn Newton) rennt außerdem permanent mit ihrem Laptop durchs Haus, über dessen Webcam der Zuschauer aufregende Videochats und den ein oder anderen im Hintergrund vorbeiziehenden Schatten mitverfolgen darf. Der Rest ist die übliche Home-Video-Langeweile, bei der mal das Licht flimmert, mal eine Katze aus dem Nichts gesprungen kommt. Oder ein Basketball die Treppe herunterrollt, weil’s eben so unerklärlich gruselig ist.

Erstaunlich, wie die „Paranormal Activity“-Filme ihren Horror – bei einem bestimmten Publikum ja auch mit großem Erfolg – aus den Authentizität simulierenden Alltagsbildern unserer medialen Wirklichkeit bilden und dennoch nur abgehangene Horrorfilmklischees bemühen. Wo doch gerade die so genannten Found-Footage-Filme ihre Gebrauchsästhetik für neue sinnliche Grusel-Erfahrungen nutzen könnten, statt lediglich knarrende Türen 2.0 aufzutreten.

Paranormal Activity 4

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Trotz Kinect und Webcam: Der Geistergrusel ist in jedem Pixel "konventionell".
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Altbekannter Geisterschmu

Der ohnehin aufgesetzt wirkende Dokumentarcharakter dieser Filme wird durch das Klischeerecycling immer wieder aufgehoben, weshalb Fragen nach der Plausibilität (Wer fertigt diese Filme überhaupt an?) wahrscheinlich auch überflüssig sind. Dass „Paranormal Activity 4“ angesichts des längst instabilen Konzepts dann nicht gleich als „konventionell“ gedachter Spielfilm inszeniert wurde, ist sicherlich vorrangig eine ökonomische Entscheidung.

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Denn nach wie vor kostet ein Film der Serie bestenfalls das Tagesgesamtporto der Paramount-Studios. Ein profitables Geschäft, das künstlerische Erneuerungen der Serie nicht vorsieht und wohl auch gar nicht nötig hat. Den wenigen Einfällen des Vorgängers (VHS-Material, automatische Bewegungskamera) fügen die beiden Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman nur einen einzigen hinzu, doch die Kinect-Kamera (an einer im Film genutzten Xbox 360) filmt eben auch nur den üblichen altbekannten Geisterschmu.

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Bildstörung: Der größte Horror der neuen Medienwelt.
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In der Preview des Films kreischten die ganz jungen Zuschauer trotzdem um die Wette, obwohl auch sie anschließend zugegeben haben dürften, den nebligen Dunst dieses vierten Aufgusses nicht mehr ganz so undurchschaubar zu finden. Spätestens der zehnte „Paranormal Activity“-Teil feiert seine Weltpremiere dann vielleicht endlich auf YouTube – für das ultimative Videopixel-Erlebnis der dritten Art.